Trotz Freundschaft: „Dann hau ich ihn um…“

von Redaktion

Zum Interview sind sie gemeinsam gekommen. Aus München, in einem Auto. Am Samstag ab 14 Uhr ist es für 90 Minuten (oder auch mehr, wie die Vergangenheit gezeigt hat) vorbei mit der Freundschaft von Maximilian Hain und Ludwig Räuber.

Dann treffen der „Maxi“ und der „Wiggerl“ mit ihren Teams im Inn/Salzach-Duell der Fußball-Regionalliga Bayern aufeinander, wenn Räubers TSV 1860 Rosenheim im Jahnstadion den TSV Buchbach mit Kapitän Hain zu Gast hat. Das Hinspiel in Buchbach endete 3:0 für die Gastgeber. Vor dem Rückspiel haben sich die OVB-Sportredateure Thomas Neumeier und Hans-Jürgen Ziegler mit den beiden Spielern unterhalten und ein höchst angenehmes Gespräch geführt. Offen, ehrlich, sympathisch, aber auch selbstbewusst– ganz den beiden Spezln entsprechend!

1860 gegen Buchbach hat es ja in den letzten Jahren schon oft gegeben. An welche Spiele oder Szenen erinnern Sie sich spontan?

Hain: Das sind viele. Das erste Derby war für mich in der Bayernliga gegen Thomas Masberg, als dieser dann die Rote Karte gesehen hat. Dann als unser Torwart Sandro Volz den Siegtreffer geschossen hat. Einmal haben wir zu Neunt in Rosenheim gewonnen, nachdem mein Bruder Hannes und Markus Grübl Rot gekriegt hatten. Dann mein Comeback vor zwei Jahren nach langer Krankheitspause gegen 1860 und an das Kopfballtor von unserem Keeper Strobl in der 97. Minute in Rosenheim, das den Klassenerhalt bedeutet hat.

Räuber: Ich war bei dem Spiel dabei, als wir zwei Mann mehr waren. Da war ich noch ein ganz junger Spieler und bin in der zweiten Halbzeit bei Spieler-Gleichzahl eingewechselt worden. Darüber unterhalten wir zwei uns eigentlich noch oft. Das war mein erstes Derby daheim und ich hatte noch gar nicht gewusst, auf was man sich da einlässt. Aber es war schon brutal, wie es ausgegangen ist und wie dann die Stimmung in der Kabine war. Dann bin ich eh nach Ingolstadt gegangen und auch da haben wir einige ganz interessante Spiele gehabt. Seit meiner Rückkehr nach Rosenheim waren nicht mehr so viele besondere Sachen dabei. Außer natürlich dem Strobl-Ding, das lange einen Stachel hinterlassen hat.

Wie ist Ihre Freundschaft entstanden?

Räuber: Über die Liga und die Spiele haben wir uns schon lange gekannt, sind aber nie so richtig in Kontakt gekommen. Irgendwann haben wir uns dann mal auf einer Geburtstagsparty vom Mario Staudigl getroffen und sind dort relativ cool ins Gespräch gekommen. Seitdem sind wir schon sehr, sehr gut befreundet.

Das hat dann auch zu mehr geführt, oder?

Hain: Ja, der Wiggerl hat auf meiner Hochzeit das Brautauto gefahren.

Räuber: Da fährt man Braut und Bräutigam zur Kirche und zur Hochzeitslocation – und bricht, wenn’s sein muss, einige Verkehrsregeln.

Was war da bitte los?

Räuber: Die haben in Rimsting geheiratet, die Hochzeitsfeier war in Übersee und wir waren wegen der Fotos relativ spät dran und sind dann im Stau gesteckt. Dann sind wir mal ein paar Meter auf dem Standstreifen gefahren, um rechtzeitig anzukommen. Die anderen Leute haben alle gelacht, die haben das ganz witzig gefunden.

Eigentlich sind Sie zwei grundverschiedene Spielertypen. Was wären Ihre Gedanken, wenn Sie unter dem Spiel auf den Maxi zulaufen?

Räuber: Ich weiß nicht, ob ich dann großartig darüber nachdenke. Im Endeffekt sind wir beide schon gleiche Spielertypen, weil wir immer alles reinhauen und wollen– egal, ob wir in der Offensive oder Defensive spielen: entweder willst du vorbeikommen oder den Ball einfach haben. Wer einem dann gegenübersteht, ist eher zweitrangig.

„Er hat in der Liga nichts zu suchen.“

Aber die Hain-Brüder waren schon gefürchtet. Wie Sie vorher beschrieben haben: Das Duell mit Thomas Masberg, das waren schon rassige Kämpfe.

Hain: Das waren Kämpfe, ja, geile Spiele! Für mich als Verteidiger war es immer cool, gegen einen großen Stürmer zu spielen. Mittlerweile verstehen wir uns übrigens brutal gut. Das hat zwar ein bisschen gedauert, aber wir haben uns mal nach dem Herbstfest an einer Bar ausgesprochen.

Wie charakterisieren Sie sich gegenseitig?

Räuber: Die Wichtigkeit von Maxi für die Mannschaft und den Verein ist unbestritten, da sind wir uns alle einig. Wir sind beide Veteranen in der Liga und ich weiß, was er drumherum und auf dem Platz alles macht, wie er die Mentalität schürt und Härte reinbringt. Und das ist für den Buchbacher Erfolg essentiell wichtig. Und er schafft es, dass seine Mitspieler das selbe Ziel verfolgen.

Hain: Für mich hat der Wiggerl in dieser Liga nichts verloren, sondern müsste eigentlich höher spielen. Man hat das an der Entwicklung in Rosenheim gemerkt: seitdem er zurück ist, spielt Rosenheim immer eine gute Saison. Er ist ein eleganter und kreativer Spieler und ist – das merken viele gar nicht so– unglaublich schnell.

Sie spielen in zentralen Positionen und sind in der Liga etabliert. Wie sehen Sie Ihre Aufgabe in der Mannschaft?

Räuber: Jeder von uns nimmt in seinem Verein eine Führungsrolle ein. Man muss einfach schauen, dass man in jedem Spiel an sein Leistungsmaximum rankommt, sonst wird es brutal schwer in der Liga. Du musst schauen, dass du deine Jungs im Griff hast. Die zentralste Aufgabe bei uns ist, dass wir schauen müssen, dass jeder seine maximale Leistung auf den Platz bringt.

Hain: In der Mannschaft ist bekannt, dass ich eher eine harte Führung habe. Hart, aber fair. Wenn was nicht passt, dann sage ich das auch. Aber die Leute können damit gut umgehen. Ich denke, das wird auch wertgeschätzt, dass ich meine Meinung habe und diese auch vertrete. Du musst aber dann auch dementsprechend selbst Leistung bringen, im Spiel und außerhalb.

Warum ist 1860 gegen Buchbach so brisant?

Räuber: Wie der Maxi vorher schon erwähnt hat, es gab bislang schon so viele besondere Momente, die auch zum Teil wehgetan haben. Natürlich auch die regionale Nähe, das ist in dieser Liga schon ein Derby. Beide sind Amateurvereine, die mit begrenzten Mitteln arbeiten müssen, und dann schaut mal halt, wer es besser macht. Wahrscheinlich bringt auch das so ein bisschen die Brisanz rein.

Hain: Für Buchbach gibt es nur zwei Derbys. Rosenheim, das für den Thomas Leberfinger und mich ein besonderes Spiel ist, und Burghausen. Alles andere wie Heimstetten oder Garching, die ja auch nicht so weit weg sind, sehen wir nicht als Derby an. In den Spielen gegen Rosenheim und Burghausen geht es ums Prestige und die wollen wir gewinnen.

Die beiden Trainer sind wohl eher verschieden, Buchbachs Anton Bobenstetter routiniert, Rosenheims Ogi Zaric neu in der Liga. Wie wird die Ansprache vor dem Spiel ablaufen?

Hain: Der Ablauf ist ganz normal wie bei jedem anderen Spiel. Es wird auf den Gegner eingegangen und auf die eigene Taktik. Motivieren tue ich vor dem Spiel. Ab und zu haben wir ja Steilvorlagen gekriegt, wie damals das Interview von Tobias Strobl.

Räuber: Unser Trainer ist vor den Spielen schon immer sehr emotional und versucht, uns zu greifen und die Mentalität zu schüren, weil wir schon zum Teil eine junge Mannschaft mit wenig Regionalliga-Erfahrung haben. Da musst du deine Mentalität auf den Platz kriegen. Oft ist es ein Kampf um die zweiten Bälle, und wenn du da im Kopf nicht wach bist, dann wird es einfach schwer. Ich weiß vom Ogi schon, dass er sehr viel vom Anton hält, beide immer wieder Kontakt haben und versucht, sich einiges von seiner Erfahrung abzuschauen.

Hain: Die müssen automatisch schon Kontakt haben, weil wir immer den Gegner haben, gegen den 1860 eine Woche später spielt.

Räuber: Das ist für uns beide auch cool, weil wir dann immer über die Spieler oder den Gegner reden können. Wir schauen dadurch in der Spielvorbereitung jede Woche Buchbach an.

Dann kennt 1860 die Buchbacher jetzt in- und auswendig, oder?

Räuber: Noch nicht. Eigentlich schon, weil wir die Spiele sehen und schon oft gegeneinander gespielt haben. Aber spezifisch auf den Spieltag werden wir noch eingestellt. Aber ich weiß, dass der Buchbacher Torwart noch kleiner ist als ich, also dürfte es mit einem Torwart-Kopfballtreffer ein bisschen schwieriger werden (lacht).

1860 hat die letzten vier Heimspiele nicht gewonnen und daraus nur einen Punkt geholt. Woran liegt’s?

Räuber: Schwierig zu sagen, weil wir gegen Aschaffenburg und Schalding eigentlich hätten gewinnen müssen und auch nicht so schlecht gespielt hatten. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir uns auswärts nicht so einen Kopf machen und befreiter aufspielen. Eigentlich wollen wir Rosenheim zu einer Festung machen, wie es das schon mal war. Aber dann ist es ja der perfekte Zeitpunkt, die Serie am Wochenende zu beenden (lacht).

Buchbach hat so einen Negativtrend in dieser Saison auch schon erlebt, auch mal vier Heimspiele in Serie nicht gewonnen und nur einen Punkt gelandet. Wie haben Sie die Wende geschafft?

Hain: Wir hatten uns selbst auch gewundert, warum es daheim nicht geklappt hatte. Auswärts hatten wir uns auch leichter getan, weil dort in der Regel der Platz besser ist als bei uns. Im Endeffekt ist dann aber wieder Mentalität gefragt, und die haben wir zuletzt gegen Augsburg II und Nürnberg II wieder auf den Platz gebracht. Da hat in den Spielen zuvor vielleicht ein Tick gefehlt. Aber wie es der Wiggerl schon vorher gesagt hat: In der Liga musst du immer 100 Prozent bringen, weil sonst gewinnst du nichts.

Was wird am Samstag entscheidend sein?

Hain: Wir könnten mit einem Punkt auch gut leben. Wenn wir Rosenheim auf Abstand halten, dann haben wir viel gewonnen. Man kann jetzt nicht immer fordern, dass wir auswärts die Spiele gewinnen. Aber es ist ein Derby, wir fahren schon hin, um zu gewinnen. Aber wenn am Ende ein Unentschieden rausspringt, dann ist es auch gut.

Räuber: Es kommt darauf an, wer cleverer ist und wer den Sieg mehr will. Bei uns ist wichtig, mit der Mentalität ins Spiel zu gehen, dass es ein Kampf wird. Uns muss bewusst sein, dass wir nicht mehr frech von hinten rausspielen können, sondern dass wir ein Kampfspiel vor uns haben. Und dann werden Kleinigkeiten entscheiden, das kann eine Standardsituation sein oder auch ein abgefälschter Schuss.

Angenommen, es steht 0:0 in der 89. Minute, Wiggerl Räuber läuft auf Sie zu und legt sich den Ball weit vor. Was passiert dann?

Hain: (lacht) Dann hau ich ihn um, ist doch klar. Im Ernst: Wir haben schon so oft gegeneinander gespielt, wobei wir ja meistens nicht direkt aufeinandertreffen. Aber wenn es zu so einer Situation kommt, dann gibt es keine Freundschaft. Dann lässt man den anderen nicht laufen, sondern versucht, dass man ihn einfach stoppt. Egal wie, Ball oder Gegner.

Gehen Sie Ihm lieber aus dem Weg?

Räuber: Wir spielen weit auseinander, also werden wir uns nicht so oft sehen. Das erwarten wir aber auch voneinander, dass wir so spielen. Ich würde in dieser Situation von ihm auch erwarten, dass er mich nicht einfach laufen lässt.

Hain: Wir sind zwar unterschiedliche Spieler, bei ihm ist es mehr elegant. Es ist aber schon so, dass ich nicht nur über den Kampf komme. Also ich kann schon den Ball stoppen und einen guten Pass spielen. Ich werde immer runtergebrochen rein auf den Kampf, und das ist ja nicht der Fall. Sonst würde ich nicht sieben Jahre in dieser Liga spielen und die Mannschaft anführen!

Räuber: So ist es!

„1860 hat nicht auf mich gebaut.“

Laufen untereinander Wetten?

Räuber: Also bei uns beiden nicht. Prinzipiell freue ich mich brutal auf das Spiel, weil ich mich auf einige Spieler von Buchbach freue, die ich über den Maxi kennengelernt habe, mit Sammy Ammari habe ich selbst noch zusammengespielt. Es macht einfach Spaß, wenn du gegen Freunde Fußball spielen kannst. Das ist unsere Leidenschaft. Das macht auch die Liga aus, weil sich die Wege immer wieder kreuzen. Und wenn du so lange dabei bist wie wir, dann kennst du bei jeder Mannschaft mindestens ein, zwei Leute besser und dann freust du dich einfach darauf.

Hain: Für mich ist das am Samstag auch etwas Besonderes. Es werden viele Leute von daheim zum Zuschauen mitkommen. Und ich habe fünf Jahre in der Jugend in Rosenheim gespielt. Danach haben sie nicht mehr auf mich gebaut, deshalb müssen wir da schon immer performen. Und, wie es der Wiggerl schon gesagt hat, freut man sichdarauf , dass man auf bekannte Gesichter trifft. Vorher geht es aber 90 Minuten auf dem Platz zur Sache.

Steckbrief Maxi Hain

Ludwig Räuber, 24 Jahre, 1,78 m, ist Mittelfeldspieler beim TSV 1860 Rosenheim. Der Sportmanagement-Student an der Fresenius-Hochschule in München und selbstständiger Modelabel-Betreiber (Ballfellas) bestritt schon als A-Jugendlicher seine ersten Regionalliga-Spiele. In der Jugend spielte er für den FC Halfing, TSV Bad Endorf und 1860 Rosenheim, im Herrenbereich drei Saisonen für den FC Ingolstadt 04, ehe er 2016 zurück nach Rosenheim wechselte. Er ist im siebten Jahr in der höchsten bayerischen Spielklasse und hat dort 181 Spiele bestritten und zwölf Tore erzielt.

Steckbrief Ludwig Räuber

Maximilian Hain, 29 Jahre, 1,80 m, ist der Kapitän des TSV Buchbach. Er wird zentral in der Abwehrreihe oder im Mittelfeld eingesetzt. Der Berufsschullehrer, der aktuell in Freising tätig ist, spielt seit 2010 in Buchbach. Zuvor war er für den TSV Wasserburg, seinem Stammverein, im Einsatz. in der Jugend spielte er auch für den TSV Eiselfing und fünf Saisonen lang für den TSV 1860 Rosenheim. In Buchbach bestritt Hain 37 Spiele (ein Tor) in zwei Bayernliga-Jahren und spielt nun seine siebte Saison in der Regionalliga. Bislang kommt er dort auf 169 Einsätze mit insgesamt elf Treffern.

Eher...

...laut oder leise?

Hain: Laut.

Räuber: Laut.

...Tee oder Kaffee?

Hain: Kaffee. Räuber: Kaffee – am besten zusammen.

Hain: Stimmt. Wir trinken oft miteinander Kaffee.

...Bier oder Wein?

Hain: Bier.

Räuber: Auch eher Bier – auch zusammen!

...Meer oder Berge?

Hain: Meer.

Räuber: Meer.

...Sommer oder Winter?

Hain: Sommer.

Räuber: Sommer.

...Anzug oder Jeans?

Hain: Kommt drauf an.

Räuber: Jeans.

...Bayern oder 1860 München?

Hain: Bayern – obwohl die Spiele gegen 1860 schon ein Highlight waren. Als wir damals im Rückspiel in der 95. Minute das entscheidende Gegentor hinnehmen mussten, war das schon bitter. Aber wie dann das Stadion quasi explodiert ist, das war schon eine geile Erfahrung – und das lauteste, was ich jemals gehört habe.

Räuber: Bayern.

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