Aschau – Der steile Weg hinauf zum Preysingsaal auf Schloss Hohenaschau führt über viele schweißtreibende Treppenstufen. Belohnt wird der Besucher mit einer herrlichen Aussicht auf Kampenwand und Priental. An diesem strahlenden Sommerabend gab es aber noch einen Grund mehr, hinaufzusteigen.
Im Preysingsaal standen im Rahmen von Festivo mit Anton Bruckners Streichquintett in F-Dur und Erich Wolfgang Korngolds Streichsextett in D-Dur op. 10 zwei Meisterwerke der Spätromantik auf dem Programm.
Betörendes
Klangwunder
Bruckners Streichquintett ist geprägt von einer weit ausschwingenden Melodik, geschmeidigen Harmonien und einer großen Dynamik. Irene Abrigo und Francesco Sica (Violine), Jürg Dähler und Johannes Erkes (Viola) sowie Patrick Demenga (Violoncello) schufen ein betörendes Klangwunder, das die Hörer bis zum letzten Takt bannte.
Schwelgerischen Zauber verströmte der Kopfsatz, in dem nach motivischen Steigerungen zarte Lyrismen und eine kleine Geigenkadenz gefangen nahmen. Ergreifend war der herbe, sonore Gesang des Cellos. Mal lebhaft und tänzerisch, mal fast ein wenig unheimlich ertönte das Scherzo, dessen Figurenreichtum und Pizzicato-Passagen berührten. Die fünf Musiker verbanden sich bereits in diesem Satz zu einer klanglich fein ausbalancierten harmonischen Einheit. Innig und ernst war das Adagio. Seine vom Quintett mit voller Hingabe gespielten Steigerungen und sein breit strömendes Hauptthema schufen eine träumerische Atmosphäre, zu der auch der sanfte Windhauch durch die geöffneten Fenster und die sich im Lichtspiel zu bewegen scheinenden barocken Figuren beitrugen.
Das Finale zeigte noch einmal die hohe Klangkultur des Ensembles. Die fein gewobene Vielzahl von Themen und Motiven voller dynamischer Höhepunkte übte auf das Publikum eine große Faszination aus. Der Satz begann mit pochenden Rhythmen, bestach durch zarte Passagen im Pianissimo und endete in einem effektvoll sich steigernden Schluss.
Erich Wolfgang Korngolds Streichsextett in D-Dur lässt bereits im ersten Satz den späteren Filmkomponisten erahnen. Die brillant gespielten Steigerungen und Höhepunkte, die Auffächerung des Klangs von der subtilen Legato-Klangfläche bis hin zum melodramatischen Tremolo erinnerten bisweilen an Schönbergs „Verklärte Nacht“.
Das Adagio, in dem erneut pathetische Effekte dominierten, begann mit einem wunderschönen Cellogesang. Eine melancholische Bratschenmelodie bildete das Gegengewicht in diesem sich stetig steigernden Satz, der auf seinem Höhepunkt des Cellothema zur Apotheose führt.
Reverenz an die
Wahlheimat Wien
Im Intermezzo erwies Korngold seiner Wahlheimat Wien seine Reverenz. Der duftige Klang mit seinen Pizzicati und Glissandi verleiht dem Satz eine unverkennbar wienerische Aura. Das vom Sextett effektvoll interpretierte humoristische Presto-Finale ist angelehnt an Vorbilder aus dem 1. Streichquintett und 2. Streichsextett von Brahms. Für seine überragende Darbietung spendete das Publikum dem Festivo-Ensemble begeisterten und anhaltenden Applaus.