„Die Natur ist mein Kunstwerk“

von Redaktion

NILS-UDO präsentiert Ausstellung „Art in Nature“ in der Galerie im Alten Rathaus Prien

Prien – NILS-UDO ist ein Pionier der Land Art und zugleich einer ihrer bedeutendsten Vertreter. Seit 1970 lebt der weltweit renommierte Künstler in Riedering. Jetzt stellt der heute 89-Jährige erstmals seine Naturwerke aus unterschiedlichen Schaffensphasen im Chiemgau aus.

Bei einem Rundgang mit NILS-UDO („in Großbuchstaben bitte“) und der Kuratorin Inge Fricke durch die Galerie erzählt der Künstler weniger über sich als über seine Werke. Sein Streben sei es, „die Augen und die Herzen für die Schönheit, die Reinheit der Natur zu öffnen“. Als Maler hat er begonnen, ließ diese aber 1972 radikal hinter sich und arbeitet seitdem ausschließlich in und mit der Natur. Auf gepachteten Grundstücken in seiner Umgebung realisierte er erste große Pflanzungen und Naturarbeiten.

Ein grüner Torbogen
begrüßt die Besucher

Schon im Entree meint man, durch einen grünen Torbogen inmitten bewaldeter Natur zu schreiten, dabei ist es „nur“ eine Fotografie. „Wassernetz“ zeigt eine Wasserstelle – im Sommer mit Schilf überdacht, nackt und bloß im Winter. Das „Triptychon“ zeigt ein Floß mit Segel, „gebaut“ aus Esche, Haselstecken, Waldrebe und Löwenzahn, auf einem See. Aufgenommen aus drei unterschiedlichen Positionen meint der geneigte Betrachter, das Floß treiben zu sehen.

„Vom Chiemgau aus bist du in die weite Welt“, erzählt Inge Fricke und dass NILS-UDO als europäischer Pionier der „Art in Nature“-Bewegung Installationen in rund 40 Ländern geschaffen hat. Manche seiner Arbeiten sind häufig nur von kurzer Lebensdauer, also dokumentiert sie NILS-UDO fotografisch. Andere Werke sind aus Stein und Basalt, sind also über den flüchtigen Moment hinaus auf Beständigkeit und Zeit angelegt. Und doch ist jedes Objekt etwas Besonderes: Da sind die roten Blütenblätter, die entlang einem Vulkanriss auf der Île de la Réunion wie Feuerzungen wirken, in den Vogesen hat er einen Bunker mit Moos verkleidet, ihm neues Leben eingehaucht, in Venezuela hat er Mangroven eine Art Inselstatus verliehen, im Vallée de la Creuse ließ er eine Skulptur in Form eines halben Ahornblattes über Wasser gleiten, in Spanien hat NILS-UDO „Ginsterlicht“ – Ginster mit fünf Meter langen Kiefernstangen – geschaffen.

In einem Videofilm, der im Erdgeschoss läuft, kann man den Schaffensprozess eines Nestes in England nachverfolgen. Ein Nest biete Schutz, sei Zuhause, aber sei auch schutzlos den Naturgewalten ausgeliefert, erklärt der Künstler.

NILS-UDOs Gemälde (in den 1990er Jahren hat er wieder mit dem Malen begonnen), Werke, Fotografien und Zeichnungen zeigen, wie man aus den Materialien der Natur Kunst werden lassen kann. Da besticht der Positiv-Negativ-Effekt (Torfmauer in einem irischen Feld versus einer Mauer aus Stein im irischen Torf), da sind es die Farben, die unterschiedliche Stimmungen vermitteln („Waldbach“ in sieben Farb-Varianten) und dort zieht der Schwarz-Weiß-Kontrast seiner Tuschezeichnung „Eingang in den Winter“) in den Bann.

Beinahe zu knallig strahlen seine Bergwelten, auch der Frosch wartet definitiv nicht mit Tarnfarben auf, und an einen japanischen Farbholzschnitt erinnert sein Bild mit zwei Tannen, eine verschneit, die andere in sattem Grün. Werke, die die Natur im Wechsel der Jahreszeiten und des Lichts zeigt. „Dabei bin ich ganz offen, je nachdem, was mich inspiriert“, so der Künstler. Ein Naturerlebnis führe entweder zu einer Arbeit im Außenraum oder zu einem Gemälde im Atelier.

Zeitlose, reale
und sinnliche Poesie

In der Ausstellung hat Inge Fricke zahlreiche Werke von NILS-UDO zusammengetragen. Unterschiedliche Ausdrucksformen – Fotografie als zeitlose Poesie, Naturinstallationen als reale Poesie, die neue Malerei als sinnliche Poesie – aber alle aus derselben Erfahrung: Natur. Ergänzt wird die Ausstellung durch die Außenarbeit „Wassernest“ am Feßler Weiher in Prien. Ein verwunschener See, in dem ein absichtlich hineingesetztes und doch natürlich wirkendes Nest ruht. Ein unmittelbarer Dialog aus Landschaft, Wasser und Umgebung. Er mache keine Land Art, sagt NILS-UDO: „Die Natur ist mein Kunstwerk.“

Bis 4. Oktober

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