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Das Jahr 1993 begann mit drei Neuzugängen: Verteidiger Ronny Martin und die Stürmer Harry Waibel und Marc Ahammer, alle 20 beziehungsweise 21 Jahre jung und damit passend für die SBR-Truppe. Und Coach Höfner sagt selbstbewusst: „Wir wollen mindestens den zweiten Platz halten, um für die Play-offs eine gute Ausgangsbasis zu haben.“ Dennoch startet man etwas holprig, denn Heimsiege (10:3 über Bad Nauheim, 5:1 über Essen-West) wechselten sich mit Auswärtsniederlagen in Augsburg, bei Riessersee und in Nürnberg ab. Und die Ansprüche wachsen: „Riesenblamage für SBR“ titelte das OVB nach der Niederlage beim Tabellenletzten in Garmisch. Und nach dem Heimsieg über Essen hieß es: „Die Niederlage in Garmisch hatte ihre Folgen: Es kamen nur 3700 Zuschauer ins Stadion.“
OVB: „SBR nähert sich der Bestform.“
Dann aber legte der SBR los: 6:3 über den ECD Sauerland aus Iserlohn, 5:2 über Weißwasser (15. Heimsieg in Serie), 11:2 in Memmingen, 3:3 in Hannover, 5:2 über Kassel und 6:3 über Bayreuth – Rosenheim hat wieder den zweiten Platz in der Tabelle erobert. Und der Sportbund begeistert auch die ehemaligen Akteure: „Die gewinnen ja jeden Zweikampf“, war Gord Sherven beim Spiel gegen Bayreuth überrascht. „Der Aufwärtstrend ist unverkennbar“, sagte Höfner und das OVB titelte: „SBR nähert sich der Bestform“.
Die brauchte man auch, denn das Spitzenspiel gegen Augsburg stand auf dem Plan. Vor 7100 Zuschauern gewann der SBR mit 4:1 und Ernst Höfner sagte kämpferisch: „Jetzt wissen meine Spieler, dass sie in der Liga jede Mannschaft schlagen können!“ Nach dem 10:2-Sieg in Bad Nauheim war den Rosenheimern der zweite Rang nach der Hauptrunde sicher, zum Abschluss gab es noch einen 9:1-Erfolg über den SC Riessersee. Augsburg als Spitzenreiter hatte 66 Punkte, Rosenheim beendete den Grunddurchgang mit 63 Zählern vor Nürnberg (61), Weißwasser (55), Kassel (53) und Hannover (50). Der SBR setzte in diesen 44 Spielen insgesamt 31 Spieler ein, hatte mit 40:4 Punkten die beste Heimbilanz, mit Mark Teevens und seinen 55 Treffern den besten Torjäger und mit Goalie Marc Seliger mittlerweile einen Nationalspieler. Und Trainer Ernst Höfner will mehr: „Wer meinen Ehrgeiz kennt, weiß auch, dass für mich das Ziel der Aufstieg ist. Das können wir schaffen!“
„Galavorstellung“ vor 7100 Zuschauern
Im ersten Viertelfinalspiel bezwang der SBR vor 7100 Zuschauern, darunter Formel-1-Star Gerhard Berger, den ECD Sauerland mit 10:3. „SBR bot Galavorstellung“, titelte das OVB. Nach dem 6:1 in Iserlohn und dem 4:3 vor heimischer Kulisse war der Halbfinaleinzug perfekt – und es machten Gerüchte die Runde, ob Rosenheim überhaupt nach oben will. Dem trat Höfner energisch gegenüber: „Die Mannschaft will gewinnen, ich will gewinnen, die Sponsorenfamilie März sind Sportsleute, die würden uns nie zurückpfeifen.“
Das ließen auch die Spieler nicht zu, auch wenn das Halbfinale gegen Nürnberg wesentlich enger verlief. Spiel eins ging in die Verlängerung, wo Doug Derraugh für das 3:2 sorgte. „Der ,Sudden death‘ hatte ein grünes Trikot“, schrieb OVB-Sportchef Edgar Scholtz. Auch in Nürnberg war’s knapp: Der SBR gewann mit 5:4 und das OVB titelte: „SB Rosenheim steht mit einem Bein im Finale“. Spiel Nummer drei ging mit 3:1 an Rosenheim, wobei 6900 Zuschauer lange um den Sieg zittern mussten. Lob gab es anschließend von Nürnbergs Trainer Joschi Golonka: „Für mich ist der SBR die beste Mannschaft der Liga.“
Das galt es nun im Finale zu beweisen – gegen Weißwasser, das den Top-Favoriten aus Augsburg besiegte, und das in der Hauptrunde zweimal zu Hause gegen Rosenheim gewann. „Eine unangenehme Aufgabe“, wusste Höfner, doch seine Mannschaft ließ sich nicht mehr stoppen: Das erste Spiel am 19. März 1993 ging mit 5:1 an Rosenheim und das OVB schrieb: „Schneller, besser – einfach SBR“. Die Schlagzeile nach dem zweiten Duell am 21. März war noch einfacher: „Ricki, Ricki, Ricki Boehm“ stand da der Gesang der Rosenheimer Fans. Boehm erzielte nach 97 Sekunden der Verlängerung den einzigen Treffer zum Rosenheimer Auswärtssieg. Großer Held beim SBR war Torhüter Patrick Lange, der nicht zu bezwingen war. Die Höfner-Truppe war nun seit 17 Spielen ungeschlagen und es war klar: „Nur noch ein Sieg fehlt, um ein Eishockey-Märchen Wirklichkeit werden zu lassen.“
Der große Tag war dann am 23. März 1993 gekommen. Um 21.55 Uhr war das „Wunder von Rosenheim“ perfekt. Das Stadion war restlos ausverkauft und der SBR hatte schon vor der Schlussphase alles klar gemacht, führte mit 5:2. Dass den Gästen dann in der letzten Minute noch zwei Tore gelangen, tat der Stimmung keinen Abbruch. Die Fans stürmten die Eisfläche, wildfremde Menschen lagen sich auf der Tribüne in den Armen und in der SBR-Kabine spritzten Sekt und Bier und auch die ein oder andere Freudenträne in Strömen. Ernst Höfner sprach vom „schönsten Moment in meiner sportlichen Laufbahn“ und seine Spieler hüpften reihenweise in die eiskalte Mangfall. Gabriel Krüger und Gert Heubach machten den Anfang, weitere Spieler folgten und als Krönung setzte Helmut „Balu“ Elters zum Sprung an und erhielt beste Wertungsnoten.
Drei Volltreffer bei den Neuzugängen
Was nach einem Vierteljahrhundert bleibt, sind natürlich schöne Erinnerungen: An wahre Festspiele vor heimischer Kulisse, denn im Schnitt kamen über 5300 Zuschauer zu den Spielen. An eine Mannschaft, bei der von Beginn an der Funke auf die Fans übergesprungen ist. Und an ein Team, das von seiner Zusammenstellung (die Routiniers Ron Fischer, Butzi Reil und Manfred Ahne, Rückkehrer wie Max Deisenberger oder Patrick Lange, Jungspunde wie Marc Seliger oder Christian Gegenfurtner und drei Volltreffer bei den Neuzugängen mit Mark Teevens, Doug Derraugh und Rick Boehm) außergewöhnlich war und das von Ernst Höfner von Beginn an hervorragend geleitet wurde. Die Mannschaft steckte sämtliche Rückschläge (Start mit vier Auswärtsspielen, langfristige Ausfälle und den Wirbel um die Schädler-Sperre) weg, kämpfte in jedem Spiel bis zum Umfallen und holte sich am Ende den verdienten Lohn ab.
Es bleiben aber auch die Gedanken an Mark Teevens, der mit 67 Toren und 68 Vorlagen Topscorer der gesamten Liga war, und nur rund fünf Jahre später nach einem Spiel des EC Bad Nauheim auf dem Parkplatz zusammenbrach und an einer Lungenembolie verstarb.
Und es bleibt der Blick in die nahe Zukunft, wenn aktuell wieder eine Rosenheimer Eishockeymannschaft in den Play-offs im Einsatz ist. Auch hier ist ein sofortiger Wiederaufstieg möglich…