Kiefersfelden – Geplant war ein lauer Sommerabend – doch Gewitter, Sturmböen und Regenschauer verzögerten den Beginn der „White Moonlight Night“ im Kloster Reisach. Als der Himmel aufriss, begann das Open-Air-Konzert etwas später – und entwickelte sich gerade dadurch zu einem Abend, der Reisach in ein ungewohnt lebendiges Licht tauchte.
Die ungewöhnliche Kombination aus Geige, Ziehharmonika, Kontrabass, Cello und einer Stimme, die zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik mühelos wechselte, verlieh dem Programm eine Klangfarbe, die man selten hört. Anahita Ahsef ließ „Fly me to the moon“ vom US-amerikanischen Komponisten Bart Howard nicht einfach erklingen, sondern atmen. Auch „The Shadow of Your Smile“, im Freien besonders heikel, gelang ihr mit jener kontrollierten Ruhe, die intime Stücke trägt. „Youkali“ von Kurt Weill wurde zu einem Stück, das durch das Zusammenspiel von Gesang, Geige und Akkordeon eine besondere Wirkung entfaltete.
Die Geige verlieh dem Abend funkelnde Akzente. Peter Clemente, brachte jene Mischung aus Präzision und Leidenschaft mit, die sein Spiel international auszeichnet. Besonders der Monti Csárdás, dessen rasante Tempowechsel und virtuose Läufe selbst in Konzertsälen anspruchsvoll sind, wurde im offenen Hof zu einer bravourös gemeisterten Herausforderung. Auch Piazzollas Musik, rhythmisch komplex und atmosphärisch dicht, gelang ihm mit bemerkenswerter Geschlossenheit.
Die erzählerische Seele des Abends war Andreas Bittl, dessen Ziehharmonika den Klangraum mit einer warmen, atmenden Textur füllte. Er sang auch selbst und gab dem Programm mit seinen Mond-Dialogen einen dramaturgischen Bogen. In „Perhaps, Qui sas“ – einem Duett mit Ahsef – zeigte er jene charmante Leichtigkeit, die das Publikum hörbar begeisterte.
Im Hintergrund sorgten Robert Bischoff (Kontrabass) und Michaela KäsemannWilke (Cello) für das klangliche Fundament. Ihre Instrumente stabilisierten die offenen Klangräume, besonders in „Moonlight Serenade“, das eine ungewöhnlich transparente Balance verlangte und zu einem musikalischen Erlebnis wurde.
Kinder eröffneten das Konzert mit „Premierenfieber“ gemeinsam mit Anahita Ahsef, Michaela Käsemann-Wilke und Robert Bischoff. Später blieben sie wegen des Regens mit ihren Darbietungen unter Dach, tauchten die Klosterwiese in Farben und sangen und tanzten zu „What a Wonderful World“.
Schließlich übernahm DJ Vismay und öffnete den Abend in Richtung Sommerfest. Mit Klassikern der 1960er- bis 1980er-Jahre verwandelte er den Hof in eine tanzbare Sommerkulisse. Als der Mond über den Mauern erschien, erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. „Der Mond ist aufgegangen“, von den Kindern schlicht und berührend vorgetragen, wurde zu einem Moment stiller Schönheit. Die Zugaben führten den Abend in eine heitere Schlussstimmung, in der Ensemble und Kinder nochmals gemeinsam musizierten. Volkhard Steffenhagen