Nur Landshut dürfte wohl Vierter bleiben, Deggendorf ist bei fünf Zählern Vorsprung (fast) schon am Ziel.
Dass dies so ist, verdanken die Niederbayern der Tatsache, dass sie mit 26 von 30 möglichen Punkten bisher mit Abstand das beste Meisterrunden-Team (vor Selb/21 und Rosenheim/18) sind. Und auch, dass die Starbulls mit nur einem Punkt an diesem Wochenende ungewöhnlich erfolglos agierten. Dass es auswärts beim KoflerTeam derzeit nicht so läuft (nur ein Drei-Punkte-Sieg auf den letzten sieben Reisen), ist das eine, dass es aber diesmal auch zu Hause nicht reichte, ist ziemlich neu. Zuvor hatten Michi Baindl & Co. nämlich neun Spiele nacheinander in der regulären Spielzeit zu Hause gewonnen und damit die längste Heimsiegserie innerhalb einer Saison in ihrer Oberliga-Historie egalisiert. Zu Beginn der Spielzeit 2008/09 hatten sie die ersten neun Spiele auf eigenem Eis gewonnen, ehe die Serie mit einem 2:3 gegen Passau (!) abriss.
Sieht man einmal von dem Blackout der zweiten Spielminute ab, als die Gastgeber 2:0 in Führung gingen, hatte das Freitag-Spiel in Weiden eigentlich einiges, was den Rosenheimer Sieg hätte bringen müssen. So gelang es den Starbulls zweimal, einen Gegentreffer praktisch im Gegenzug zu kontern (Vollmayer und Fröhlich jeweils vierzehn Sekunden nach dem 0:3 bzw. 1:4), aber was noch spektakulärer ist: Noch nie seit dem Start der derzeitigen Starbulls im Jahre 2000 gelang es ihnen, ohne Torhüter gleich zwei Tore zu erzielen wie diesmal! Einmal hatten sie selbst dieses Schicksal erlitten, als am 30. Oktober 2016 die Freiburger Wölfe mit sechs Feldspielern einen 3:5-Rückstand ausglichen und schließlich in einen Overtime-Sieg verwandelten, bei den Starbulls bleibt diese Maßnahme meist torlos oder führt sogar zu einem Empty-Net-Treffer des Gegners.
War dieses Novum eher erfreulich, so ereignete sich am Sonntag eine weitere Rosenheimer Premiere für dieses Jahrtausend. Noch nie zuvor, weder in Zweit- oder Oberliga noch von der Bayernliga abwärts, hatten die Starbulls ein Heimspiel verloren, in dem sie 3:0 geführt hatten! Auswärts war ihnen dies ein einziges Mal passiert, am 25. November 2016 in Crimmitschau, als die Eispiraten einen 0:3-Rückstand ausgleichen und ebenfalls in Overtime siegen konnte, aber in Rosenheim – Fehlanzeige.
Selbst hatten die Starbulls so einen „Turnaround“ schon mehrmals hingekriegt, fünfmal in der Zweiten, dreimal in der Oberliga, fünfmal zu Hause, dreimal sogar auswärts. Neben Bad Nauheim, Crimmitschau, Ravensburg und Bremerhaven war Heilbronn (bereits dreimal) das Hauptopfer in dieser Hinsicht. Höhepunkt dabei zweifellos das Play-off-Viertelfinal-Match am 15. März 2011. Der Tabellenzweite Heilbronn empfängt den Siebten, Liganeuling Rosenheim, und führt schnell 3:0. Nach Stephen Werners Tor zum 3:1 steigern sich die Starbulls in einen Spielrausch und verwandeln das 0:3 noch in der regulären Spielzeit in ein 6:3. Neben dem dreifachen Torschützen Werner trafen auch Stephan Gottwald und zweimal Marcus Marsall, den die Starbulls im Play-off-Achtelfinale mit Herne als Gegner begrüßen könnten, wenn sie noch Süd-Erster würden.
McDonald an allen Toren beteiligt
Was ein bisschen untergegangen ist: Während die Starbulls defensiv wie beim Start in die Meisterrunde immer noch das beste Team sind (allerdings nur noch ganz knapp vor Landshut), haben sie sich in der Offensive vom fünften bis auf den zweiten Rang vorgearbeitet, auch dank der neuen Kontingentspieler Chase Witala und Viteszlav Bilek. Bilek war mit drei Punkten auch gegen Selb wieder die „Speerspitze“, stand diesmal im Schatten zweier Gegner: Ian McDonald war an allen vier Wölfe-Toren beteiligt und Jared Mudryks zweiter Treffer war nicht nur spektakulär, sondern auch entscheidend. In den vier Spielen gegen die Starbulls hat McDonald zwölf Scorerpunkte angehäuft, Mudryk, der schon früher elfmal gegen Rosenheim in der Oberliga getroffen hatte, deren zehn.