Fussball-Regionalliga Bayern

Ein Trainer in der Gefühls-Achterbahn

von Redaktion

Minuten nach dem Spiel stand Tobias Strobl schon wieder auf dem Rasen. Und irgendwie war der Trainer des TSV 1860 Rosenheim irritiert: Denn noch wusste er das 1:1 seines Teams im Spiel des Jahres gegen die Münchner Löwen nicht richtig einzuschätzen.

Der Rosenheimer Coach war hin- und hergerissen von der kampfbetonten Begegnung, von der prächtigen Zuschauerkulisse und vor allem von der Leistung seiner Mannschaft. „Wie wir so dagegengehalten haben. Wir haben das brutal gut gemacht. Wahnsinn, was in der Mannschaft steckt“, geriet Strobl ins Schwärmen – um dann auch gleich wieder zu verzweifeln: „Was hatten wir für Bretter in der ersten Halbzeit?“ Und dann zählte er auf: „Die Doppelchance nach der Ecke, dann die Chance vom Wiggerl und dann der Elfmeter, den wir nicht bekommen – einen klareren gibt es nicht.“ Genauer gesagt: Nach fünf Minuten hätten Georg Lenz per Kopfball und Maxi Höhensteiger im Nachschuss die Führung erzielen können, bei Wiggerl Räubers Alleingang hätte es 1:0 stehen müssen und Robert Köhler wurde von Löwen-Verteidiger Christian Köppel klar erwischt, jedoch blieb die Pfeife von Schiedsrichter Florian Kornblum stumm.

„Vielleicht bin ich einen Ticken zu grün hinter den Ohren.“

Tobias Strobl

Das war die erste Situation, in der es Strobl bis ins Spielfeld hinein trieb. Der Rosenheimer Trainer war draußen bei kalten Temperaturen schnell heißgelaufen und bekam dies dann auch eine gute Viertelstunde vor Schluss zu spüren, als er nach wiederholtem heftigem Reklamieren auf die Tribüne verwiesen wurde. „Ich habe es noch nie so erlebt, dass ein Schiedsrichter seinen Linienrichter so ignoriert. Das war in drei Situationen der Fall.“ Strobls Aufregung war durchaus gerechtfertigt, weil zum verweigerten Elfmeter in der ersten Hälfte auch noch durchaus ein Löwen-Platzverweis im zweiten Durchgang möglich gewesen wäre: Der gelb-vorbelastete Aaron Berzel hatte bei zwei weiteren gelb-würdigen Fouls richtig viel Glück. Stattdessen hielt es Strobl nicht mehr in seiner Coaching-Zone. „Das darf mir nicht passieren, aber da bin ich vielleicht auch einen Ticken zu grün hinter den Ohren“, zeigte sich der Rosenheimer Trainer nach dem Spiel schon wieder ein bisschen einsichtig. „Er hätte mich wohl auch noch lange nicht rausgestellt, wenn ich es nicht übertrieben hätte.“

Auf seinem Sitz hatte es Strobl auch beim Führungstreffer nicht gehalten: Philipp Maier hatte im Anschluss an einen abgewehrten Ball aus der Distanz abgezogen und die Kugel sauste wie an der Schnur gezogen hoch ins rechte Eck. „In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt“, befand der Trainer, „wir wollten unser wahres Gesicht zeigen – und das haben wir getan.“ Fast schon verzweifelt fragte er nach: „Was haben wir nicht? Wir haben unsere Chancen nicht konsequent genutzt und haben die ein oder andere Standardsituation nicht so gut verteidigt. Aber das liegt auch an der Klasse eines Mauersberger und seiner Kollegen“, verteidigte er sein Team, ohne es großartig verteidigen zu müssen. Klar fiel das Tor nach einer abgewehrten Standardsituation, als Köppel aus dem Hintergrund abzog und ebenso wie Maier sehenswert traf.

Hätte fünf Minuten vor dem Ende allerdings Markus Ziereis die Riesenchance alleine vor Goalie Mario Stockenreiter zum Löwen-Sieg genutzt, dann hätte es für Strobl, der die Unachtsamkeit seiner Mannschaft beim Umschaltspiel in dieser Situation bereits von der Stadionsprecherkabine aus verfolgte, Grund zum Ärgern gegeben. So aber konnte er auf der Pressekonferenz bereits versöhnlich feststellen: „Wenn wir als Rosenheimer gegen die großen Blauen einen Punkt holen, dann können wir alle zufrieden einschlafen.“ Bei der ersten Analyse auf dem Rasen des Jahnstadions hatte er bereits gemeint: „Ich glaube, morgen freue ich mich.“ Also, Herr Strobl: Freuen ist angesagt!

Artikel 1 von 11