Ruhpolding – Der 71-Jährige betonte voller Stolz, „dass der Biathlonsport eine phänomenale Entwicklung genommen hat – vor allem in den vergangenen 20 Jahren“.
Das sieht auch „sein“ früherer Vize, der Tüßlinger Heinz Billino, so, der dennoch ein Alleinstellungsmerkmal der Chiemgau-Arena hervorhebt: „Das Besondere an Ruhpolding fängt beim Stadion an: Es gibt auf der ganzen Welt keine Arena, in der die Zuschauer näher am Schießstand sind als hier“, sagt der Tüßlinger. Um diese unvergleichliche Atmosphäre zu genießen, „buchen viele Zuschauer ihren Ruhpolding-Aufenthalt immer schon ein Jahr vorher. Die Fans kommen ja aus ganz Deutschand, seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten sind es teilweise immer die gleichen“, so Billino.
Aufgrund der Buchungen oder Gästelisten wisse man dann auch, wer sozusagen „Wiederholungstäter“ ist und schon zum wievielten Mal zum Weltcup in den Chiemgau reist. Dagegen seien die Besucher aus der Region „gar nicht so leicht zu erfassen“, meint der ehemalige IBU-Vizepräsident.
Besseberg, der bei der WM 1979 in Ruhpolding als Trainer der Norweger tätig war, strahlt übers ganze Gesicht, wenn man ihn auf die Entwicklung seiner Sportart anspricht: „Die ist sehr, sehr gut. 1979 hatten wir 4000 bis 5000 Zuschauer in der gesamten Woche, heuer befinden wir uns bei knapp unter 100 000 Besuchern.“ Dieser „Wahnsinn“ zeige sich auch in den Fernseh-Einschaltquoten, die stets gesteigert werden konnten.
Der Norweger gibt jedoch auch offen zu, dass „die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, was die Zukunft der Skijäger betrifft. „Es gibt eben derzeit keine größeren Stadien, um deutlich mehr Besucher unterzubringen“, verdeutlicht er, „die großen Schritte wie in den letzten 20 Jahren können wir nicht mehr erwarten, ich denke eher, dass sich alles stabilisieren wird“.
Auch wenn der Einzellauf über 20 Kilometer bei den Männern beziehungsweise 15 Kilometer bei den Frauen für die Zuschauer nicht immer sonderlich reizvoll ist, meint der IBU-Präsident, diese Wettkampfform sei unverzichtbar: „Die Biathleten lieben den Einzellauf. Aber es sind ja im Lauf der Jahre auch einige neue Wettkampfformen wie die Verfolgung hinzugekommen“, so dass aktuell keinerlei Handlungsbedarf bestünde, an ein neues Rennformat zu denken. „Das hat nicht die oberste Priorität“, redet Besseberg Klartext. Sein Ziel sehe er vielmehr darin, „alles besser zu machen für unsere Athleten: den Schießstand, die Strecke und so weiter. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass wir allen Sportlern die gleichen Bedingungen bieten können, und zwar die bestmöglichen“.
Am vergangenen Donnerstag, beim Einzelrennen der Damen, gelang dies der Truppe um den Ruhpoldinger Wettkampfleiter Alois Reiter in eindrucksvoller Manier, „sonst hätte ja die Kanadierin Rosanne Crawford mit Startnummer 96 nicht auf Platz drei laufen können“.cs