Rosenheim – Auch wenn aus sportlichen Gründen nicht so leicht nachzuvollziehen ist, wieso die Oberliga während des Deutschlandcup-Wochenendes pausiert (so viele Oberligaspieler stehen ja auch nicht in den Kadern der Deutschen, Russen, Slowaken oder der USA), so bietet die Pause doch eine willkommene Unterbrechung für Spieler und Trainer, etwa um Verletzungen auszukurieren, Neues einzustudieren oder auch einfach ein paar Tage zu regenerieren.
Und auch Statistiker bekommen eine Auszeit, um Dinge zu hinterfragen oder auch Trends und Auffälligkeiten der ersten 13 Punktspieltage näher zu analysieren.
Wenn das nordamerikanische Sprichwort „offense wins games, defense wins championships“ (offensiv gewinnt man Spiele, defensiv Meisterschaften) zutrifft, dann scheinen die Starbulls bisher recht gut aufgestellt. Zwar haben drei Teams, neben den unmittelbaren Verfolgern Deggendorf und Regensburg auch der Tabellensechste Peiting, bisher mehr Treffer erzielt als der Tabellenführer, in der Defensive dagegen erwiesen sich Lukas Steinhauer und Luca Endres im Zusammenwirken mit ihren Teamkameraden bisher als eine Klasse für sich. Deggendorf und Landshut als die zweitbesten Defensivteams haben bereits rund 68 Prozent mehr Gegentore zulassen müssen als die Rosenheimer!
Unbedingt beipflichten muss man auch Koflers Aussage im Samstag-Interview, dass „der Star die Mannschaft“ ist. Was ein bisschen nach Phrasenschwein klingt, wird durch die nüchternen Zahlen unmissverständlich belegt. Auch wenn Topscorer Tobi Draxinger nur auf Rang 35 der aktuellen Scorerliste zu finden ist, in der Breite sind die Starbulls, auch was das Toreschießen anbelangt, absolute Spitze. Zum Beweis: Draxinger hat nur 15,4 Prozent aller bisherigen Tore seiner Mannschaft erzielt. Nimmt man die Top Drei (das wären neben Draxinger zwei der Fünf-Tore-Schützen Fröhlich, Lammassaari, Bucheli und Zick), kommt man auf 35,6 Prozent. Und für den besten Fünferblock (Draxinger/Neumann sowie drei der Fünf-Tore-Stürmer) steht genau die Hälfte aller Tore zu Buche.
In allen drei Kategorien sind die Starbulls alleiniger oder mit Lindau bzw. Waldkraiburg gemeinsamer Letzter. Zum Vergleich: Bei Weiden geht ein Drittel aller bisher geschossenen Tore auf das Konto eines Mannes (Toptorjäger Martin Heinisch), und das Trio Heinisch/Abercrombie/Waldowsky hat fast zwei Drittel aller Treffer erzielt. Dafür haben für die Blue Devils erst sieben verschiedene Spieler getroffen, die Starbulls (17 Torschützen) weisen mit 13 sogar fast doppelt so viele Mehrfachtorschützen auf wie Weiden überhaupt Torschützen. Bester Fünferblock der Liga sind übrigens die Regensburger Gulda, Alt, Bosas, Gajowski und Flache mit fast 70 Prozent der Teamoffensive.
Bei den Rosenheimer Kontingentspielern ergibt sich ein ähnliches Bild: Nur 13,5 Prozent Prozent aller Tore gehen auf das Konto von Petri Lammassaari und Jussi Nättinen. Hier haben nur die Landshuter Ausländer mit 7,8 Prozent einen niedrigeren Anteil, wobei deren Starstürmer Dave Wrigley auch nur knapp die Hälfte der Spiele absolvieren konnte. Gegen Lammassaari spricht allerdings auch viel subjektiver die Wahrnehmung, hat er doch in eigener Halle noch kein einziges Tor erzielt, während er auswärts mit fünf Treffern neben Draxinger den Spitzenwert innehat.
Aber wieso stehen die Starbulls trotz all dieser negativen Zahlen und Prozente an der Tabellenspitze? Ganz einfach: Weil sie eben kein Ein-Mann-Unternehmen sind, sondern das Team als Ganzes wie eine gut geölte Maschine funktioniert. Ebenso wie das überragende Defensivverhalten bietet auch die Offensive eine klassische Kooperativleistung. 17 der 18 eingesetzten Spieler konnten sich bereits als Torschützen feiern lassen, 15 Verteidigertore sind mehr als die Blueliner von Weiden, Waldkraiburg, Miesbach und Memmingen oder Lindau zusammen erreicht haben. Die 17 Torschützen sind ebenso Ligaspitze wie die 13 Mehrfachtorschützen oder die fünf Spieler mit mindestens fünf Toren, wobei in der letzten Kategorie fünf Kontrahenten den gleichen Wert aufweisen.
Ebenso Ergebnis des Kollektivs ist natürlich auch der überragende Penalty-Killing-Wert von über 90 Prozent, den kein anderes Team auch nur annähernd erreicht. Fünf Gegentreffer in über 83 Minuten – im Schnitt dauerte es bisher fast 17 Minuten nummerischer Unterlegenheit der Starbulls, bis der Gegner erfolgreich war! Dass die Starbulls mit knapp 21 Prozent Erfolgsquote über eins der schwächeren Powerplays der Liga verfügen (Peiting kommt hier auf über 37, Regensburg auf knapp 34 Prozent) ist eine andere Geschichte und leider fast schon Tradition…
Alles in allem ist diese Bilanz nach rund 40 Prozent der Vorrunde eine durchaus erfreuliche Momentaufnahme (oder vielleicht doch ein bisschen mehr?), und man kann dem Rest der Runde, die mit Memmingen, Weiden und Selb noch drei weitere neue Gegner bringen wird, durchaus mit Optimismus entgegensehen.