Schmankerl der Aussprache und Schreibweise

von Redaktion

Kostproben aus einer Ortsnamenstudie der 1930er-Jahre

Rosenheim – Schon seit einigen Jahren gibt es nicht nur in unserer Region, sondern über ganz Bayern hinweg Projekte, die zur Erhaltung und Bewahrung der heimischen Aussprache unserer Ortsnamen aufrufen. Das betrifft Projekte, die von Ministerien, Gemeinden, wissenschaftlichen Stätten, Schulen, Sprachvereinen, Heimatvereinen und – in bescheidenem Maße – auch von dieser Ortsnamenserie übernommen und durchgeführt werden oder bereits durchgeführt worden sind.

Oft werden dazu sinnvollerweise Personen befragt, die der ältesten Bevölkerungsgruppe angehören. Zum Glück leben ja noch einige Menschen, die sich an die Aussprache der Ortsnamen in den 1930er-Jahren erinnern können. Bis dahin waren die Bezeichnungen der Ortsnamen noch weitgehend einheitlich, wohingegen nach 1945 und noch viel mehr seit 1990 aus bevölkerungspolitischen Gründen ein starker Zuzug an Einwanderern, sei es freiwillig oder unfreiwillig, erfolgte und nach wie vor erfolgt. Und das hat erhebliche Konsequenzen. Woher sollen Zuagroasde beispielsweise wissen, warum beim Namen Prien zum einen „Breea“ gesprochen wird, zum andern „Breean“? Heißt es für den Chiemsee im Dialekt „Kimmsee“ oder „Keamsee“? Nicht immer lassen sich betagte Einheimische finden, die dieses und jenes erklären könnten.

Zum Glück gibt es eine Studie, in der die Aussprachen einer bestimmten Gruppe von Ortsnamen unserer Region in den frühen 1930er-Jahren vermerkt sind. Sie ist bereits in der letzten Folge dieser Serie vorgestellt worden. Diese Aufstellung von Ortsnamen samt ihrer mundartlichen Form wurde in der Fachzeitschrift „Blätter für oberdeutsche Namenforschung“, Ausgabe 44 aus dem Jahre 2007 für die Allgemeinheit veröffentlicht. Der Artikel lautet: „Die altbayerischen Ortsnamen in den Fragebögen von Friedrich Maurer“ (S. 111 – 157). Professor Friedrich Maurer hatte Anfang der 1930er-Jahre Mundartfragebögen an die Schulorte in Bayern verschickt. Darunter befanden sich auch Fragen zur Aussprache bestimmter Ortsnamen.

Hieraus einige Kostproben:

Die Silbe -ing bei unseren Ortsnamen auf -ing lautete 1934 im Ortsdialekt oft etwas anders: Im Altlandkreis (ALK) Bad Aibling sprach man Geiden, Krüglin, Willen für Götting, Krügling, Willing, im ALK Rosenheim hieß es Biazin, Prutten, Riadarin für Pietzing, Prutting, Riedering, im ALK Wasserburg hörte man statt Albaching Oibich, im ALK Miesbach lautete Hohendilching Dilchen und Mitterdarching Middadarchen. Bei den Konsonantengruppen rt, rs, rns, ts wurde sch gesprochen: Im ALK Rosenheim finden wir Antwarscht, Flintschboch, Greimaschding, Hirnschberg für Antwort, Flintsbach, Greimharting und Hirnsberg, im ALK Miesbach Haschtpenning, Mieschboch und Mieschba, Poschber für Hartpenning, Miesbach und Parsberg, im ALK Mühldorf am Inn sprach man Eoschbadsham, Bearaskiacha (Bearaschkiacha?), Ranschberg für Aspertsham, Peterskirchen und Ranoldsberg, im ALK Wasserburg hörte man Gasch für Gars und Reischham für Reichertsheim.

Und: „Brean“ ist der Ortsname, „Brea“ der Gewässername. Keamsee heißt es in Chieming („Keaming“), Kimmsee z Rimsting („Rimbschding“). Ist Rosenheim noch „Rousnham“?

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