von Redaktion

Es war in zweierlei Hinsicht ein Kontrast-Wochenende. Erstens ging es für die Starbulls Rosenheim nacheinander gegen den Letzten und den Tabellenführer, und zweitens sprangen dabei nach den sechs Minuspunkten des Wochenendes davor diesmal sechs Pluspunkte heraus. Dabei täuschte in beiden Partien das Ergebnis doch ein wenig über den eigentlichen Spielverlauf hinweg.

Der 3:3-Ausgleich durch den ersten Saisontreffer von Dusan Frosch. Fotos Ruprecht

Starbulls-Spiele bisher extrem spannend

Die Waldkraiburger Löwen waren bei Weitem nicht so hoffnungslos unterlegen, wie es das 0:7 suggeriert, das letztlich nur durch einen völligen Zusammenbruch der Löwen im Schlussdrittel zustande kam. Umgekehrt hätten die Starbulls gegen Peiting einen deutlicheren als den ergebnismäßig hauchdünnen Sieg verdient gehabt, spielten sie doch mit Ausnahme des Zwei-Gegentore-Aussetzers klar die bessere Partie. Allerdings war die Last-Minute-Dramatik mit Happy End natürlich das Tüpfelchen auf dem i.

Es waren schon ein paar seltsame Wendungen in den beiden Spielen geboten. Vor dem 1:0 in Waldkraiburg hatten die Starbulls 58 Minuten lang nicht ins Schwarze getroffen und in den letzten drei Begegnungen überhaupt nur drei Tore erzielt, etwas später fielen diese dann quasi im Drei-Minuten-Takt (fünf in weniger als 15 Minuten). Umgekehrt war Lukas Steinhauer vor Brad Millers erstem Treffer fast 110 Spielminuten ohne Gegentor geblieben, etwas später kassierte er gleich zwei binnen 51 Sekunden. Und es hätten noch mehr werden können, denn kurz darauf folgte dann die vielleicht spielentscheidende Phase mit fünfminütiger Unterzahl, in der die Gäste eigentlich die Entscheidung hätten herbeiführen müssen, aber unbegreiflicherweise in einem völlig uninspirierten Powerplay fast jegliche Power vermissen ließen. Es war aber auch ein bisschen Gerechtigkeit mit dabei, denn zum einen waren die fünf Minuten zwar berechtigt, warum es aber eine Matchstrafe zusätzlich gab, wird wohl das Geheimnis von Schiedsrichter Cori Müns bleiben. Und zum anderen ist es unverständlich, warum nicht zumindest eins der beiden rüden Peitinger Revanchefouls unmittelbar nach dem Pfiff in dieser Szene geahndet wurde.

Hauptoffensivakteur auf Rosenheimer Seite war diesmal zweifellos Chase Witala, der in den vier Spielen davor, vielleicht auch gehandicapt durch seine Handverletzung, die Torgefährlichkeit, die ihn letztes Jahr auszeichnete, total hatte vermissen lassen. Am Sonntag meldete er sich mit zwei Toren eindrucksvoll zurück und folgte damit einem Beispiel, das schon im ersten Spiel Viteszlav Bilek mit seinem Vier-Tore-Auftritt gesetzt hat. Im dritten Saisonspiel (gegen Lindau) zelebrierte Daniel Bucheli nicht nur sein erstes Saison-Tor, sondern sorgte auch gleich für einen Hattrick, und ein Spiel später (in Höchstadt) schoss Tom Pauker nach seinem ersten gleich noch den zweiten wie diesmal Witala.

Interessanterweise gab es in beiden Begegnungen Parallelen zu Spielen der letzten Saison. Das 7:0 in Waldkraiburg war vom Ergebnis her fast identisch mit dem Oberliga-Auftakt 2017, als die Starbulls dort 6:0 gewannen. Und gegen Peiting siegten Baindl & Co. auch letzte Saison einmal 5:4, mit einem ähnlich spektakulären Verlauf. Damals führten die Gäste bis zur 34. Minute 2:0, ehe die Starbulls mit fünf Toren binnen 13 Spielminuten die Partie drehten, nach zwei späten Gegentreffern aber noch zittern mussten. Diesmal war es bekanntlich extrem dramatisch mit dem Peitinger Sechs-gegen-Fünf-Ausgleich in der Schlussminute (was unliebsame Erinnerungen an die letzten beiden Spielzeiten aufkommen ließ, wo dies des Öfteren passierte) und dem Happy End nur 22 Sekunden später.

Viermal stand es in der Partie unentschieden, aber nur einmal (nach dem 3:3 durch Dusan Froschs erstem Tor nach elf Assists) für länger als eine Minute, und wieder einmal hatten die Starbulls zwischendurch mit einem Rückstand zu kämpfen. Das Spiel in Waldkraiburg war das erste heuer, in dem das Kofler-Team nie hinten lag, und dies spiegelt sich auch in einer interessanten Zwischenbilanz wider. In den bisher gespielten 541 Spielminuten lagen die Starbulls 38 Prozent der Zeit vorne, fast genauso lang (32 Prozent) aber im Rückstand. Im Vorjahr sah dies zu diesem Zeitpunkt völlig anders aus: Da führte Rosenheim rund 58 Prozent der Spielzeit und musste nur 13 Prozent der Zeit einem Rückstand hinterherlaufen. Dafür ist es heuer fast immer extrem spannend: 82 Prozent der Zeit stand es bisher unentschieden oder ein Team lag hauchdünn (mit einem Treffer) in Führung, und nur in 3,5 Prozent der Zeit war die Differenz deutlicher als zwei Tore!

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