Möglich war sogar der Sturz auf Rang vier nach der Niederlage am Freitag, hätten nicht die beiden unmittelbaren Konkurrenten Selb und Deggendorf völlig überraschend auf eigenem Eis gepatzt. Und ganz an der Spitze lag man am Sonntag bis acht Minuten vor Schluss, als man den Peitinger Gästen noch zwei Treffer gestattete, was zwar am Sieg nichts mehr änderte, wodurch aber die punktgleichen Landshuter mit einem (!) Tor Vorsprung Rang eins belegen. Besonders das Spiel gegen Peiting zeigte deutlich, dass die Starbulls durchaus zum Besten zählen, was die Oberliga Süd heuer zu bieten hat, dass aber auch nichts von selbst kommt und man, wenn es nicht läuft, auch mal untergehen kann. Siehe den Doppelschlag der Gäste zum 2:0 binnen knapp zwei Minuten. Siehe aber auch die grandiose Phase zwischen der 34. und der 46. Minute, als den Starbulls fast alles gelang und sie mit fünf Treffern in knapp 13 Minuten wieder eine dieser Angriffslawinen vom Stapel ließen, denen in dieser Saison schon mehrere Gegner, zum Beispiel Regensburg, Weiden oder zuletzt Selb, zum Opfer gefallen waren.
Erstes Rohner-Tor seit neun Monaten
Beteiligt an der Tor-Lawine war zur Freude der Fans auch Micky Rohner. Am 11. April dieses Jahres hatte er in Crimmitschau den „Abschiedstreffer“ aus der zweiten Liga erzielt, dann fiel er monatelang verletzt aus, und nun in seinem neunten Spiel seit der Rückkehr gelang ihm endlich das in Sprechchören geforderte „Rohner-Tor“. Ein weniger routinierter Spieler wäre vielleicht überrascht gewesen, wie frei er im Powerplay plötzlich vor Torhüter Henne stand…
Stichwort Powerplay: Nachdem man während der ersten beiden Überzahlphasen teilweise kläglich agiert und sogar das 0:1 kassiert hatte, brachen nach dem ersten Tor durch den zuvor ausgepfiffenen Petri Lammassaari wie schon gegen Selb oder Regensburg alle Dämme, und binnen acht Minuten hatte es bei den Gästen, bedingt teils durch Fouls aus Überforderung, teils aus Geschenken des chaotisch agierenden Referees Aumüller, viermal eingeschlagen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Powerplays ist derzeit zweifellos Dominik Daxlberger als überragender Vorbereiter. In den letzten sechs Partien verbuchte er nicht weniger als elf Vorlagen, davon sieben in Überzahl. Speziell in den Vergleichen mit Landshut spielte heuer das Powerplay eine große Rolle. Nur neun der 17 Tore, die in den vier Spielen der beiden Spitzenteams gegeneinander fielen, geschahen bei fünf gegen fünf; in Über- (4:2) und Unterzahl (1:0) hatten die Niederbayern die Nase vorn, während die Starbulls bei personellem Gleichstand (5:4) und im Penalty-Schießen (1:0) glänzen konnten. Der EVL war neben Sonthofen auch das einzige Team, das den Rosenheimern nur einen einzigen Gegentreffer gestattete, das aber gleich in beiden Heimspielen. Und ihr Torhüter Max Englbrecht verpasste sogar beide Male einen Shutout nur ganz knapp; beim ersten Spiel fehlten weniger als zwei Minuten, diesmal gar nur 63 Sekunden. Das Spiel am Freitag war übrigens das erste, das die Starbulls verloren, wenn sie weniger als drei Gegentore zuließen, die anderen 19 Begegnungen gewannen sie allesamt, zwei davon in Overtime.
Zuschauer-Magneten Landshut und Starbulls
Landshut meldete am Freitag – im Gegensatz zum ersten Heimspiel gegen Rosenheim – ausverkauft. Überhaupt sind die Starbulls, sowohl was den eigenen Zuschauerschnitt als auch die Attraktivität auf fremdem Eis angeht, ganz vorne mit dabei. Zwar zog Landshut bei seinen Auswärtspartien mit 1811 geringfügig mehr Interesse auf sich als die Starbulls (1785), zu Hause aber hatten Fröhlich & Co. mit 2662 über 400 pro Spiel mehr.
Ein kleiner Vergleich: In den sechs Jahren Oberliga von 2004 bis 2010 besuchten nur in 14 von rund 170 Heimspielen mehr als 3000 Fans die Starbulls, diesmal wurde diese Marke in 16 Heimspielen schon viermal überschritten. So kann es in der Meisterrunde gern weitergehen!