Rosenheim – Die Fußballer im Kreis Inn/Salzach werden künftig von einer Frau geführt. Carmen-Jutta Gardill aus Seeon ist die einzige Kandidatin, wenn die Vereine am 19. Januar (19 Uhr) im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum (Kuko) einen neuen Kreisvorsitzenden wählen. Das Amt ist neu – und doch wieder nicht: Kreisspielleiter Bernd Schulz aus Großkarolinenfeld, der sich auf dem Fußball-Kreistag nach zwölf Jahren verabschiedet, trug seit 2010 auch den Titel als Kreisvorsitzender.
Aufgaben werden getrennt
Nun werden die Aufgaben getrennt: Die Kreisvorsitzende vertritt den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) vor allem bei repräsentativen Aufgaben, etwa bei Vereinsjubiläen und Ehrungen, aber auch in der Zusammenarbeit mit der lokalen Politik oder anderen Verbänden. Der Herren-Spielbetrieb bleibt in den Händen des Kreisspielleiters. Thomas Langner aus Taching, seit vier Jahren als Spielleiter für die Gruppe Ruperti zuständig, übernimmt das Amt zusätzlich. „Ich bin mehr der Praktiker. Um zu repräsentieren, wäre ich der Falsche“, sagt der 44-Jährige. Auch Schulz hält die Trennung für richtig: „Meine Aufgaben sind in den vergangenen Jahren immer mehr geworden. Die Vereine fühlen sich oft überfordert. Es ist gut, wenn sie jemanden haben, mit dem sie auch über ihre Probleme sprechen können.“
Schulz hatte seine Nachfolgerin selbst als Funktionärin „entdeckt“. Bei der SpVgg Pittenhart war Gardill als Mutter eines fußballspielenden Sohnes eingestiegen, zunächst als Betreuerin und Trainerin. Später gründete sie als Jugendleiterin auch Mädchenmannschaften – so erfolgreich, dass der Dorf-Verein den DFB-Vereinswettbewerb gewann. Der Kreisspielleiter kam, brachte ein paar Fußbälle mit – und gewann die heute 54-Jährige als Kreis-Ehrenamtsbeauftragte. Das Amt gibt sie nun nach sieben Jahren an den bisherigen Schiedsrichter-Einteiler Helmut Riedl (Bruckmühl) ab. Und die Spielleitung der Damen- und Mädchen-Staffeln im Kreis übernimmt im Sommer Michaela Heinzlmaier (Saaldorf). Ihr Liebe zum Fußball hatte Gardill, im Hauptberuf Versicherungsangestellte, schon als Kind entdeckt – in Würzburg, wo sie aufwuchs und wo ihr Onkel in den 70er-Jahren bei den Kickers in der 2. Bundesliga Süd stürmte. „Da war ich natürlich jedes Wochenende im Stadion.“
Der künftige Kreisspielleiter Thomas Langner hat den vielleicht exotischsten Lieblingsverein, den man im Südosten Bayerns haben kann: Erzgebirge Aue. Das liegt daran, dass er in Chemnitz aufwuchs und erst Ende 1992 nach Bayern kam. „Da hatte ich jahrelang nichts mit Fußball zu tun.“ Die „Alten Herren“ des SV Taching waren die Wieder-Einstiegsdroge, und als die Seniorenmannschaft zerfiel, wurde Langner Schiedsrichter. Dort hörte er 2014 davon, dass der heutige Bayernliga-Spielleiter Andreas Mayländer (Teisendorf) einen Nachfolger für die Gruppe Ruperti suchte. Wenige Monate später hatte er den Job. „Ich wollte den Verband quasi von innen revolutionieren“, schmunzelt er. „Aber es bringt nichts, am Anfang gleich alles umzuwerfen.“ Die bröckelnden Mannschaftszahlen im Kreis Inn/ Salzach nimmt er achselzuckend hin. „Das ist demografisch bedingt. Aber man kann vielleicht die Hürden senken, um den Einstieg zu erleichtern.“
Franz Schaffner übernimmt
In der Gruppe Chiem bekommt Langner einen neuen Mitarbeiter. Denn Marcus Fischer (Rosenheim), der sich in den vergangenen vier Jahren um die Kreisklassen, A-, B- und C-Klassen im Westen gekümmert hat, nimmt aus familiären Gründen den Hut. Ihm folgt Franz Schaffner aus Bernau, den viele noch als Kicker in der Jugend von 1860 Rosenheim, als Spieler beim TSV Bad Endorf oder als Trainer kennen. Als Rentner will sich der 59-Jährige jetzt wieder engagieren. „Ich will den Kontakt zu den Vereinen intensivieren, um Eskapaden, wie wir sie kürzlich wieder auf den Plätzen gesehen haben, zu verhindern.“ Das ist auch im Sinne von Bernd Schulz: „Der Ehrgeiz ist stark in den Vordergrund gerückt. Früher war mehr Miteinander, heute wird alles viel zu ernst genommen. Dabei geht es doch nur um Fußball“, bilanziert der 64-Jährige.