Ganz sicher informiert sich ein Großteil der Autofahrer in unserer Region über die aktuelle Verkehrssituation anhand der Durchsagen von Radio Charivari Rosenheim. Die Stimmen von Sophia Schröder, Thorsten Kalteiß, Christoph Grabner, Patrick Wurmbach, Peter Gansinger, Robert Bär, Anne Schuster und Gaby Hertlein vernimmt man umso lieber, wenn freie Fahrt auf den Straßen gemeldet wird – und: wenn die sogenannten „Blitzer“-Meldungen kommen. Am besten natürlich rechtzeitig!
All diese Durchsagen lassen uns über die Vielzahl und vor allem über die Eigenheiten der Aussprache unserer Ortsnamen staunen. Natürlich spielt dabei auch die Herkunft der betreffenden Charivari-Moderatoren eine gewisse Rolle. „Bad Aibling“ bitte, und nicht etwa „Batt“! Freilich: Jeder weiß, welcher Ort gemeint ist. Natürlich gibt es so manche Klassiker, bei denen tatsächlich eine noch größere Differenz der Aussprache herrscht. Dazu gehören etwa Albaching im Norden und Gottschalling im Süden des Landkreises Rosenheim.
Möchte der „Bach“ in Albaching betont werden? Oder aber doch der „Alb“ im Namen? Näheres hierzu im Vo-Ort-zu-Ort-Artikel vom 16. Oktober 2020. Hier nur so viel: Die Silbe „bach“ ist erst ab 1415 belegt, während der Erstbeleg von 808 (Freisinger Traditionen Nr. 278) ein „Alpicha“ erwähnt. Dieses ähnelt der lokalen Aussprache von heute, nämlich „Oibich“, überaus stark. Also, warum nicht am besten gleich „Oibich“ für die Verkehrshinweise nehmen?
Wer den „Schall“ in Gottschalling hervorhebt, sollte besser die Silbe „Gott“ betonen; dem Namen liegt ein „gotesschalc“, ein „Gottesdiener“zugrunde. Also bitteschön auch im Standarddeutschen hier die erste Silbe betonen, ganz so, wie es im Dialekt gemacht wird: „Godschejn“! Zweifellos: Unsere Radioleute prägen die Aussprache unserer Ortsnamen entscheidend mit. Übertroffen werden sie dabei nur noch von den Ansagen, die nach Redaktionsschluss von der KI gemacht werden. Zum Glück sind diese Aussprachen derart orts- und weltfremd, dass man nur noch darüber lachen kann.
Holzkirchen wird auf dem „Holz“ betont statt richtig auf -kirchen, Garmisch-Partenkirchen nur auf dem „Gar“ anstatt zugleich auch auf dem -kirchen. Der schärfste Lapsus erfolgte tagelang letzte Woche: „Ein Blitzer an der Bahnhofstraße in Brannenburg auf der Höhe des Kristo Ferus Heims“. Die Hauptbetonung lag auf dem „Fe“ in „Ferus“. Da die Bahnhofstraße in Brannenburg sehr lang ist, würde man sich als ortsunkundige Person schon etwas mehr Präzision wünschen. Aber gleich zwei Fehler im Namen sind zwei zu viel. Also, KI: Christophorusheim! Das erste o im Namen betonen und aus dem zweiten o kein e machen! Darauf angesprochen, lacht Charivari-Mitarbeiter Sebastian Schindler laut auf und kündigt an, in wenigen Wochen würde es eine neue und bessere KI geben. Aha. Und der Redaktionsleiter Andy Nickl („Nachrichten auf Boarisch“) wird gwieß aufpassen! Armin Höfer