Prien – „Die Ansicht in das Gebirg …, die Ansicht des Marktes …, die Vignetten … sind von dem königlichen Landgerichts-Aktuar Herrn Doppelmaier gezeichnet. Dieser KunstLiebhaber benützt die kargen MuseStunden auf die liebevollste Weise, und ist in gemachen Fortschritten nun reich an Zeichnungen von Gegenständen, die Ihm vorgekommen sind.“ So schreibt der Rosenheimer Landrichter Franz Joseph von Klöckel (1773 bis 1833) im Vorwort zu seinem Bändchen „Rosenheim mit seiner Heilquelle“ im Jahr 1815.
Zeichenlehrer an der
Nördlinger Schule
Doch wer war Friedrich Wilhelm Doppelmayr? Geboren wurde er vor genau 250 Jahren, am 4. September 1776 in Nördlingen, als Sohn des evangelischen Geistlichen Johann Wilhelm Doppelmayr und dessen Gattin Friederike Sophie Epplin. Friedrich Wilhelms Bruder Eberhard Wilhelm, geboren 1775, war später Zeichenlehrer an der Nördlinger Schule. Die Karriere Friedrich Wilhelms begann mit einem Jurastudium 1795 in Erlangen. 1804 war er bereits Stadtgerichtsaktuar und – auf Grund seiner Fähigkeiten – auch als Geometer in Nördlingen tätig. Im Jahr 1808 wurde er als Landgerichtsassessor nach Rosenheim berufen, ehe er 1816 in gleicher Position nach Starnberg versetzt wurde. Bereits 1818 folgte er einem Ruf seiner Heimatstadt Nördlingen und wurde dort Rechtsrat bei der Stadt, 1831 zum rechtskundigen Ersten Bürgermeister.
Natur und
Landleben verklärt
Friedrich Wilhelm Doppelmayr ist der große Schilderer der Landschaft, der Dörfer und der Menschen des Landgerichts Rosenheim, der Stadt Rosenheim, des Inntals und des Samerbergs, aber auch des westlichen Chiemgaus. Seine zum großen Teil spontanen Zeichnungen, die er auf seinen Wanderungen durch diesen geografischen Raum unternommen hat, führen uns in eine Welt der Romantik, die – völlig zeittypisch – Natur und das Landleben verklärte. In seinen, für uns heute „idealisierten Darstellungen“ (Eugen Weigl) geht es aber auch um eine Beschreibung des Landgerichts in Bildern im Hinblick auf die vom Staat zur selben Zeit geforderte statistische Erfassung der Landgemeinden.
Rund 1.000 Zeichnungen
im Stadtarchiv
Doppelmayr hat mit seinen rund 1.000 Zeichnungen, die seit 1934 im Stadtarchiv Rosenheim aufbewahrt werden, dem sogenannte „Rosenheimer Skizzenbuch“, nicht nur eine unschätzbare Quelle zur Veränderung unserer Dörfer und der Landschaft hinterlassen, sondern auch zur Volkskunde, zur Kleidung, zum Handwerk und zum Leben und Alltag der Menschen der Region.
Der Rosenheimer Bestand, ein ungehobener Schatz, der leider immer noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet ist, enthält auch noch nie gezeigte, qualitätvolle Landschaftsstudien, die das Können des Autodidakten aufzeigen. Friedrich Wilhelm Doppelmayr zählt damit auch zu den frühen Entdeckern der Landschaft und stellt sich damit in die Reihe mit den Größen der frühen Münchner Malerei, wie Simon Warnberger, Eugen Napoleon Neureuther, Max Joseph Wagenbauer und Joseph Carl Ettinger, um hier nur einige zu nennen. Er zählt damit auch zu den frühen Entdeckern der Landschaft. Seine Rosenheimer Zeit zeigt ihn als spontanen und frischen Zeichner. Erst in Starnberg insbesondere dann aber als Bürgermeister in Nördlingen verliert er seine künstlerische Spontanität und entwickelt einen topografischen, akademischen Stil, dem jede Anmutung von Natürlichkeit fehlt und der zur reinen Dokumentation wird.
Als Friedrich Wilhelm Doppelmayr, der zweimal verheiratet war und sechs Kinder hatte, am 2. August 1845 im Alter von 69 Jahren in Nördlingen verstarb, hinterließ er folgendes Gedicht:
„Leb wohl, du Welt! In meinem Pilgerleben
Hab ich dir treulich das gegeben,
was ich nach Kräften und nach Pflichten
nur geben konnt’, vermochte zu verrichten;
Das Rechte und das Gute lieben,
Mit Wissen niemand zu betrüben –
Das war mein eifrigstes Bestreben
In meinem Erden-Pilger-Leben.“
Es sagt wohl mehr über den Menschen, über den wir privat wenig wissen, aus, als alle biografischen Angaben.