Rosenheim – Ein sich drehender bunter Rotor als Windrad in der Landschaft – bereits im Schaufenster wurde beim Besuch das Motto der neu eröffneten Ausstellung von „foyer.art“ deutlich. Kein starrer Stillstand, sondern dynamische Bewegung im Sinne eines „Drehmoments“ passt ganz gut zum Wirken von Cecile Pierrot, Leonie Felle und Josef Hamberger.
Erst die Räume in der Wittelsbacher Straße, dann eine Ausstellung in der Kleinen Werkraumgalerie und jetzt im Gewerbegebiet in den „Zweiradwerken“ in der Dr.-Steinbeißer-Straße. Über Citymanagement und die Leerstandsbeauftragte Zarina Kobilke waren die Inhaber Anne Koch und Christopher Hagl auf foyer.art aufmerksam geworden. Die einen haben zuviel Platz, die anderen suchen Räume und „bespielen“ diese auch gern mal übergangsweise, zum Glück mit Unterstützung des Kulturamts und mehrerer Sponsoren. Wofür Begeisterungsfähigkeit und eine Portion poetischer Wahnsinn eine wichtige Rolle spielen, denn verdient ist angesichts des großen kurzfristigen Aufwands damit nichts.
Stätte für Austausch und Begegnung
Zur Vernissage erschien trotz hoher Temperaturen eine erfreulich große Fangemeinde, bereits das Foyer 33 diente ja als Treff und Stätte für Austausch und Begegnung. In den großen attraktiven Räumen auf zwei Ebenen – sogar mit einem Cafébereich – kann man eine sowohl interessante als auch spannende Gruppenausstellung mit verschiedenen Genres besuchen. Das Spektrum reicht von Zeichnung und Malerei über Skulptur bis zu Videoinstallation, und dazu kommen mehrere Events als zusätzliche Belebung.
Claudia Weber aus Traunstein hatte an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Von ihr stammen mehrere großflächige Bilder auf der Basis filigraner Zeichnungen, die mit perspektivischen Linien an Pläne aus der Innenarchitektur erinnern, die jedoch mit Figuren erweitert und gefüllt sind. „Is it really murder, if it´s delicious ?“ fragt sie bei einem Bild eines Dinners, vielleicht ein Anklang an klassische englische Krimis mit doppeltem Boden.
Cosima Strähhuber studierte ebenfalls in München, ihre Werke sind kuriose Gebilde aus mehreren Materialien, darunter viel Textil, fantasievoll und dystopisch. So wird in einer Skulptur („KI-Genlab“) ein gemütliches Ambiente von KI-gesteuerten Insekten gekapert, eine bunte biologische Vision und ein etwas gruseliger Hingucker.
Josefine Pytlik studiert „noch“, sie hat im Obergeschoss zwei Videocollagen eingerichtet, mit Reflektionen zu Athen und zu Meer, zu künstlerischen Blockaden und zum Ankommen.
Größere Bereiche der Bodenflächen gehören dem Künstlerpaar Mela Ilse und Martl Fritzsche, deren Werke man teils aus Ausstellungen des Kunstvereins Rosenheim kennt.
Vasenähnliche Keramiken
Mela Ilse hat durch die großzügige Raumaufteilung Gelegenheit zur Präsentation vasenähnlicher Keramiken in Kombination mit textilen Elementen, „gehäkelt, ausgestopft und angenäht“ heißt es mehrfach im Ausstellungsplan. Fritzsche kommentiert hintergründig und satirisch seine Umgebung und regt mit den bunten und sich gerne bewegenden Skulpturen zum nochmaligen Hinschauen und Schmunzeln an, wie mit dem eingangs erwähnten Rotor mit dem Titel „Schleuder Traum“.
Mit einer mit viel Humor und Mitmachen angenommenen Performance setzte Paula Dischinger unter Mitwirkung der Gäste im Freien noch eins drauf: An einer Tafel durfte man unter ein Tuch schlüpfen und nur mit herausschauendem Kopf und Händen am „Abendessen“ teilnehmen – sympathische Idee. Bei der gewohnt charmant moderierten und eingeleiteten Vernissage herrschte herzliche Atmosphäre und es gab viel Raum für Schöpferisches als „Gegenpol zu den Wogen unserer Zeit“, so Cecile Pierrot.
Die Ausstellung ist rund um diese Events geöffnet, Interessierte können sich aber auch extra melden unter info@cecilepierrot.de,
Weitere Veranstaltungen: Am heutigen Mittwoch, Afterwork Kunst ab 17 Uhr und Kino mit dem KulturClub ab 20 Uhr, Film „Mit einem Tiger schlafen“.
Samstag, 22. August, Kunst-Apero ab 17 Uhr und ab 20 Uhr Doppelkonzert mit Koriander und Dezolat.
Sonntag, 23. August, Kunstmatinee ab 11 Uhr, Kaffee und Führung durch die Ausstellung
Samstag, 29. August, Finissage um 19 Uhr. Andreas Friedrich