Aus der Starbulls-Eishockeystatistik

Das funktionierende Kollektiv

von Redaktion

Es war eine eher durchwachsene Woche für die Starbulls Rosenheim, auch wenn die Ausbeute von sechs Punkten aus drei Partien letztendlich zufriedenstellend ausfiel.

Trotzdem lag auch manches im Argen, erst Allerheiligen, als der ärgste Verfolger aus Deggendorf dem Kofler-Team völlig verdient die erste Heimniederlage beibrachte und dann am Sonntag, als dies beinahe auch dem krassen Außenseiter und Tabellenvorletzten aus Lindau gelungen wäre. In beiden Spielen schossen die Starbulls zwar wie üblich das erste Tor, in beiden Spielen lagen sie dann aber auch mit zwei Treffern Differenz im Rückstand, was sich nur einmal noch aufholen und in einen Sieg umwandeln ließ.

Zweimal blieben die Rosenheimer an diesem Wochenende fast 40 Spielminuten lang torlos, sowohl gegen Lindau als auch in Sonthofen. Dort allerdings zeigte sich beim 3:1-Sieg die Rosenheimer Defensive im Gegensatz zu den anderen beiden Begegnungen wie gewohnt von ihrer besten Seite. Immerhin führen Lukas Steinhauer und Luca Endres die Liga sowohl in punkto Gegentorschnitt (1,56 bzw. 2,02) als auch in der Save Percentage (gehaltene Schüsse / 93,3 bzw. 92,6 Prozent) nach wie vor unangefochten an.

In der Offensive sieht es da schon anders aus: Topscorer Tobias Draxinger findet sich gerade mal an 35. Stelle (!), die Stürmer Mike Fröhlich und Petri Lammassaari folgen auf Rang 40. Nur die Topscorer von Sonthofen und Waldkraiburg liegen in den Scoring Charts noch weiter hinten.

Aber was spricht eigentlich gegen ein sehr gut funktionierendes Kollektiv? Immerhin haben alle 17 zum Einsatz gekommenen Starbulls mindestens einmal getroffen, neun von ihnen haben bereits drei oder mehr Treffer erzielt. Zum Vergleich: Der Tabellensiebte aus Weiden besitzt zwar mit dem Deutsch-Tschechen Martin Heinisch einen absoluten „Knipser“, aber insgesamt haben in 13 Spielen erst ganze sechs Spieler (!), darunter kein einziger Verteidiger, überhaupt einmal getroffen! Da ist es auch zu verschmerzen, dass andere Klubs wie Regensburg (Gajowski/Bosas) oder Deggendorf (Leinweber/Gibbons) über wesentlich stärkere Kontingentspieler verfügen als die Starbulls.

Blitztore

Es waren Spiele der Blitz- und der späten Tore. Zwei Empty-Net-Goals in der letzten Spielminute (Bucheli für Rosenheim, Leinweber für Deggendorf), Lammassaaris Führungstor in Sonthofen nach nur 21 Sekunden, Smiths 3:1 für Lindau nach 55 Sekunden im Schlussdrittel, dazu das kuriose 2:1 fünf Sekunden vor der Pause (die Entscheidung war übrigens richtig, der Puck war klar hinter der Linie), dazu auswärts Dominik Daxlbergers entscheidender Doppelschlag 21 Sekunden vor und zweieinhalb Minuten nach der zweiten Pause – all diese Tore fielen zu durchaus ungewöhnlichen Zeitpunkten. Noch ungewöhnlicher war, dass das Spiel gegen Deggendorf im letzten Drittel (0:2) verloren wurde. In den übrigen zwölf Partien konnte kein Team bisher mehr Tore in diesem Zeitraum erzielen als die Starbulls. Und ebenso ungewohnt: drei Gegentreffer in Folge auf eigenem Eis sowohl gegen Deggendorf als auch gegen Lindau.

Entscheidend am Sonntag war natürlich nach zwei wirklich „unterirdischen“ Spieldritteln der Doppelschlag von Daniel Bucheli und Fabian Zick zum 3:3 binnen 15 Sekunden – und das nur kurz nachdem die Islanders die Riesenchance vergeben hatten, mit einem 4:1 ins praktisch leere Tor alles klarzumachen. Danach bewies Manuel Neumann, dass die Starbulls mit seiner späten Verpflichtung ein glückliches Händchen besaßen, mit seinem Powerplay-Gamewinner in der 57. Minute, kurioserweise in der gleichen Minute, in der ihm auch gegen Miesbach schon ein Überzahltor gelungen war. Und nach Max Vollmayers Ausraster, der den Gästen beim Stand von 3:3 eine längere doppelte Überzahl gewährte, konnten die Starbulls ihren Status als Unterzahl-Spezialisten wieder demonstrieren. Erst fünf Powerplay-Tore (absoluter Spitzenwert) haben sie in dieser Saison zugelassen, in zehn Spielen gar keines, und aktuell sind sie seit 31:19 Minuten in 19 aufeinanderfolgenden gegnerischen Powerplays ohne Minustreffer!

Kleiner Farbtupfer am Rande: Am Freitag sahen sich die Starbulls zum ersten Mal mit einer Torfrau konfrontiert. In der Saison 2007/08 wäre dies schon möglich gewesen, doch die Tölzerin Viona Harrer saß in den Spielen gegen Rosenheim zugunsten des Kanadiers Steve Silverthorn nur auf der Bank, nun aber vertrat Damen-Nationaltorhüterin Jennifer Harß den kurz zuvor erkrankten Sonthofener Stammkeeper Patrick Glatzel und machte ihre Sache ganz hervorragend.

Artikel 1 von 11