Erl – Das Tiroler Pendant zu den Aiblinger Saitensprüngen bot mit drei hochklassigen Konzerten wieder internationale Highlights. Bei „La Guitarra Erl“ gastierten an den ersten Tagen der Flamencovirtuose Daniel Casares und die „kelagBIGband“ mit der Organisatorin des Festivals Julia Malischnig. Tag drei wurde im Foyer des Festpielhauses eingeleitet vom jungen Gitarristen Benno Panhans und Violinist Darius Schmid, dann gehörte der Abend allerdings der Stimme, und zwar der faszinierenden Vokalistin Concha Buika, ihres Zeichens „Latin Grammy“-Gewinnerin und mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik prämiert. Ihre musikalische Identität ist das Beste aus drei Welten: Herkunft aus Äquatorialguinea, aufgewachsen in Spanien im Flamenco-Ambiente einer Gitano-Nachbarschaft und karibische Sounds à la Buena Vista Social Club, Buika lebt aktuell in der Dominikanischen Republik.
Diese Trilogie setzte sie beim Auftritt im Festspielhaus in Erl gekonnt in Gesangsdarbietungen um, quasi ein Cocktail aus Miriam Makeba, der spanischen Flamenco-Gesangslegende Camarón und der Kubanerin Omara Portuondo. Unterstützt wurde sie von Jerónimo Maya (Gitarre), Santiago Cañada (Keyboard und Posaune), Ramon Mucci Storm an den Congas und David Axel Bao Molina an der Cajón. Mit einem ruhigen Gitarrenintro startete der Auftritt, Buika sang sich mit an westafrikanische Gesangstradition erinnernden Passagen ein und Cañada setzte mit der Posaune erste unkonventionelle Akzente. Mit Karibikflair im Stil von „Buena Vista“ ging es weiter, in der Tat spürte man immer wieder Buikas Bezug zu Lateinamerika, hatte sie ja mit dem kubanischen Pianisten Chucho Valdés und Carlos Santana zusammengearbeitet. Und grandios, wie sie im Anschluss die Rumba „Uno se despide“ innerhalb des Songs in Flamencogesang überführte, immer wieder spendete das Publikum heftigen Applaus. Nach einer längeren Instrumentalpassage der Band stieg Buika ein und steigerte diesmal das Tempo mit rasantem jazzigem Scatgesang, die Vokalistin zog alle Register, ebenso wie im Flamenco „una soledad“. Damit nicht genug, denn Buika kann auch soulig powern, war sie doch vor über zwanzig Jahren als Tina Turner-Coversängerin in den Casinos von Las Vegas unterwegs, bevor sie ihren internationalen Durchbruch feierte. Die Posaune erwies sich als wahres Schmankerl, und Buika lieferte sich mit Cañada ein spannendes vokal-instrumentalisches Duell, immer mit Augenzwinkern und absoluter Bühnenpräsenz. Dann ein Sprung in die spanische Musiktradition mit einer Copla, das Konzert war hoch unterhaltsam und mit vielen Überraschungen. In Spanien werden in Flamencokonzerten schon auch mal Witze erzählt, und Buika unterbrach gar einen schon begonnenen Song, um zu scherzen und mit ihrer unwiderstehlichen Imitierkunst die Gäste im Festspielhaus zu Lachsalven hinzureißen. Im Publikum befanden sich einige Hörerinnen und Hörer aus Spanien, diese sangen begeistert den Canción „Quizás, quizás“ mit – ein moderner Klassiker in Spanien und bekannt durch den Regisseur Pedro Almodóvar, mit dem Concha Buika ebenfalls zusammenarbeitete und im Film „Die Haut, in der ich wohne“ eine kurze Filmrolle spielte. Mit einem grandios dargebotenen Latin-Song („Breaking down the door“) aus dem mit Carlos Santana komponierten Album „Africa speaks“ endete das Konzert der faszinierenden Sängerin unter Begeisterungsstürmen des Publikums. Andreas Friedrich