Aktuelles Interview

„Halbwegs druckfrei doch erfolgreich“

von Redaktion

Religionslehrer, Fußballtrainer und noch dazu Autor mit eigenem Verlag. Helge Faller scheint ein Multitalent zu sein. In einem Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erzählt der Trainer des FFC 07 Bad Aibling, wie seine Begeisterung für den Frauenfußball und dessen Geschichte zustande kam.

Bad Aibling – Die Begeisterung für Frauenfußball reicht bei Helge Faller so weit, dass er in seinem eigenen Ein-Mann-Verlag „Les Sports et la Femme“ über die Geschichte schreibt. Die bisher veröffentlichten Werke behandeln die sportliche Entwicklung des Frauenfußballs in Frankreich und den Niederlanden in den 1920ern.

Wie sind Sie darauf gekommen, über die Geschichte des Frauenfußballs zu berichten?

Nachdem ich angefangen habe, Mädchen zu trainieren, wollte ich wissen, wie sich der Frauenfußball entwickelt hat. Das hängt auch mit meinem Studium zusammen. Ich studiere nebenher Kulturwissenschaften an der Fernuniversität Hagen.

Sie haben bisher die Entwicklung in Frankreich und den Niederlanden beschrieben, wann kommt Deutschland dran?

Ich arbeite gerade an Berichten über England, Belgien, Australien, Neuseeland und Österreich. Danach ist Deutschland in Planung.

Wie läuft die Recherche dazu ab?

Meistens vor Ort. Ich kombiniere immer Urlaub und Arbeit und reise in die verschiedenen Länder und suche in den Bibliotheken nach neuen Informationen und Bildmaterial. Als Nächstes geht es wieder nach England.

Sie veröffentlichen alles in ihrem eigenen Verlag „Les Sports et la Femme“, wieso haben Sie diesen Weg gewählt?

Dieses Thema ist sehr speziell und interessiert nicht jeden. Daher wusste ich, es würde schwer werden, einen Verleger zu finden.

Wie haben Sie ihre Begeisterung für den Frauenfußball entdeckt?

Während meines Referendariats in Ruhpolding wollte ich gerne etwas mit Fußball machen und bin Fußball-Betreuer beim SC Eisenärzt geworden. Es sind immer mehr Mädels ins Training gekommen und dann haben wir sogar drei eigene Frauen- und Mädchenmannschaften aufgemacht. Ich bin auch nach dem Referendariat eine Zeit lang noch dreimal in der Woche nach Ruhpolding gefahren und habe die Trainingseinheiten geleitet. Doch die Fahrerei war auf Dauer sehr schwierig. Ich habe dann angefangen, in Bad Aibling weiter zu trainieren und letztendlich den FFC 07 Bad Aibling mitgegründet.

Was ist Ihnen als Trainer besonders wichtig?

Höchste Priorität hat für mich der Spaß am Sport. Halbwegs druckfrei doch erfolgreich, so stelle ich mir das vor. Ich versuche, jeder meiner Spielerinnen Einsatzzeit zu sichern.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball?

Die Mädchen spielen oft mannschaftsdienlicher als die Buben. Es gibt weniger Fouls und es kommt so gut wie nie vor, dass eine sagt, sie kann nicht mehr spielen, weil ihr etwas weh tut.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Frauenfußballs?

Mehr Anerkennung, und dass es sich mehr Mädels trauen, mit dem Fußball anzufangen. Zudem mehr weibliche Mannschaften, damit nicht 40 bis 50 Kilometer zum Training gefahren werden muss.Interview: Ines Rossteuscher

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