Ognjen Zaric: „Ich habe Riesenlust auf 1860 Rosenheim“

Rund um die Uhr nur Fußball

von Redaktion

Der erste Kontakt zu Ognjen „Ogi“ Zaric (29 Jahre), dem neuen Trainer des Fußball-Regionalligisten 1860 Rosenheim kam über Ex-Coach Tobi Strobl zustande. Beide sind sehr jung, beide wollen ihr Team offensiv spielen und agieren sehen. Zum Auftakt der Vorbereitungsphase sprach die OVB-Sportredaktion mit dem neuen Sechziger-Coach.

Herr Zaric, erzählen Sie etwas von sich. Wer trainiert 1860 Rosenheim in der neuen Saison?

Ich habe als Trainer bei den ganz Kleinen angefangen und mich stetig nach oben gearbeitet, mich verbessert und jetzt darf ich einen Traditionsverein wie 1860 Rosenheim in der Regionalliga Bayern trainieren. Ich freue mich riesig auf die Aufgabe. Ich bin verheiratet, habe eine Tochter mit eineinhalb Jahren und das ist die schönste Aufgabe, die man haben kann. Für Hobbys bleibt keine Zeit weil ich rund um die Uhr 24 Stunden, sieben Tage die Woche Fußball lebe. Der Ausgleich für mich ist die Familie und ich habe eine sehr tolerante Frau, die mich bei meiner Leidenschaft Fußball unterstützt.

Sie sind 29 Jahre jung und 1860 Rosenheim ist ihr erste Station im Herrenbereich. Wie gehen Sie die Aufgabe an? Ist es ein Problem, vorher noch keine Seniorenmannschaft trainiert zu haben?

Es geht immer um zwei Sachen: Erstens wie erreicht man den Menschen und wie ist die Basis zu den Spielern und zweitens – wie kann ich ihn inhaltlich überzeugen. Ich glaube, die Arbeit ändert sich nicht im Vergleich zu einer U17-Bundesligamannschaft wie ich sie in Unterhaching trainiert habe. Das Niveau in den Leistungszentren und in Nachwuchs-Bundesligateams ist sehr, sehr hoch. Das einzig Spannende ist, dass die Spieler nicht mehr 16 und 17 sondern ein paar Jahre älter sind. Ich freue mich auf diese Herausforderung und hab Riesenlust drauf.

Im Internet ist zu lesen, dass Ihr bevorzugtes System sei 4-4-2 mit einer Doppelsechs. Stimmt das, oder wie ist Ihr Spielplan?

Wir wollen sehr flexibel spielen und ich bin eigentlich nicht der Fan davon dieses oder jenes System festzulegen. Meine ideale Vorstellung ist, dass wir viel Ballbesitz haben, um aus diesem Ballbesitz auch viele Chancen zu kreieren und gefährlich in die Box zu kommen. Wir wollen viel vertikal spielen, aggressiv gegen den Ball arbeiten. Das ist so das Idealbild.

Sie haben 1860 Rosenheim sicher schon ein paar Mal gesehen. Welchen Eindruck haben Sie von der Mannschaft, von den Spielern?

Ich habe zwei verschiedene Eindrücke gewonnen – den einen aus der Vorrunde und den aus der Rückrunde. Und die sind sehr verschieden und für mich erst einmal wichtig um für mich eine gewisse Basis zu schaffen, was aber nicht heißt, dass ich mit den Jungs nur das letzte Jahr Revue passieren lassen will. Für mich zählt das Hier und Jetzt.

Sie sind auch für die A-Junioren bei 1860 Rosenheim verantwortlich. Ihr Vorgänger Tobi Strobl schien mit dieser Doppelbelastung an seine Grenzen gestoßen zu sein. Ist das nicht zuviel Fußball? Wie gehen Sie die Aufgabe an?

Der erste Gedanke war, dass bei uns jetzt ein sehr guter A-Junioren-Jahrgang kommt und ich auf diese Spieler richtig Lust habe sie kennenzulernen. Vielleicht sind das Spieler, die in ein, zwei oder drei Jahren für die Regionalliga-Mannschaft infrage kommen. Wir wollen eine gute Durchlässigkeit vom Jugend- in den Herrenbereich haben. Ob dieses Modell auch Zukunft haben wird müssen wir abwarten, uns in die Augen schauen und ganz ehrlich miteinander sein. Unser Trainerteam im Herren- und Juniorenbereich ist sehr gut und natürlich werde ich versuchen möglichst oft bei den A-Junioren dabei zu sein.

Wie sehen Sie die Rahmenbedingungen bei 1860 Rosenheim? Spielfeld, Trainings- und finanzielle Möglichkeiten?

Ich sehe es von zwei Seiten: Die finanzielle Seite ist sicher schwierig, auf der anderen Seite sind da Menschen, die sich so engagieren, dass es hier funktioniert. Das Wichtigste ist, und das habe ich auch den Spielern gesagt, mit Arbeit zu überzeugen, keine Ausreden zu suchen egal wie zum Beispiel der Platz ist. Wir brauchen einen Platz zum Trainieren, wir brauchen einen Kraftraum und einen Videoraum – mehr benötigen wir gar nicht.

Mit Michael Denz hat ein weiterer Spieler die Sechziger verlassen. Ist der Kader für ein Regionalliga-Team nicht zu dünn?

Nein, das glaube ich nicht, denn sonst hätten wir den Michael auch nicht gehen lassen. Aber aufgrund seiner beruflichen Situation war es menschlich einfach schwer in Ordnung, dass wir ihn gehen haben lassen. Und außerdem hätte ich die Aufgaben hier nicht angenommen, wenn ich von den Jungs, die hier sind, nicht voll überzeugt wäre. Wir sind jetzt noch auf der Suche nach einem Stürmer und einen Torhüter, aber da muss das Gesamtpaket passen – das heißt sportlich, menschlich und auch finanziell. Aber selbst wenn wir mit diesem Kader in die Saison gehen, kann ich damit leben.

Was haben Sie mit 1860 Rosenheim in der neuen Saison und in der Zukunft vor?

Wir wollen es mittelfristig so angehen, dass wir vielen jungen Spielern eine Plattform bieten wollen und auch bewusst dieses Risiko gehen. Das kurzfristige Ziel ist die Jungs kennenzulernen, eine Spielidee zu finden, die für uns der beste Weg ist, um erfolgreich in die Saison zu gehen und um Spiele zu gewinnen. Der Plan für die Zukunft ist tatsächlich, dass wir den Jungs , die hier sind, eine Chance geben und uns punktuell verstärken, wenn alles passt.

Ist es für Sie ein Problem, dass es keine zweite Mannschaft bei den Sechzigern gibt?

Ich glaube, dass das die Zukunft ist. Die großen Vereine machen es uns ja auch vor. Wenn ein Spieler in der A-Jugend sehr gut ist, muss beziehungsweise wird er den Sprung ins Regionalligateam packen. Wenn das nicht so ist könnte es vielleicht am besten sein, ihn für eine Saison zu verleihen und dann wieder zurückzuholen. Da gibt es sicher Modelle, die besser sind als eine eigene U21. Unsere Junioren sind sehr vernetzt mit der ersten Mannschaft und wir wollen auch im Winter wieder gemeinsam ins Trainingslager fahren.

Interview Hans-Jürgen Ziegler

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