Ruhpolding – Gerade bei der Anzahl der Fans lässt sich die Entwicklung des Biathlons im Chiemgau festlegen. Rund 5500 Zuschauer wohnten der Eröffnungsfeier bei, Anders Besseberg, Präsident des Weltverbandes IBU setzte die Erwartungen für die laufenden Biathlon-Tage hoch: „Wir sind ganz in der Nähe von 100000“, meinte er euphorisiert. Die Veranstalter rechnen zumindest „mit 80000 bis 85000“, die Ruhpoldings Tourismusdirektor Markus Stuckmann erwartet – eine klare Steigerung gegenüber dem Vorjahr.
„Die WM 1979 haben nicht so viele mitbekommen“, wusste Herbert Fritzenwenger, ehemaliger Olympiastarter und jetziger ZDF-Kommentator. Er hat die 40 Jahre währende Weltcup-Geschichte in Ruhpolding hautnah miterlebt. Auf der Bühne erzählte er davon, wie die Ruhpoldinger Verantwortlichen und Sportler damals die Bedingungen für einen Bewerb geschaffen haben. „Wir haben 1977 gerodet, Peter Angerer, Walter Pichler und ich waren unter anderem dabei, als die Holzknechte den Schießstand ausgeholzt haben.“
Die heutigen Athleten finden ganz andere Verhältnisse vor. Moderator Harald von Knoerzer-Suckow, der mit Geri Egger, Laura Erdelyi und Melitta Varlam gekonnt durch das Programm führte, versprach „beste Schneeverhältnisse“. Die teilnehmenden Nationen wurden dann erstmals nicht am Stück, sondern in drei Blöcken präsentiert. Das Team aus Österreich machte den Anfang, beim Auftritt der belgischen Mannschaft hüpfte Michael Rösch etwas verspätet auf die Bühne und erzählte verschmitzt, dass schön sei, wenn man für Belgien starte und „die deutsche Pünktlichkeit nicht mehr beachten muss“. Frankreich kam ohne Top-Star Martin Fourcade, Norwegen ohne Ole Einar Björndalen, der aber in einem Einspielfilm seine besondere Beziehung zu Ruhpolding („Hier habe ich 1993 bei der Junioren-Weltmeisterschaft dreimal gewonnen. Das war wunderschön.“) und das spezielle Erlebnis in der Chiemgau-Arena erklärte: „Nirgendwo ist man so nahe dran an den Fans. Du spürst die Zuschauer am Schießstand.“ Den Vogel schossen einmal mehr die Schweden ab, die unter Leitung von Trainer Wolfgang Pichler plattelten und damit riesigen Applaus und „Zugabe“-Rufe einheimsten. Den größten Beifall gab es natürlich für die DSV-Athleten.
Mächtig eingeheizt haben die Bayern-1-Band sowie Herbert Ringsgwandl und Peter Eichstädt. Der ehemalige alpine Rennläufer und Leiter der Ruhpoldinger Tourist-Info und der Potsdamer Komponist dichteten den Song „Oh, wie ist das schön“ auf Ruhpoldinger Verhältnisse um und lieferten eine große Show ab. Ringsgwandl hüpfte über die Bühne wie einst Hans Rosenthal – der gesamte Auftritt war einfach nur „Spitze“.
Da konnten die weiteren Vertreter auf der Bühne nicht mithalten – mussten sie aber auch nicht, denn ihre Stärken liegen in anderen Bereichen. Für die Stadionsprecher Maria Greinwald, Karlheinz Kas und Hermann Ohletz sind diese während der Wettbewerbe an der Strecke, Bürgermeister Claus Pichler als OK-Chef und Landrat Siegi Walch fungieren hinter den Kulissen und dankten auf der Bühne den vielen Helfern des Weltcups und den Fans. „Das größte Kompliment ist, wenn die Fans da sind. Ohne euch wäre alles nix“, rief Pichler den Zuschauern zu.
Den letzten und entscheidenden Teil der Eröffnungsfeier vor dem großen Feuerwerk hatten DSV-Präsident Dr. Franz Steinle und IBU-Chef Besseberg zu bestreiten, die den Weltcup in Ruhpolding offiziell für eröffnet erklärten. Mit Besseberg schloss sich auch der Kreis von 40 Jahren Biathlon-Weltcup in Ruhpolding, denn der oberste Mann des Biathlons war einst bei den Anfängen im Chiemgau als Trainer der Norweger zugegen.