Besonders erfolgreich war das Aubenhausen-Team in Kirchstockach. Julia Karl gewann auf dem fünfjährigen Hannoveraner Dior mit der ungewöhnlich hohen Wertnote 8,7 und weitem Abstand vor der Konkurrenz die Dressurpferdeprüfung der Klasse L. Die zweite Abteilung der Dressurpferdeprüfung Klasse A führte Karl mit der erst vierjährigen La Luna an.
Ein Sieg, über den auch Jessica von Bredow-Werndl jubelte. Die zweimalige Weltcup-Dritte hat die dunkelbraune Rock-Forever-Tochter aus ihrer Stute Landliebe gezogen. Sie war bei La Lunas Geburt dabei und hat ihr „erstes Fohlen“ später selbst angeritten. Nur die Turnierpremiere durfte von Bredow-Werndl ihrer Mitarbeiterin überlassen, sie selbst bekam in diesen Tagen ihr erstes Kind. Ihr Bruder Benjamin Werndl ist vor Kurzem erneut Vater geworden.
Karl, Hamberger und Netz teilen die Philosophie der Werndls und bilden die jungen Pferde aus. Das ist ein vielschichtiger, mehrjähriger Prozess. Täglich werden Erfahrungen ausgetauscht, um Schwierigkeiten, die bei der Ausbildung auftauchen können, optimal lösen zu können.
„Es ist schön, sich mit einem Pferd
weiterzuentwickeln“
Julia Karl
Den siebenjährigen bayerischen Hengst Benvenuto reitet Julia Karl seit drei Jahren allerdings nahezu alleine. „Zu ihm habe ich eine besondere Beziehung“, sagt die 25-Jährige. In Kirchstockach platzierte sich das Duo in einer Dressurprüfung der Klasse M** an zweiter Stelle. Kurz zuvor gelang in Ingolstadt-Hagau die erste S-Platzierung – ein Meilenstein in der Ausbildung. „Es ist sehr schön, wenn man sich gemeinsam mit einem Pferd weiter entwickeln kann“, kommentierte die junge Bereiterin ihren bisher größten Erfolg. Karl, die aus Prien am Chiemsee stammt, kam vor rund fünf Jahren als Reitbeteiligung in den Stall Werndl.
Ihr Kollege Raphael Netz siegte in Kirchstockach mit dem fünfjährigen Hannoveraner Dundee in der Dressurpferdeprüfung Klasse A. Mit dem fünfjährigen Hannoveraner Royal Shocolo BB platzierte er sich an zweiter Stelle in einer Dressurpferdeprüfung der Klasse L. Mit dem neunjährigen Hannoveraner Lacoste wurde er jeweils Zweiter in zwei Prüfungen der Schweren Klasse, dem St. Georg Spezial und der Intermediaire I. In der Finalprüfung kam das Duo sogar über die 70-Prozent-Marke. „Das hat mich besonders gefreut“, sagt Netz. Der 18-Jährige stammt aus Wiesbaden und gehörte bis 2015 dem Bundeskader der Ponyreiter an. Vor elf Monaten stieß Netz zum Aubenhausen-Team und feierte auf dem zehnjährigen bayerischen Staatshengst Ritz Carlton einen fulminanten Turniereinstand mit drei S*-Siegen im italienischen Caselle die Sommacampagna. Bald darauf wurde er mit Ritz Carlton und Lacoste in den bayerischen Landeskader der U21-Reiter berufen. Erste Erfahrungen im Drei-Sterne-S-Bereich hat der Nachwuchsreiter in dieser Saison mit Westwood 5 gesammelt.
Während Netz seine Zeit in Aubenhausen nutzen will, um später seine Prüfung zum Pferdewirt abzulegen, bereitet sich seine Kollegin Julia Sarah Hamberger seit Januar auf ihre Meisterprüfung vor. Die Turniereinsätze der 25-Jährigen sind durch ihre Meisterkurse zwar begrenzt, dafür aber erfolgreich. Mit dem fünfjährigen Bonito, einem gekörten Boston-Sohn aus dem Besitz des bayerischen Haupt- und Landgestüts Schwaiganger, gewann Hamberger die Bundeschampionats-Qualifikation in Landshut und löste das Ticket für die deutschen Meisterschaften der Nachwuchspferde in Warendorf. Den achtjährigen Hannoveraner Don Corleone und seinen siebenjährigen Stallnachbarn Ducati platzierte sie in der Klasse M, den achtjährigen Sir Davidoff in der Klasse S.
Hamberger kam 2008 durch ein Schulpraktikum in den Stall Werndl, absolvierte in Aubenhausen ihre Ausbildung zur Pferdewirtin und legte die Prüfung mit Stensbeck-Medaille ab. Die Auszeichnung war mit einem Stipendium bei Reitmeister und Team-Olympiasieger Hubertus Schmidt in Borchen-Etteln/Westfalen verbunden. Nach mehrjähriger Tätigkeit in Baden-Württemberg kehrte die gebürtige Rosenheimerin in ihre Heimat zurück. Wie Julia Karl und Raphael Netz ist sie begeistert von den Möglichkeiten, die ihr der Stall Werndl bietet. „Wir haben sehr viele tolle Pferde hier und auch Nachwuchspferde mit Perspektive für den internationalen Spitzensport. Die jungen Pferde auszubilden, ist sehr reizvoll. Und dadurch, dass wir mit Jessica und Benjamin im Team arbeiten und uns alle austauschen, kommen wir reiterlich sehr viel weiter“, ist Hamberger überzeugt. sn