Fussball

Rücktritte und zwei Einschreiben: SBR ab sofort ohne Neumeiers

von Redaktion

Als der SB/DJK Rosenheim zuletzt in der Fußball-Landesliga angetreten ist, hatte das etwas Historisches: Zum ersten Mal seit 35 Jahren agiert der SBR ohne den Namen Neumeier in einer offiziellen Funktion.

Rosenheim – Richard Neumeier war 35 Jahre für den Sportbund tätig, als Trainer, Technischer Leiter, Abteilungsleiter, Sportlicher Leiter und Nachwuchscoach. Seit einigen Jahren ist er sogar Ehrenmitglied des SBR. Sein Sohn Thomas ist seit einem Vierteljahrhundert offiziell dabeigewesen, über weite Strecken als Jugendleiter, Medienbeauftragter und zuletzt auch kommissarischer 2. Abteilungsleiter. Nun gehen Neumeiers und der Verein getrennte Wege. Kein geplanter Abschied, sondern einer, der den Verein in seiner Außendarstellung beschädigt. Schließlich haben die Gerüchte über die Neumeier-Abschiede bereits viele Kenner der Fußball-Szene erreicht und bei diesen Kopfschütteln verursacht. Zumal auch noch ominöse Einschreibe-Briefe eine Rolle spielen.

„Ja, es sind Briefe vom SBR eingetroffen“, bestätigt Thomas Neumeier. Unterschrieben waren beide von Thomas Leppert, aktuell kommissarischer Abteilungsleiter. Angekommen allerdings erst, als beide Neumeiers ihre Rücktritte bereits eingereicht hatten. „Nachdem es im Winter eine Meinungsverschiedenheit mit Familie Leppert gegeben hat, habe ich bereits mein Amt als Sportlicher Leiter zur Verfügung gestellt und nur auf Bitten der Jugendspieler und -eltern die Saison als C-Jugend-Trainer beendet. Jugendleiter Thomas Neumeier war davon immer unterrichtet“, so Richard Neumeier. Ein persönliches Gespräch mit Abteilungsleiter Leppert habe es seit über einem halben Jahr nicht mehr gegeben. Thomas Neumeier führte auch diese mangelnde Kommunikation als einen Grund für sein Ausscheiden an. „Es gab zuviel Hintenrum, Personal- und damit auch finanzielle Entscheidungen wurden ohne mein Wissen getroffen. Dafür halte ich den Kopf nicht hin. Ich habe dann Hauptvorstand Bernd Perner davon unterrichtet, dass ich da nicht mitmache.“ Gerne hätte er dies auch abteilungsintern geklärt, meint Thomas Neumeier, „allerdings sind von mir vorgeschlagene Gesprächstermine von Thomas Leppert per WhatsApp kurzfristig abgesagt worden“.

Statt persönlicher Gespräche gab es im Nachhinein Einschreiben vom SBR. Bei dem an Richard Neumeier addressierten Schreiben hieß es, dass aus wirtschaftlichen Gründen der Posten des C-Junioren-Trainers neu besetzt werden müsse. „Wenn das jemand schreibt, der vor zwei Jahren als 2. Abteilungsleiter war, als die wirtschaftliche Misere eintrat, dann klingt das wie blanker Hohn“, sagt er. Thomas Neumeier ist per Brief davon informiert worden, dass die Abteilungsleitung aus wirtschaftlichen Gründen neu strukturiert werde, Günter Güttler künftig den Posten des 2. Abteilungsleiters bekleiden solle und dieser auch die Jugendleitung übernehmen werde.

Bonke: „Das Tischtuch

war zerschnitten“

Willi Bonke, 2. Vorstand des Hauptvereins und jahrelang Vorstand der Fußball-Abteilung, wollte nur so viel sagen: „Das Tischtuch zwischen den Parteien war zerschnitten. Es gab massive Probleme im zwischenmenschlichen Bereich mit Richard und Thomas Neumeier, sowie Abteilungsleiter Thomas Leppert, Günter Güttler und Trainer Klaus Seidel. Es musste etwas passieren, auch wenn es mir persönlich leidtut, denn beide haben sich in den letzten Jahrzehnten um den Verein verdient gemacht. Aber: Auch sie haben Fehler gemacht.“ Willi Bonke würde sich gerne in naher Zukunft mit Richard und Thomas Neumeier zu einem klärenden Gespräch zusammensetzen. Das wäre vielleicht schon vor der ungut verlaufenen Trennung per Post sinnvoll gewesen.

Die erfolgreichsten Jugendtrainer sind weg

Neumeier junior sagt: „Es geht ja nicht nur um die Neumeiers, sondern um mehr Personen. Anton Pohn, Stefan Marlog, Bepp Stockbauer oder Sebastian Niesner haben die Brocken hingeworfen oder mussten gehen. Gemeinsam mit Richard Neumeier waren sie in den letzten Jahren die erfolgreichsten Nachwuchstrainer. Der Sportbund hat jetzt in wenigen Monaten eine gewaltige Portion Fachwissen, Loyalität und vor allem soziale Kompetenz im Nachwuchsbereich verloren.“

Und wie geht es nun weiter: Die Neumeiers drücken der Sportbund-Mannschaft weiter die Daumen. „Die Spieler kommen ja zumeist aus unserer erfolgreichen Jugendarbeit, sie haben durch die Bank einen einwandfreien Charakter und können für Furore sorgen, wenn sie gut geführt werden“, sagt Thomas Neumeier, der selbst bereits erste Anfragen erhalten hat: „Teils hochklassig und sehr interessant. Aber ich werde vorerst noch pausieren.“ Und Richard Neumeier erwähnt: „Mit Sebastian Niesner als Trainerkollegen hat es richtig Spaß gemacht. Die Lust auf Fußball ist immer noch da. Wenn etwas Passendes kommt, warum nicht?“ Nur halt nicht mehr beim SBR.

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