Langsam geht für die Wintersportler eine lange und intensive Saison zu Ende. Auch für die Funktionäre, wie zum Beispiel dem Ruhpoldinger Thomas Hasslberger. Er ist Technischer Delegierter beim Skispringen. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang ist er als Assistent des technischen Delegierten eingesetzt gewesen. Diese beiden zusammen mit dem Wettkampfleiter bildet die Jury und jedes Mitglied hat das gleiche Stimmrecht. Sie steuert den Wettkampf, heißt konkret, legt die Anlauflänge fest und bestimmt den Windkorridor.
„Wir sind mitverantwortlich für die Sicherheit und Fairness des Wettkampfs“, erklärt Hasslberger. Vor allem muss die Jury entscheiden, ob ein Springen von der Groß- auf die Normalschanze verlegt oder sogar wegen Wind und Schnee verschoben werden muss. „Grundsätzlich sind wir dafür zuständig, damit alle Sportler optimale Bedingungen haben.“ Trotzdem hat die Jury oft einen schweren Stand. „Meistens klappt alles“, sagt Hasslberger.
In den 80er-Jahren als Springer aktiv
Nicht geklappt hat es bei der Vierschanzen-Tournee in dieser Saison in Innsbruck. Nach dem schweren Sturz von Richard Freitag ist die Jury massiv angegriffen worden. „Einige Trainer sind der Meinung gewesen, wir hätten zu viel Anlauf gegeben. Da haben wir einiges richtigstellen müssen, dass das nicht nur ein Verschulden der Jury gewesen ist“, erinnert er sich. Die Verantwortung ist ziemlich groß, vor allem bei Olympia. Dort müssen Verschiebungen aufgrund schlechter Witterung mit dem IOC abgestimmt werden. Da der Zeitplan mit anderen Wettbewerben sehr eng ist.
Hasslberger hat zunächst eine nationale Kampfrichter-Ausbildung gemacht. Nach ein paar Jahren Erfahrung bei nationalen Wettkämpfen kann man sich für eine internationale Ausbildung bewerben. Später kommt noch eine separate Prüfung für den technischen Delegierten. Die Einsätze beginnen zunächst beim Alpen- und FIS-Cup über den Conti-Cup bis hin zu Nominierungen für den Weltcup. Thomas Hasslberger ist zwischen 1981 und 1988 als aktiver Skispringer im Weltcup unterwegs gewesen. „Das ist natürlich ein Vorteil und man hat die Erfahrung rund um das Skispringen.“ Höhepunkt war in diesem Jahr der Einsatz bei den Olympischen Spielen in Südkorea. Die drei Medaillen von Andreas Wellinger hat Thomas Hasslberger unmittelbar miterlebt. „Das ist natürlich sehr emotional für mich gewesen. Ich durfte die Entwicklung von ihm schon über zehn Jahre begleiten. Als technischer Delegierter bin ich meistens seit seinen ersten großen Erfolgen dabei gewesen.“ Hasslberger hat seinen Einsatz in Südkorea auch genutzt, Abstecher zu den Alpinen, Biathleten und Langläufern sowie zum Big Air der Damen zu machen. Auch kulturell hat er einiges bestaunen können.
Der Aufwand für seine Einsätze ist immer sehr groß. Schließlich muss er dafür einen Teil seines Urlaubs opfern. Beruflich ist er als internationaler „Key Account Manager“ bei einem namhaften Lichtspezialisten tätig.
Seit seiner aktiven Zeit als Skispringer hat sich auf diesem Sektor sehr viel getan. „Ich bin vor 30 Jahren noch im Parallel-Stil gesprungen. Der V-Stil und das neue Bindungssystem machen das Springen viel sicherer. Die neuen Anzüge sind wahre Fluggeräte. Das gesamte Setup ist sehr komplex. Darum haben selbst Topathleten starke Schwankungen in ihren Leistungen, wenn zum Beispiel die Abstimmung auf eine andere Schanze nicht gelingt“, plaudert er aus dem Nähkästchen. shu