Rosenheim/Miesbach – Dass die beiden Gruppen in etwa ähnliche Spielstärke aufweisen dürften, zeigt die Tatsache, dass sowohl das Spitzenquartett als auch das Mittelfeld und die Schusslichter der Tabelle jeweils „paritätisch“ besetzt sind. Rosenheim und Regensburg bilden mit Deggendorf und Weiden die Top-Four, Peiting und Landshut teilen sich die Mitte mit Selb und Sonthofen, Waldkraiburg und Miesbach bilden mit Memmingen und Lindau das Kellerquartett.
Gegen das Schlusslicht aus Miesbach gab es für die Starbulls die erwarteten sechs Punkte, aber doch in zwei Spielen mit grundverschiedenen Verläufen. Während die ersatzgeschwächten Gäste am Freitag beim 1:9 in allen Belangen hoffnungslos überfordert wirkten, hätten sie beim „Rückspiel“ auf eigenem Eis trotz phasenweise erneuter Rosenheimer Dominanz mit etwas Glück durchaus einen Zähler einheimsen können.
Doch zu den Einzelheiten: 9:1 hieß es am Freitag, und manch einer rätselte, wann Rosenheim zuletzt in einem Punktspiel wohl so viele Tore geschossen bzw. so hoch gewonnen hatte. Tatsächlich muss man schon ein Stück weit zurückgehen in der Historie. In den sieben Jahren Zweite Liga bzw. DEL2 kamen die Starbulls nie über acht Treffer hinaus (8:3 gegen Kaufbeuren im Dezember 2010 und 8:1 beim selben Gegner im November 2013), und die höchste Tordifferenz waren sieben Treffer, interessanterweise beide Male auswärts. Außer dem erwähnten 8:1 konnte man im November 2012 auch ein 7:0 beim SC Riessersee feiern. Das war’s aber auch schon. Der höchste Heimsieg in der zweithöchsten Spielklasse war das 6:0 ebenfalls gegen Kaufbeuren im Playoff 2012.
Nun zur Oberliga. Tatsächlich ist es über zehn Jahre her, dass die Starbulls so hoch (oder höher) gewannen. Am 11. März 2007, dem letzten Spieltag der Punkterunde, schlugen sie den TEV Miesbach mit 10:0 im einzigen zweistelligen Oberliga-Sieg außer dem 11:2 gegen Eisbären Juniors Berlin im September 2005. Interessant sind die damaligen Torschützen: Dreimal Stephan Stiebinger, der letzten Freitag im gegnerischen Dress aufgelaufen wäre, aber verletzt fehlte, zweimal Patrick Hager, inzwischen bei den Red Bulls in München und aus dem Nationalteam nicht mehr wegzudenken, weiters die Kontingentspieler Patrick Neundorfer (zwei) und Janne Kujala und zu guter Letzt Mondi Hilger (braucht man nicht näher vorzustellen) und Marcus Kempf. Den Shutout feierte damals Olli Häusler, jetzt im Starbulls-Nachwuchs als Trainer unverzichtbar.
Angeführt wurde die Offensive am Freitag von Simon Heidenreich, dem einzigen Spieler, der bis dahin noch ohne Scorerpunkt gewesen war, was er aber durch zwei Tore und zwei Assists fürs erste korrigieren konnte. Aber auch Christoph Echtler und Yannick Wenzel konnten ihre ersten Punktspieltore dieser Saison feiern. Kurios: Obwohl sich die 27 Scorerpunkte auf 13 verschiedene Spieler verteilten, gingen Mike Fröhlich und Michael Baindl, sonst immer für Tore oder Vorlagen gut, leer aus. Zwei Tage später waren sie an beiden Treffern in Miesbach maßgeblich beteiligt. Überhaupt ist Baindl bisher der konstanteste Scorer im Team: Nur in zwei von zehn Spielen blieb er ohne Punkt, Fröhlich und Petri Lammassaari gingen dreimal leer aus.
Stichwort „leer ausgehen“: Ganz leer ging das Powerplay in den beiden Begegnungen zwar nicht aus, aber dennoch bleibt es der große Schwachpunkt einer ansonsten „runden“ Leistung. Nur zwei Tore (eines davon mit fünf gegen drei) aus fast 27 Minuten Überzahl gegen das bis dahin schwächste Penalty-Killing der Liga (jede zweite Strafzeit ein Gegentor) – das ist einfach zu wenig! 16 Minuten lang hätten sich die Starbulls allein am Freitag „austoben“ können, weil die überforderten Gäste immer wieder Strafzeiten kassierten, man selbst aber erst zum vierten Mal in den letzten 13 Jahren ohne jede Strafzeit blieb. Auch kurios: In den drei Null-Minuten-Spielen davor konnte man trotz Powerplay-Hoheit nie die volle Punktzahl einfahren. Gegen Hügelsheim musste ein Penalty-Schießen den Sieg bringen, gegen Landsberg und Schwenningen verlor man.