Rosenheim – Rohner spielte in allen Klassen, in denen die Starbulls bislang ran durften – oder auch ran mussten. Vom Anfang in der Bezirksliga bis zur Finalserie in der DEL2 hat der nun 36-Jährige alle Höhen mitgemacht: Aufstiege in die Landesliga, Bayernliga, Oberliga und 2. Bundesliga, Meisterschaften in der Bayernliga und Oberliga sowie den Sieg im DEB-Pokal-Bewerb. Abgesehen von zwei Spielzeiten in Bad Tölz spielte der gebürtige Kolbermoorer ausschließlich für Rosenheim und ist der Rekordspieler der Starbulls.
Nach der vergangenen Saison hat „Micky“ Rohner seine Karriere beendet und ist nun beruflich engagiert. Für die Sportredaktion der OVB-Heimatzeitungen hat der „Mr. Zuverlässig“ auf seine 16 Jahre im Herrenbereich der Starbulls zurückgeblickt und sich dabei so präsentiert, wie in den vielen Jahren als Spieler: Offen und mit einer klaren Meinung, allerdings auch bescheiden und vor allem sehr bodenständig. 28 Fragen für die Nummer 28:
Warum spielen Sie in der anstehenden Saison nicht mehr für Rosenheim?
Es war nicht das Alter und es war nicht meine langwierige Verletzung, denn die ist komplett ausgeheilt. Ich wäre wieder fit gekommen, war im Sommer immer brutalst fleißig. Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich getan. Der Plan war eigentlich schon noch, weiterzuspielen. Aber ich habe einfach eine Riesenchance bekommen, ins Berufsleben einzusteigen. Und das taugt mir auch gut.
So ganz ohne Sommer- und Eistraining – fehlt Ihnen etwas?
Aufs Eis hat es mich jetzt noch gar nicht gezogen. Ich bin noch auf der Suche, welchen Sport ich künftig mache. Ich war immer Mannschaftssportler und kann mir jetzt nicht vorstellen, irgendwo alleine durch die Gegend zu laufen.
Hatte Ihre Rückennummer 28 eine besondere Bedeutung?
Es war mein umgedrehtes Geburtsjahr. Die 82 wollte ich nicht, weil sie mir zu hoch war. Anfangs hatte ich die Nummer 8, die ich mir in der Jugend immer mit Robert Paule geteilt habe. Im Erwachsenenbereich habe ich mir dann die 28 ausgesucht.
Von wem haben Sie sich als junger Spieler am meisten abgeschaut?
Von vielen. Meine erste Herren-Saison war da etwas Besonderes mit den ganzen Rosenheimer Ikonen: Mondi Hilger hat Olympia gespielt, Wacki Kretschmer, Rainer Lutz war dabei. Da ist man dann als junger Spieler ein ganz kleines Licht. Aber mir hat‘s riesig Spaß gemacht, weil alle nett waren und alle geholfen haben. Es war ja so, dass damals die Junioren aufgelöst worden sind, weil die DNL kam. Wir wären auf der Straße gestanden, weil: Uns wollte ja keiner.
Vergleichen Sie bitte mal: Wie war‘s, als Sie damals mit 18 Jahren in die Starbulls-Kabine gekommen sind? Und wie ist es, wenn heute ein 18-Jähriger kommt? Was hat sich da verändert?
Alles. Komplett. Wir sind damals mit Demut reingegangen. Da sind wir vor der Tür gestanden, haben geklopft. Dann ist uns aufgemacht worden und dann hast du erst einmal einen Spruch gekriegt. Und zuletzt bin ich den jungen Spielern nach, damit sie ordentlich grüßen, die Grundregeln kennen. Aber heutzutage interessiert das oft nicht mehr. Ich weiß nicht, ob das dann Unsicherheit oder Überheblichkeit ist. Auf alle Fälle hat sich das komplett gedreht.
Wie schaut Ihre persönliche Starting Six aus Ihren vielen Mitspielern aus?
Mondi Hilger hat mich kürzlich nach den besten Spielern gefragt, mit denen ich zusammengespielt habe. Da ist mir als erstes Norm Maracle eingefallen. Das war ein überragender Torwart. In der Verteidigung habe ich sehr gerne mit jungen Spielern zusammengespielt. Meine zwei Lieblingspartner waren Max Kritzenberger und Niko Senger. Die würde ich beide gerne nehmen. Deshalb bleiben nur zwei Stürmer. Mit Tyler McNeely habe ich gerne zusammengespielt, der war talentiert und mannschaftsdienlich. Und natürlich den Mondi, ohne den es Eishockey in Rosenheim nie mehr so gegeben hätte.
Wer war der beste Kontingentspieler, mit dem Sie zusammengespielt haben?
Das gibt es mehrere. Maracle und McNeely habe ich ja bereits erwähnt. Mitch Stephens war überragend, Stephen Werner war ein brutaler Typ. Ich weiß noch, wie wir in Heilbronn in den Play-offs mit 0:3 hinten lagen und jeder das Spiel schon verloren gegeben hatte. Und er hat alle angestachelt, Gas gegeben und wir haben das Spiel dann 6:3 gewonnen und die ganze Serie mit 4:0. Greg Squires war technisch mit der beste Spieler, Corey Quirk sehr stark. Franz Steer hat Top-Ausländer geholt.
Wer war Ihr schwierigster Gegenspieler?
Bietigheims Kelly war genial. Ansonsten habe ich immer ungern gegen kleine Stürmer gespielt.
„Ich wollte einfach immer nur für Rosenheim spielen.“
Viele Experten haben gesagt, dass Sie eigentlich das Zeug zum DEL-Spieler gehabt hätten. Warum hat es nicht gereicht?
Weil ich nicht unbedingt wollte. Ich wollte einfach immer nur für Rosenheim spielen. Es hat sich auch nie was Konkretes ergeben. Ich hatte nie einen Spielerberater, habe immer meine Sachen selbst gemacht und wollte immer selbst über meinen Kopf entscheiden. Vielleicht hätte ich einen Berater gebraucht, aber für mich ist das moderner Menschenhandel.
Bis auf die zwei Jahre in Bad Tölz waren Sie nie weg aus Rosenheim. Gab es keine Angebote?
Doch, die hat es über diverse Ecken schon gegeben. Halt nicht aus der DEL, sondern aus der 2. Liga. Und das mit Bad Tölz hat über Mondi Hilger funktioniert, der das mit Trainer Axel Kammerer eingefädelt hatte. Ich wollte damals auch mal etwas anderes sehen. Aber ich bin halt auch einfach gerne daheim.
Was war da anders als in Rosenheim?
Schön war es, mal andere Leute kennenzulernen. Und dann ist der Tölzer einfach unkompliziert. Die Leute dort waren total nett und haben mich super aufgenommen.
Und was hat Rosenheim, was andere nicht haben?
Das ist halt eine Eishockeystadt. Und ich habe da mit vier Jahren angefangen. Mir hat damals gefallen, wie die Kleinen in der Drittelpause aufs Eis durften. So bin ich dazugekommen. Im Stadion kenne ich jeden Zentimeter.
In welchem Stadion haben Sie gerne gespielt und wo nicht?
In Ravensburg war ich gerne, da waren immer viele Zuschauer. Kassel war von der Stimmung her gut. Ungern habe ich in Freiburg gespielt, das war ein altes Stadion.
1101 Strafminuten in 877 Pflichtspielen – würden Sie sich dennoch als fairen Spieler bezeichnen? Hat sich Ihre Spielweise im Laufe der Jahre auch verändert?
Ich sehe mich schon als fairen Spieler. Anfangs hatte ich noch mehr Strafminuten. Ich bin einfach ruhiger geworden, bin dann besser gestanden und habe an der Bande viele Situationen mit dem Schläger geklärt und die Scheibe rausgefischt.
99 Tore und 212 Vorlagen stehen in der Statistik. Wäre mehr drin gewesen?
Ich habe mich eher defensiv gesehen, bin aber schon auch gerne mit nach vorne. 99 Tore! Das ist schon irgendwie schade…
Sie haben die Anfänge des Vereins Starbulls von 2000 an erlebt. Was waren für Sie die prägendsten Momente?
Einmal der Aufstieg in die Oberliga. Der Weg dorthin war sehr hart, weil wir mit Landsberg und dann noch München immer extrem starke Gegner hatten. Dann der Aufstieg in die 2. Liga, denn da waren ja wieder einige Jahre dazwischen. Und dann musste man irgendwann rauf, aber so etwas kann man halt auch nicht planen. Siehe vergangene Saison. Das geht halt nicht so einfach, da muss alles zusammenpassen.
Welches Spiel würden Sie gerne noch einmal neu spielen?
Am besten noch einmal ein verlorenes Finalspiel. Wahrscheinlich das letzte Spiel gegen Landshut in der DEL2-Finalserie.
Und an welche Partie erinnern Sie sich besonders gerne?
An das Pokal-Halbfinale in Schwenningen. Wir haben dort gewonnen, sind dadurch ins Endspiel und haben dann den Titel geholt. Schwenningen hatte immer die Top-Mannschaft und wir haben es dort geschafft, mit einer Mannschaftsleistung zu gewinnen.
Es gab in Ihrer Karriere sicher viele kuriose Geschichten. Erzählen Sie bitte!
Das Heilbronn-Spiel mit Stephen Werner hatte ich ja schon erwähnt. Das war unglaublich, der war da wie besessen. So etwas bleibt hängen! Und in der 2. Liga haben sie mich auf dem Weg nach Hannover zu den Indians an der Raststätte vergessen. Das haben sie aber schnell gemerkt und dann wieder umgedreht.
„Es brodelt lange, bis ich explodiere. Dann auch ein bisserl lauter.“
Franz Steer hat einmal gesagt: „Micky sagt nicht viel in der Kabine. Aber wenn er was sagt, dann knallhart und auf den Punkt.“ Stimmt das?
Eigentlich bin ich ein Ruhiger. Es brodelt lange, bis ich dann mal explodiere. Dann halt auch ein bisserl lauter. Aber das ist auch schnell wieder vergessen.
Sie hatten einige Trainer – wer war der Beste?
Über die Trainer im Erwachsenenbereich will ich jetzt nichts sagen. Ich kann heilfroh sein, dass ich im Nachwuchs so gute Trainer wie Klaus Huber, Reinhold Wachinger oder Manfred Sasjadvolk – hoffentlich habe ich keinen vergessen – hatte. Das, was jetzt erst modern ist, hatten die schon zehn Jahre vorher gemacht. Von denen haben mein Jahrgang und etliche davor und danach unglaublich profitiert.
Könnten Sie sich einen Trainerjob vorstellen?
Ich habe mit 21 Jahren meinen Trainerschein gemacht, den hat damals der Verein bezahlt. Ich bin dann zwei Jahre mit dem Nachwuchs aufs Eis gegangen habe aber gemerkt: Hoppala, Spieler und Trainer – das sind zwei verschiedene Geschichten. Ich kann es mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen. Den Trainerschein habe ich noch, und wer weiß, was in fünf Jahren ist?
Es gab viele Aufstiege, aber auch einen Abstieg. Hätte man den verhindern können?
Eindeutig ja. Und zwar, wenn man rund um Weihnachten reagiert hätte. Damals hatten wir teilweise mehr Spieler auf der Massagebank zur Behandlung als beim Training auf dem Eis. Und da hätte etwas passieren müssen. Und zwar auf dem Spielermarkt, denn der Trainer konnte nichts dafür. Sie können es glauben: Der Abstieg beschäftigt mich noch immer.
Was war Ihr persönliches Mannschafts-Highlight mit den Starbulls?
Das waren eigentlich immer die Weihnachtsfeiern und immer die Abschlussfahrt. Das war immer lustig.
Sie sind ja ein begeisterter Griller. Elektro, Gas oder Kohle? Und warum?
Gasgrill. Weils einfach am Bequemsten ist. Ich geh hin, schalte an und in drei Minuten ist der auf 250 Grad.
Was fasziniert Sie am Grillen?
Ich bin ein Fleischliebhaber, vor allem Rindfleisch. Ich mache gerne Spareribs, das ist dann ein Prozedere über sechs Stunden. Also drei Stunden direkte Hitze bei maximal 130 Grad, zwei Stunden dämpfen in der Aluschale mit Saft und auf 150 Grad in die Alufolie eingepackt. Danach einstreichen mit Barbecue-Soße und noch einmal eine Stunde lang niedrig auf dem Grill lassen!
Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Beruflich bin ich bei den Hanselkos als Messtechniker angestellt. Das ist ein höchst interessanter Beruf, wir haben viel mit der Automobilbranche zu tun. Für mich ist es ein Quereinstieg, aber da muss ich mich halt jetzt reinarbeiten. Der Tagesablauf ist jetzt anders, aber man gewöhnt sich schnell daran. Schön, dass man auch mal am Wochenende frei hat!
Wollen Sie zum Abschied noch etwas loswerden?
Ich muss meiner Frau Dani danken. Sie ist selbst Sportlerin und Schwimmtrainerin und ist immer voll hinter mir gestanden. Das musst du auch erst mal finden, dass sich die so zurücknimmt, weil sich bei uns eigentlich alles ums Eishockey gedreht hat.Interview: Neumeier/Ziegler