Halfing – „Sag zum Abschied leise Servus“ – das ist ein Satz, der in Immling ungefähr so gut funktioniert wie Flüstern im Sturm. Denn das Immling-Festival verabschiedete sich nach über drei Monaten Spielzeit nicht leise, sondern mit einem Finale Grande, das noch einmal tief Luft holte und alles aufdrehte: Klang, Farbe, Energie und jene Leidenschaft für die gemeinsame Sache, die diesen Ort seit Anbeginn trägt.
Genau darin liegt jener Kern, auf den Intendant Ludwig Baumann in seinem Rückblick auf 30 Jahre Immling verwies: Glaube, Hoffnung, Liebe. Sein Glaube an die Kraft der Musik – auch im beschaulichen Örtchen Immling. Seine Hoffnung auf jedes neue Jahr – selbst nach herben Rückschlägen. Und die Liebe, die er als Motor allen Gelingens bezeichnete: Menschen aus nah und fern in Musik zu vereinen.
Ein Abend voller
Leidenschaft und Präzision
Wie sich das anhört und anfühlt, erlebten die Gäste im ausverkauften Festspielhaus über dreieinhalb kurzweilige Stunden – ein Abend, der große Gesten ebenso feierte wie jene stillen musikalischen Leuchtmomente. Neben Cornelia von Kerssenbrock standen Mikheil Edisherashvili, Elson Hindundu und Archil Ushveridze am Pult.
Funkelnd und mit beschwingter Präzision eröffnete das Festivalorchester Immling den Abend mit der Ouvertüre aus Strauß’ „Fledermaus“. Als hätte die Spielzeit sie eher beflügelt als erschöpft, schwang Cornelia von Kerssenbrock den Taktstock – Präzision traf Leidenschaft und bündelte auch in den kommenden Werken Orchester, Chor und Saal zu einem einzigen Funkenflug.
Neun Gesangssolisten präsentierten ihr Können – gemeinsam ein Panorama an Ausdruck und musikalischer Präsenz: Harry Hukasian gab einen spielfreudigen Figaro aus Rossinis „Barbier von Sevilla“, Egor Martynenko als Nemorino in Donizettis „L’elisir d’amore“ berührte mit lyrischem Tenor und Darija Augustan ließ mit „Un bel dì vedremo“ aus Puccinis Madama Butterfly schwebende Hoffnungstöne aufleuchten. Zwischen die Arien fügten sich Geigensoli ein – Veriko Tchumburidze brachte die „Méditation“ aus Thaïs mit eleganter Klarheit zum Klingen, und auch der Festivalchor Immling setzte mit anspruchsvollen Verdi-Chorwerken markante Akzente.
Große Stimmen und
emotionale Höhepunkte
Operndrama mit dem Femizid aus „Carmen“ lieferten Guadalupe Barrientos und Jenish Ysmanov mit „C’est toi! – C’est moi!“, und Karina Benalcazar gab mit Gershwins „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ einen warmen, melancholischen Kontrastmoment. Selten gehört, aber aufregend schön war der „Song of the Viking Guest“ aus Sadko, den Bassbariton Levan Makaridze mit kraftvoller Präsenz und markanter Tiefe gestaltete.
Damit die Emotionspalette eines Finale Grande komplett war, ließ Fernando Araujo mit „Cortigiani, vil razza dannata“ aus „Rigoletto“ die ganze Verzweiflung Rigolettos aufbrechen – ein Ausbruch von Wut, Flehen und verletzter Vaterliebe. Gegen Programmende träumte das Publikum mit Piazzolla und Bernstein zwischen argentinischer Sehnsucht und Broadway-Schwung – ein letzter, beschwingter Farbraum, bevor drei Zugaben vor dem inzwischen stehenden Saal den Musikhunger noch einmal köstlich stillten.