Lauterbach – Bei der Premiere des Leichtathletik-Welt-cups in London eroberte die deutsche Mannschaft den starken sechsten Platz. Nach 30 Einzeldisziplinen und vier Staffel-Wettbewerben an zwei Tagen sammelten die deutschen Athleten 137 Punkte. Nicht zu schlagen war das Team aus den USA mit 219 Punkten. Mit von der Partie war bei diesem Top-Ereignis auch der Lauterbacher Hammerwerfer Johannes Bichler. Für den regionalen Athlet war dies der erste große Männerwettkampf im Nationaltrikot, auch wenn er bereits im Jahr 2012 beim Deca-Nation-Länderkampf in Albi/Frankreich schon einmal für Deutschland gestartet war. Der 28-Jährige wurde für den Welt-cup als aktueller Ranglisten-Erster der deutschen Bestenliste nominiert und zeigte im Londoner Olympiastadion vor 30000 Zuschauern einen ausgezeichneten Wettkampf. Sein 7,26 Kilogramm schweres Wurfgerät flog auf ausgezeichnete 69,82 Meter und damit sicherte er sich in der starken Konkurrenz den fünften Platz hinter dem siegreichen Wojciech Nowicki aus Polen mit 77,94 Metern. Bichler zeigte sich beeindruckt von der Kulisse: „Das englische Publikum ist sehr sportbegeistert und machte mächtig Stimmung“. Deshalb konnte er sein aktuell starkes Leistungsvermögen auch bestens umsetzen, auch wenn er lieber über 70 Meter geworfen hätte.
Außerhalb der Nationalmannschaft startet der Lauterbacher übrigens im Trikot der LG Stadtwerke München, obwohl er nach wie vor zu Hause in Achenmühle trainiert. Von 2010 bis 2015 studierte er an der TU München das Bauingenieurwesen, wohnte im Olympiadorf und fand deshalb Anschluss an den Großverein. „Bei größeren Meisterschaften ist es einfach angenehmer, mit einem großen Team anzureisen, anstatt als Einzelkämpfer“, verriet der 1,88 Meter große und 105 Kilogramm schwere Athlet. Seit dem Jahr 2015 wohnt er nun wieder in Lauterbach und arbeitet in einem Tiefbauingenieurbüro 40 bis 50 Stunden in der Woche. „Deswegen kann ich seit 2015 auch nur noch sechsmal in der Woche trainieren“ sagte Bichler, der sich an seine Trainingszeiten – teilweise nach 20 Uhr – schnell gewöhnen und trotz seines abgespeckten Trainingsprogramms 2017 seine Bestleistung auf 71,70 Meter steigern konnte. Obwohl er derzeit ohne Trainer alleine seine Programme absolviert, bin „ich mit meinen Ergebnissen zufrieden“. Bei Hammerwerfern kommt die Kraft übrigens aus den Beinen und Johannes Bichler macht bei seinem Wurf vier unglaublich schnelle Drehungen, bevor er den 7,26-Kilogramm-Hammer – eine Stahlkugel an einem Stahlseil – aus dem Wurfkäfig in den Stadioninnenraum schleudert. Beim Abwurf eines 70-Meter-Wurfes zieht der Hammer beim Abwurf mit umgerechnet knapp 200 Kilogramm am Körper und deshalb tragen diese Athleten beim Werfen auch einen Handschuh. Bichler ist neben seinem technischen Training mit dem Wurfgerät auch auf Programme im Kraftraum anhängig. So absolviert er Kniebeugen mit maximal 220 Kilogramm oder auch das Umsetzen wie ein Gewichtheber mit 155 Kilogramm oder auch Reißen mit 120 Kilogramm.
Im zarten Alter von 14 Jahren begann Johannes Bichler übrigens mit dem Hammerwurf beim SV Achenmühle. „Der Sport hat mir von Anfang an gut gefallen, da viele Freunde mit mir trainiert haben und ich früh weit herumgereist bin“, so der kräftige Athlet, den außerdem auch das Gefühl beim Drehen sofort begeisterte. Fußball, Tennis und Skifahren machten ihm damals auch Spaß, aber „als es mit dem Hammer immer weiter ging und ich mich auf den Hammerwurf spezialisieren wollte, um weiterzukommen, beendete ich nach und nach die anderen Sportarten“.
Johannes Bichler ist die aktuelle Nummer eins der deutschen Jahresbestenliste der Männer – und am Wochenende finden nun in Nürnberg die nationalen Meisterschaften statt. „Ich habe in den letzten Jahren schon Bronze und Silber gewonnen und möchte dieses Jahr endlich den deutschen Meistertitel gewinnen“, sagt der Lauterbacher.