Über ein Drittel der Hauptrunde der Oberliga Süd ist absolviert. Wie fällt das Fazit aus?
Mein Fazit fällt durch die Bank positiv aus. Wenn mir einer gesagt hätte, dass wir nach 13 Spielen auf dem ersten Tabellenplatz stehen, dann hätte ich das im Sommer sofort unterschrieben. Ich weiß nicht, wer das erwartet hat oder ob man das überhaupt erwarten konnte, denn die Oberliga ist mittlerweile eine sehr starke und ausgeglichene Liga in der jeder jeden schlagen kann. Wir haben uns da jetzt durchgekämpft und durchgebissen und das Ganze ist nur als Team möglich. Unser großes Plus ist, dass wir ein ganz starkes Kollektiv sind. Unser Star ist das Team. Wir haben ein super Klima in der Kabine, die Jungs arbeiten hart und geben Gas. Deshalb stehen wir auch völlig verdient auf dem ersten Platz.
Ihr bester Skorer liegt ligaweit auf Platz 35 und das ist mit Tobias Draxinger auch noch ein Verteidiger. Hätten Sie das vor der Saison gewusst – wo hätten Sie Ihre Mannschaft in der Tabelle eingereiht und warum?
Ich habe meine Mannschaft von Haus aus so eingeordnet, weil wir im Vergleich zu anderen Teams keine Mannschaft zusammengestellt haben bei der sich alles nur um zwei Spieler dreht, die die meisten Punkte machen. Uns war klar, dass wir ein Kollektiv schaffen wollen, das nicht auszurechnen ist. Das heißt bei uns klipp und klar, dass bei uns drei Reihen scoren können. Ich kann mit drei Reihen Überzahl spielen und bei uns schießt jedes Mal eine andere Reihe die Tore. Unsere Verteidiger sind sehr offensiv und deshalb haben wir natürlich auch viele Verteidiger, die viele Punkte machen. Das funktioniert auch nur deshalb, weil die Stürmer auch mit nach hinten arbeiten. Dass wir keinen Topscorer oder keinen Top-Ten-Scorer haben, war im Sommer schon klar.
Was sagen Sie zur Einschätzung, dass ein Großteil der anderen Oberligisten bessere Kontingentspieler als Rosenheim hat? Was muss ein Kontingentspieler in Ihren Augen in dieser Liga mitbringen?
Ich weiß nicht woher das kommt, dass die Ausländer die Besten sein müssen und dass die Kontingentspieler viel punkten müssen. Ich habe das nie so gesehen und hier spreche ich wieder von meinem Kollektiv. Wir haben zwei Ausländer, die perfekt zu uns rein passen. Logisch könnten die beiden mehr Tore schießen, aber wenn sie nicht so oft an den Pfosten, sondern ins Tor schießen würden müssten wir hier überhaupt nicht über Tore oder Punkte von unseren beiden Finnen sprechen.
„Natürlich wünschen wir uns, dass sie mehr Tore machen“
Manuel Kofler
Aber wenn Kontingentspieler treffen, kann das nicht schaden.
Zum jetzigen Zeitpunkt zählt das nicht. Jetzt zählt nur, dass wir ganz oben stehen. Lammassaari und Nättinen sind gute Teamplayer, die voll integriert sind und das ist mir viel wichtiger. Wir haben eine Unterzahlquote von 91 Prozent und da sind wir die Besten der Liga und unser Unterzahlspiel führen unsere beiden Finnen an. Die sind einfach so geschult und können das Spiel so gut lesen, dass es da wenig Gegentore gibt. Beide haben eine überragende Plus/Minus-Statistik wie übrigens auch der Rest der Mannschaft und Jussi Nättinen hat in der defensiven Zone so gut wie kein Bully verloren. Natürlich wünschen wir uns, dass sie noch mehr Punkte machen und das wissen sie auch. Ich rede viel mit Jussi und Petri, versuche Ihnen zu helfen, erwarte aber auch mehr von Ihnen. Aber: Wenn das weiterhin so verteilt ist und wir als Kollektiv erfolgreich sind, gibt es für mich da überhaupt keinen Grund zu reagieren. Und ob andere glauben oder fordern, dass wir Ausländer brauchen, die zum jetzigen Zeitpunkt 30 Punkte machen, dann sage ich: Wir sind Erster, Regensburg mit zwei Topscorern ist Fünfter, Weiden mit seinen zwei Top Ten-Scorern ist Siebter. Wenn so ein Spieler ausfällt, bekommen solche Teams Probleme. Wenn bei uns zwei Spieler ausfallen, haben wir zunächst mal kein Problem. Ich sage es noch einmal: Unser Star ist die Mannschaft und wenn ich das Gefühl habe, dass irgendetwas nicht mehr funktioniert, würde ich mir schon etwas überlegen.
Welcher Spieler Ihres Teams hat Sie im positiven Sinn am meisten überrascht?
Wer mich positiv sehr überrascht hat, ist Florian Krumpe. Der hat seine Chance genutzt, ist Stammspieler bei uns, ist bei der U 20-Nationalmannschaft dabei und das hat er sich auf alle Fälle verdient. Positiv haben mich eigentlich alle Spieler überrascht, weil keiner dabei ist, der komplett neben der Spur ist. Klar, von einigen weiß ich, dass noch mehr kommen wird und auch kommen muss. Überragend ist natürlich auch unser Keeper Lukas Steinhauer. Er ist eine Granate in dieser Liga und auch sein Stellvertreter Luca Endres hat uns sehr geholfen als er gespielt hat. Unser System, das wir spielen, ist für einige Spiele ideal wie zum Beispiel für unsere Verteidiger Tobias Draxinger und Max Vollmayer. Und auch die körperliche Präsenz von Draxinger ist natürlich überragend, aber für das habe ich ihn auch geholt.
Sie haben jetzt bis auf Weiden, Memmingen und Selb gegen alle Team mindestens einmal gespielt. Wen schätzen Sie am stärksten ein?
Tatsache ist, dass wir uns auf jedes Spiel – egal welchen Gegner – top vorbereiten. Wenn wir nicht mit der richtigen Einstellung in die Spiele gehen, verlieren wir – egal wie der Gegner heißt. Rosenheim, Deggendorf, Landshut, Regensburg und Selb sind am Ende meiner Meinung nach vorne mit dabei. Die Liga ist definitiv keine Zweiklassengesellschaft, auch wenn es die Tabelle vielleicht aussagt. Da ist es im Norden schon ganz anders. Die ersten acht Mannschaften im Norden sind top, der Rest fällt ab und da sieht man auch nicht, dass eine Mannschaft so kämpft wie zum Beispiel Miesbach, die in beiden Spielen gegen uns bis zur letzten Sekunde alles gegeben hat.
Können sich die Starbulls in dieser Liga nur selbst schlagen?
Ich drehe es um: Wenn wir bereit und fit sind und unsere Linie durchziehen, wird es für jede Mannschaft schwer, dass sie uns schlagen kann.
Sie haben nach dem letzten Spiel gesagt, Ihre Mannschaft sei platt und Sie nehmen die Schuld auf sich. Wie genau haben Sie das gemeint?
Wir trainieren intensiv und hart und wir ziehen unser Training durch, weil wir auch in der entscheidenden Saisonphase im Januar, Februar und März noch Körner haben wollen. Und da gibt es dann eben auch mal ein Spiel in dem man nicht so spritzig aussieht. Das nehme ich aber zu 100 Prozent in Kauf, denn es zählt nur das große Ganze. Jetzt ist es aber auch mal wichtig, dass die Mannschaft eine Pause hat. Das hat sie sich auch verdient und deshalb haben wir dem Team von Donnerstag bis einschließlich Sonntag frei gegeben. Ab Montag bereiten wir uns voll konzentriert auf die nächsten Spiele vor.
„Ich habe erst gedacht, ich höre nicht richtig“
Manuel Kofler
Die Fans haben beim letzten Mal „Wir wollen Euch kämpfen sehen“ gerufen. Und das bei einem Team, das Sie trainieren…
(Kofler überlegt lange) Ich habe erst gedacht, ich höre nicht richtig. Da fehlt mir der Respekt vor der Mannschaft, die das Aushängeschild der Region ist und gefühlt aus Rosenheimer Spielern besteht. Die Spieler haben gekämpft, haben aber einfach nicht mehr gekonnt. Das hätte man vielleicht als Zuschauer erkennen können, dass das Team gerade in dieser Phase Unterstützung braucht und man die Spieler eigentlich hätte anfeuern müssen. Ich habe meine Jungs zusammengeholt und ihnen gesagt, dass wir uns dann eben selbst rausziehen und dann haben wir das Spiel gewonnen. Ich würde mir wünschen, dass wir auch zu Hause mal so eine Stimmung haben wie beim ersten Spiel in Waldkraiburg, als uns die mitgereisten Fans 60 Minuten lang voll unterstützt haben. Das hat die Mannschaft gepusht, das war schön. Es sollte immer ein Miteinander und kein gegeneinander sein– so wie das in meinem Team auch ist.
Stimmt es, dass ein Großteil Ihrer Spieler nicht ausschließlich mit Eishockey ihr Geld verdient?
Richtig. 16 Spieler aus unserem Kader spielen nicht nur Eishockey: Wir haben sechs Spieler, die ein Vollzeitstudium absolvieren, drei Spieler, die eine Vollzeit-Ausbildung machen, zwei Spieler gehen auf die FOS beziehungsweise BOS, drei Spieler arbeiten Teilzeit und wir haben noch zwei Schüler.
Sie haben aktuell sechs verletzte Spieler. Wer kann wann wieder spielen und, was die Fans ganz besonders interessiert, wann bestreiten Michael Rohner und Peter Lindlbauer ihre ersten Spiele?
Andi Nowak kommt mit seiner Handgelenksverletzung erst Anfang Januar wieder, mit Valentin Hain rechne ich Mitte Dezember. Der Einsatz von Micky Rohner ist für Anfang Dezember geplant, Michael Fröhlich und Matthias Bergmann können nach der Deutschland-Cup-Pause wieder spielen. Bei Peter Lindlbauer kann man keine Prognose abgeben.
Stimmt es, dass Sie Ihren Bart mit dem aktuellen Schnitt so lange tragen, wie Sie Tabellenführer sind?
Das stimmt definitiv nicht. Der Bart wird jetzt wieder geändert. Ich trage den Bart im November immer so, weil wir mit der „Movember-Aktion“ auf Männerkrebskrankheiten aufmerksam machen.
Interview Hans-Jürgen Ziegler und
Thomas Neumeier