Ski nordisch

„Wir wollen nichts Böses“

von Redaktion

„Nach meiner Karriere werde ich mich nicht in meine Villa zurückziehen und die Beine hochlegen können, auch ein Sportwagen wird nicht in der Garage stehen. Das ist aber auch nicht mein Lebensziel, es geht um andere Werte“, sagt Skilangläufer Lucas Bögl vom Stützpunkt Ruhpolding.

Ruhpolding – Deshalb gehört der 27-Jährige vom SC Gaißach zu jenen Athleten, die sich dem neugegründeten Verein „Athleten für Deutschland“ anschließen wollen, um so eine unabhängige Stimme gegenüber dem Dachverband DOSB zu bekommen.

Dessen Aufgabe ist es, unter anderem Sportler zu unterstützen, was zum Beispiel die Rechtsverhältnisse zu Verbänden betrifft. Vor allem aber Athleten, die sich auf den Leistungssport einlassen, ohne Nachteile oder Existenzängste zu haben. Der neue Verein geht aus der Athleten-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hervor. Der Verein sagt von sich selbst, er will unabhängig von allen Verbänden und Einrichtungen sein. Die Sportler sollen in der Öffentlichkeit vertreten werden, und zwar jene der olympischen-, nicht-olympischen- und paralympischen Sportarten.

Bisher war die Arbeit in der Athleten-Kommission ehrenamtlich. Das ist nicht mehr zu stemmen gewesen. Deswegen soll es einen hauptamtlichen Geschäftsführer geben. „Wir sehen das als Weiterentwicklung“, sagt Bögl, der sich in diesem Winter gerne für die Olympischen Spiele 2018 qualifizieren will. „Der neue Verein will absolut nichts Böses“, betont Bögl. Immerhin ist bereits in verschiedenen Medien Stimmung gegen „Athleten für Deutschland“ gemacht worden. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagt: „Grundsätzlich haben wir nichts gegen eine Athletenvereinigung einzuwenden. Schwierig wird es, wenn gewerkschaftliche Strukturen beabsichtigt sind. Eine aggressive Form der Umsetzung wird den Sportlern mehr Probleme als Unterstützung einbringen. Damit erweisen sie sich einen Bärendienst“, meinte Hörmann in Richtung der Athleten. Das sieht Bögl kein Problem. „Der Verein soll der Athleten-Kommission unter die Arme greifen und die Sportler unterstützen. Das dürfte im Interesse aller Beteiligten sein.“

Lucas Bögl gehört zu jenen Sportlern denen es ganz gut geht. Als Kadersportler bei der Bundeswehr ist er finanziell gut abgesichert. Dazu hat er mit einer Elektronikfirma einen guten Hauptsponsor. Deswegen sieht er sein Engagement auch solidarisch mit jenen Athleten, die weniger verdienen. In dieser Saison finanziert der Deutsche Skiverband die Reisen und Trainingslehrgänge. Das ist in der Karriere des Langläufers nicht immer so gewesen. „Ich gehöre weder zu den ganz armen noch zu den ganz reichen Sportlern“, beschreibt er seine Situation. Natürlich hätte er nach seinem Abitur einen Beruf ergreifen und mehr verdienen können. Doch Bögl, der im vergangenen Winter bei der Nordischen Ski-WM in Lahti 18. über 50 km und Sechster mit der Staffel wurde, liebt seinen Sport. „Langlaufen macht man nicht wegen des Geldes, es ist vielmehr eine Lebenseinstellung. Ich habe meinen Sport zum Beruf gemacht. Dadurch fühle ich mich privilegiert und muss in keinem Büro sitzen. Das kann ich nach meiner Karriere noch lange genug machen.“

Wie es nach seiner sportlichen Laufbahn weitergehen wird, weiß er noch nicht genau, jedenfalls hat er sich bereits mit einem abgeschlossenen Marketing-Studium ein zweites Standbein aufgebaut. Nach dem Leistungssport möchte ich schon in irgendeiner Funktion dem Sport treu bleiben, meint er. Auf die Frage wie er denn reagieren würde, wenn ihm ein Profifußballer seinen Gehaltszettel zeigen würde, meinte er schlagfertig. „Nach dem ersten Schreck würde ich ihm meinen Trainingsplan zeigen. Dann würde er wahrscheinlich verblüfft sein.“shu

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