Rosenheim – Starbulls-Vorstand Hans-Peter Schwarzfischer und seine Mitstreiter müssen mehr oder weniger machtlos zusehen, ob sich in dieser Saison sechs Vereine bis zum 31. März finden, die alle geforderten Voraussetzungen erfüllen.
Wie fühlt sich das für den Verein an?
Dem Termin am 31. März sehen wir alles andere als machtlos entgegen. Die Vereine der DEL2 haben sich dafür entschieden, die Bürgschaften für die Wiedereinführung des sportlichen Auf- und Abstiegs auch in 2018 erneut zu legen und auch die Starbulls prüfen, inwiefern ein erneutes Rosenheimer Engagement in dieser Sache möglich ist.
Warum wäre es schlecht für das deutsche Eishockey, wenn der Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2 ausbleibt?
Profisport lebt von zwei Säulen: Die erste ist die Säule des sportlich/olympischen Gedankens, also dass der beste Sportler oder das beste Team sportlich durch alle Ligen marschiert und irgendwann auch sportlich deutscher Meister werden kann. Das ist das eine. Das andere ist, dass vom Profisport sehr viele Arbeitsplätze abhängen. Die Betriebswirtschaft hinter den Vereinen ist also die zweite Säule. Aus Rosenheimer Sicht braucht es beide Säulen, um erfolgreich und nachhaltig Profisport bieten zu können. Wir haben uns in Rosenheim entschieden, den Weg der DEL2 zu unterstützen, um den sportlichen Auf- und Abstieg wieder zu ermöglichen.
Muss man den Eindruck haben, dass die DEL-Vereine bewusst jede Möglichkeit ausschöpfen, um eine „Einigung“ zu verhindern?
Der Vorwurf an eine einzelne Organisation ist aus Rosenheimer Sicht zu kurz gegriffen. Die DEL ist eine Organisation, bestehend aus Gesellschaftern, mit Eishockey als Geschäftsmodell und Gewinnabsicht. Wie in jeder anderen Sportart und in der freien Wirtschaft auch, haben alle diese Gesellschafter einen nachvollziehbaren Selbsterhaltungsantrieb. Aus unserer Sicht kann das Gleichgewicht zwischen dem wirtschaftlichen und dem sportlich/olympischen Gedanken nur gemeinsam wiederhergestellt werden. Dazu haben DEL und DEL2 gemeinsame Spielregeln vereinbart, um den sportlichen Auf- und Abstieg wieder einzuführen. Und die gilt es einzuhalten.
Und wenn es wieder keine Einigung gibt?
Dann wäre es aus Rosenheimer Sicht wünschenswert, auch den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) als vermittelnde Stelle mit ins Boot zu holen. Die fehlende sportliche Durchlässigkeit zwischen der DEL und der DEL2 ist dem Zuschauer schwierig zu vermitteln. Der Vergleich mit dem Fußball zeigt, dass vermarktungstechnisch die Abstiegsspiele der Bundesliga im Verhältnis sehr gute Einschaltquoten erzielen. Die Spannung in der DEL bei Abstiegsspielen und umgekehrt in der DEL2 bei Aufstiegsspielen wäre absolut wünschenswert.
Die DEL-Vereine erwecken in jener Diskussion den Eindruck, dass ein Abstieg im Eishockey gleich den Ruin des Vereins bedeutet. Die Starbulls sind aus der DEL2 in die Oberliga Süd abgestiegen, der Tod hat den Verein aber bei Weitem nicht ereilt. Wie hat sich der Abstieg denn konkret auf Ihren Club ausgewirkt?
Vereine in unterschiedlichen Ligen haben unterschiedliche Etats, das ist logisch. Die Angst der DEL-Vereine ist also dahingehend nachvollziehbar, dass der Verwaltungsapparat, den die DEL-Vereine haben, in der DEL2 nicht mehr so ohne Weiteres zu bezahlen ist. Speziell am Rosenheimer Standort war es die gute kaufmännische Arbeit und die verbindliche Art unserer Vorstandschaft, die unsere Partner allesamt bewogen hat, dabeizubleiben und heuer gemeinsam wieder anzugreifen. Positiv entwickelt hat sich in jedem Fall unser Zuschauerdurchschnitt, was wohl dem sportlichen Erfolg geschuldet ist. Auch unsere Vermarktungsmöglichkeiten konnten wir aus dem allgemeinen, positiven Echo steigern.
„Rosenheim hat
einen enormen Symbolstatus.“
Hans-Peter Schwarzfischer
Welche Liga finden Sie aus Rosenheim-Sicht attraktiver: die DEL2 oder die Oberliga Süd?
Der Verein ist attraktiv, nicht die Liga. Sportlicher Erfolg ist immer spannend, egal in welcher Liga. In Rosenheim bestätigt sich das. Allerdings steigen mit den höheren Ligen natürlich auch die Vermarktungsmöglichkeiten, das ist klar. Und auch die Nachwuchsarbeit benötigt einen Leuchtturm, den bei uns die Profimannschaft darstellt. Vereine saniert man sicher nicht in den unteren Ligen, sondern aus den Synergieeffekten der oberen Ligen heraus. Es hängen viel zu viele Faktoren an sportlichem und betriebswirtschaftlichem Erfolg eines Sportunternehmens, das Rosenheim letztlich ist, um über die Attraktivität einer Liga zu urteilen. Es muss das richtige Paket sein für Zuschauer, Sponsoren, für Interessierte und auch für eine ganze Region, die die Sportler ja auch immer mitvertreten. Rosenheim hat einen enormen Symbolstatus, dem wir gerecht werden wollen, und wir befinden uns auf einem guten Weg.
Sie sind seit Mitte August 2016 im Amt. Was haben Sie in Ihrer Position als Vereinsvorsitzender seitdem erreicht?
(schmunzelt) Sie müssen eher die Frage stellen, was wir alles erlebt haben, denn das war eine ganze Menge. Als wir ins Amt gekommen sind, haben wir einen Verein übernommen, der enorm viele Themen auf dem Tisch hatte. Da standen wie die ganzen Jahre zuvor wirtschaftliche Dinge auf dem Zettel, sportlich lief es grauenvoll mit viel Verletzungspech und dem Abstieg in die Oberliga, wir mussten einen Erfolgstrainer freistellen, haben Sponsoren zurückgeholt, viele Gespräche mit politischen Amt- und Würdenträgern gehabt. Wir haben uns mit unserer Stadtverwaltung, die gleichzeitig Eigentümer unseres Stadions ist, auf einen guten Weg begeben, der von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist.
Was freut Sie besonders?
Sehr positiv ist, dass wir von unseren Partnern sehr positive Rückmeldungen erhalten und unserer Vorstandschaft Verlässlichkeit und Engagement bescheinigt wird. Das ist für uns das Wichtigste. Aktuell haben wir eine tolle Fankultur, viele interessante Spiele und sind vorne dabei. Wir blicken mit Spannung in die Zukunft.Interview: re