Der „Jux“ ist vorbei – die Lust am Theater bleibt

von Redaktion

Volkstheater Flintsbach zieht nach dem letzten Vorhang der Saison Bilanz – 5.500 Zuschauer in 23 Vorstellungen

Flintsbach – Noch einmal gerieten Weinberl und Christopherl in Nestroys aberwitziges Geflecht aus Verwechslungen und Ausreden. Vor nahezu ausverkauftem Haus verabschiedete sich das Volkstheater Flintsbach am vergangenen Sonntag von „Einen Jux will er sich machen“ – und zugleich von einer erfolgreichen Theatersaison. 23 Vorstellungen hatten seit der Premiere im Juni rund 5.500 Zuschauer nach Flintsbach gelockt. Beim anschließenden internen Saisonabschluss zog Theatervorstand Toni Obermair entsprechend zufrieden Bilanz.

Mit dem Stück von Johann Nestroy hatte sich das Volkstheater einiges vorgenommen. Die Arbeit begann mit einer besonderen Herausforderung: Der Text musste aus dem Wienerischen ins Bairische übertragen werden, ohne dabei Nestroys Sprachwitz und den Charakter des Stücks zu verlieren. Auch die zahlreichen Wiener Ausdrücke machten Schauspielern und Regie die Probenarbeit nicht gerade leicht. Erst nach und nach, so Obermair, habe das Stück Gestalt angenommen. In den letzten Wochen vor der Premiere lagen die Nerven entsprechend blank. Umso größer sei die Erleichterung gewesen, als sich am Premierenabend zeigte: „Das Stück funktioniert und kommt gut an.“

Großen Anteil daran hatte Spielleiter Martin Obermair. Er führte nicht nur Regie, sondern stand als Hausknecht Melchior selbst auf der Bühne und hatte dabei eine Rolle mit rund 180 Stichwörtern zu bewältigen. Proben zu leiten, die Rollen zu besetzen, teils noch einmal umzubesetzen und zugleich selbst eine umfangreiche Rolle zu spielen, bezeichnete Toni Obermair als „gewaltige Leistung“.

Aus Sicht der Spielleitung zog Martin Obermair Bilanz. Dass der „Jux“ zum Erfolg wurde, führte er vor allem auf die Darsteller zurück. Sie hätten Nestroys Typen nicht lediglich gespielt, sondern ihnen eine eigene Persönlichkeit gegeben. „Es ist jedes Jahr schön, wenn ich mir anschaue, wie aus euch diese Figuren werden“, wandte sich Obermair an die Schauspieler. Sein Lob und Dank galt deshalb dem gesamten Ensemble.

Zum Erfolg trugen nach Obermairs Bilanz ebenso Bühnenbau, Bühnenmalerei, Kostüme, Licht und Technik bei. Besonders für das aufwendig gestaltete Bühnenbild mit seinen verschiedenen Spielebenen habe es während der Saison immer wieder Lob aus dem Publikum gegeben.

Zu den prägenden Elementen gehörte auch die Musik. Weinberl-Darsteller Florian Wilhelm hatte neben seiner umfangreichen Schauspielrolle drei Solostücke zu bewältigen. Die Couplets waren fest in die Inszenierung eingebunden – ganz im Sinne Nestroys, bei dem sie den rasanten Handlungslauf für einen Moment öffnen und dem Darsteller Raum für Witz, Kommentar und Selbstironie geben.

Dass ein solcher Theatersommer weit mehr als Schauspieler und Regie braucht, machte Toni Obermairs Dank an die zahlreichen Helfer deutlich. Er galt den Mitwirkenden in Technik, Soufflage, Kostüm und Maske, Kartenverkauf und Einlass, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit ebenso wie all jenen, die während der Vorstellungen hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Auch die Schauspieler selbst übernahmen dort zahlreiche Aufgaben.

Eine Tatsache war Obermair mindestens ebenso wichtig wie die Besucherbilanz: Alle 23 Vorstellungen konnten ohne Ausfall gespielt werden, der gesamte Theatersommer verlief unfallfrei. Gerade bei einer Produktion, an der über Wochen hinweg so viele Menschen auf und hinter der Bühne beteiligt sind, sei dies keineswegs selbstverständlich.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt den Flintsbacher Theaterleuten allerdings nicht. Der Blick richtet sich bereits auf 2027. Dann steht in Flintsbach das Gaufest an, bei dem voraussichtlich viele Mitglieder des Volkstheaters ebenfalls im Einsatz sein werden. Theater und Trachtenverein wollen sich deshalb frühzeitig abstimmen. Trotz der zusätzlichen Belastung machte Obermair deutlich, dass auch im kommenden Jahr der Anspruch des Hauses gelten müsse: Das Volkstheater müsse 2027 wieder „ein gutes Theater abliefern“. Dafür brauche es erneut die Bereitschaft des gesamten Ensembles. Volkhard Steffenhagen

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