Silbermedaillen-Gewinner Patrick Hager im Interview

„Eishockey hat einen ‚Push‘ bekommen“

von Redaktion

Rosenheim – Als bester Scorer der deutschen Nationalmannschaft hat Stürmer Patrick Hager aus Rosenheim maßgeblich zum größten Erfolg in der Geschichte des deutschen Eishockey beigetragen: dem zweiten Platz im Olympischen Eishockeyturnier von Pyeonchang. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erzählt der 29-Jährige von Veränderungen seines Sports in der öffentlichen Wahrnehmung, seiner Ausbildung bei den Starbulls und erklärt, warum er mit dem Zug zum Training in München fährt.

Herr Hager, bei Wikipedia steht, ihr großer Wunsch sei die Teilnahme bei Olympischen Spielen. War das so?

Ja. Ich habe relativ früh den Sprung in die DEL geschafft und habe schon in meinem zweiten Jahr meine erste Weltmeisterschaft gespielt. Ich hatte also vor Pyeongchang schon zwei Chancen auf Olympia. Vor Vancouver habe ich mir das Innenband gerissen und für Sotschi waren wir nicht qualifiziert. Jetzt bin ich 29, nach 2018 gibt es vielleicht nur noch eine Chance. Nach fünf oder sechs Weltmeisterschaften hat Olympia noch gefehlt. Und dass wir das Turnier dann auch noch so beenden konnten, ist umso besser.

Sie durften mit Ingolstadt bereits einen Meistertitel feiern. Welcher Erfolg wiegt schwerer?

Das sind zwei Paar Stiefel, das kannst du nicht vergleichen. Das Turnier ist alle vier Jahre und als deutsche Nationalmannschaft bist du nicht automatisch im Favoritenkreis. Wenn man sieht, wie wenig Sportler so eine Medaille haben, obwohl sie Weltklasse in ihrer Sportart sind, dann unterstreicht das, wie hoch dieser Erfolg einzuschätzen ist.

Wo bewahren Sie Ihre Silbermedaille auf?

Noch daheim im Schrank. Ich schaue aber, dass ich mir vom Schreiner ein schönes Kästchen machen lasse (lacht).

Was hat sich seit Olympia verändert?

Ich habe jetzt bei Instagram schon den ein oder anderen Follower mehr. Die Jungs, die da noch aktiver sind, haben das noch mehr gespürt. Man hat aber überhaupt gemerkt, dass das Eishockey in Deutschland einen „Push“ bekommen hat. In den Medien wurde berichtet, in der Tagesschau wurde auf einmal Eishockey gezeigt. Das kann nur gut sein für den Sport. Nicht nur für die großen Vereine – auch für die kleinen.

Was muss jetzt passieren?

Ich hoffe, dass überall die richtigen Leute in den richtigen Positionen sitzen. Wir als Sportler können jetzt nur in den Play-offs Gas geben und den Sport bestmöglich vertreten. Die Plattform ist momentan gut: Olympia ist beendet, jetzt finden in allen Ligen die Play-offs statt – da wird in der Regel das beste Eishockey gespielt. Und dann kommt noch die Weltmeisterschaft. Es wäre schade, wenn man den Schwung nicht nutzen könnte.

Hat man das im Nachgang der Heim-WM verpasst?

Da war es einen Tick schwieriger. Die Heim-WM ist Ende Mai aus, im Juni, Juli und August ist dann erst einmal nichts. Trotz Liga-Start ist der September oft noch ein schöner Sommermonat, in dem das Eishockey noch nicht so im Fokus steht. Vom Zeitpunkt her ist es jetzt günstig, man ist im Kopf der Leute. Diejenigen, die neu zum Eishockey gekommen sind und sagen: „Hey, eigentlich ein cooler Sport, den man auch mal im Fernsehen verfolgen könnte“, die kannst du jetzt abholen.

Bei Olympia ist die Mannschaft als Außenseiter ins Rennen gegangen, jetzt beim EHC München blüht Ihnen wieder die Favoritenrolle. Welchen Einfluss hat das auf Ihr Spiel?

Eigentlich sollte sich gar nichts verändern. Wenn der Kopf anfängt, zu viel zu denken, wird es schwierig. Wir sind die Gejagten, das wissen wir. Genauso wissen wir aber, dass es für den Gegner unglaublich schwer wird, wenn wir versuchen, ihm unser Spiel aufzudrücken.

Warum war es für die Fischtown Pinguins Bremerhaven noch nicht so schwer, wie vielleicht erwartet?

Die Experten haben erwartet, dass wir Bremerhaven niederrennen. Dass die aber auch eine Qualität haben, die sie bis ins Viertelfinale gebracht hat, berücksichtigen wenige. Die Spiele waren eng, aber ich denke wir müssen uns nicht allzu große Sorgen machen.

Als Nächstes könnte es gegen Ihren Ex-Verein, die Kölner Haie, gehen. Das Wunsch-Duell?

Es sind Playoffs, da nimmt man, was man kriegt. Es ist kein Wunschkonzert. Wenn es Köln wird, ist es natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse. Da kann man wieder Geschichten auspacken. Als Spieler musst du dich auf dein Spiel konzentrieren. Ich kann aber bestätigen, dass es etwas Besonderes ist, gegen den Ex-Verein zu spielen.

Mit Köln ging es damals unschön auseinander. Was ist damals vorgefallen?

Darüber möchte ich eigentlich gar nicht mehr viel reden. Das ist Vergangenheit.

Wer ist auf dem Papier der stärkste Gegner?

Berlin und Nürnberg. Das sind die Einzigen, die eine ähnlich konstante Saison gespielt haben wie wir. Das sind wohl die zwei härtesten Brocken.

Ihre persönliche Playoff-Bilanz: Vier Scorerpunkte aus den ersten vier Spielen. Zufrieden?

Auf jeden Fall. Als Stürmer musst du schauen, dass du deiner Mannschaft mit Toren hilfst. Momentan passt alles.

Sie fahren mit dem Zug zum Training in die Olympia-Eishalle. Warum?

Mit dem Zug zu fahren ist einfach entspannter. Am Spieltag fahre ich schon mit dem Auto, weil wir morgens trainieren und abends spielen. Da muss ich flexibel sein. Mit dem Auto kann es aber passieren, dass du eine halbe Stunde nach München brauchst und dann noch einmal 40 Minuten am Mittleren Ring stehst. Mit dem Zug habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. 27 Minuten bis zum Ostbahnhof. Da kauf‘ ich mir eine Breze, Kaffee und eine Zeitung (lacht.) Dann fahre mit der U-Bahn weiter.

Halten die Autogrammjäger da nicht auf?

Überhaupt nicht (lacht). Ich wurde die ganze Saison über noch kein einziges Mal angesprochen.

Die Schülermannschaft der Starbulls hat zum zweiten Mal in Folge die Meisterschaft geholt. Haben Sie das verfolgt?

Man verfolgt das schon, klar. Zwar vermehrt ab dem DNL-Alter, aber speziell letztes Jahr beim Endrunden-Turnier habe ich natürlich schon den Liveticker gelesen. Die Rosenheimer machen eine super Arbeit. Der Olli und der Martin (Häusler und Reichel, Anm. d. Red) bei den Schülern und der Tom (Schädler, Anm. d. Red) mit der DNL. Ich hoffe, dass die Spieler lange in Rosenheim bleiben und nicht den Weg in andere Internate finden.

Wie viel haben Sie dem Verein Ihrer Meinung nach zu verdanken?

Sehr viel. Ich habe den Grundstein für alles, was ich heute kann, in Rosenheim gelegt. Dort habe ich alle Nachwuchsmannschaften durchlaufen. Natürlich kommt ab einem gewissen Alter auch die Eigeninitiative dazu. Aber in erster Linie hatten wir eine super Betreuung und super Trainer. Ich hoffe, dass die Starbulls noch den ein oder anderen raus bringen, damit nicht nur Sinan, Grubi (Sinan Akdag und Philipp Grubauer, Anm. d. Red.) und ich bei der Nationalmannschaft sitzen.

Sie haben Ihre Karriere in Rosenheim begonnen, da wäre es doch eine runde Sache, sie dort auch irgendwann zu beenden…

(lacht) Noch bin ich 29 und Rosenheim spielt leider nicht in der DEL. Deswegen habe ich mir da jetzt noch nicht so viele Gedanken gemacht. Da reden wir dann in zehn Jahren noch mal, wenn ich gesund bleibe (lacht).

Was trauen Sie den Starbulls in den Play-offs zu?

Das ist immer eine Wundertüte, weil man die Vereine aus der Oberliga Nord nicht so kennt. Gegen die Hannover Scorpions wird es eine enge Serie. Das Entscheidende wird sein, dass sich die Rosenheimer nicht verrückt machen lassen.

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