Das Maß aller Dinge

von Redaktion

AUS DER STARBULLS-STATISTIK Defensive ist das große Plus

Rosenheim – Man könnte das vergangene Wochenende bei den Starbulls Rosenheim in drei Teile aufteilen: das Erwartete, das Erhoffte und das Sahnehäubchen. Erwarten konnte man natürlich die drei Punkte gegen den auswärts nach wie vor sieglosen Tabellenletzten aus Waldkraiburg, welche nach dem 4:0 bereits im ersten Drittel auch nie in Frage standen. Nicht unbedingt erwarten, aber erhoffen konnte man die drei Zähler aus dem Gastspiel in Peiting. Zwar erleiden die Cracks aus dem „kleinen gallischen Dorf“ (Eigenwerbung) derzeit einen kleinen Durchhänger, trotzdem waren sie noch vor zwei Wochen das Maß aller Dinge in dieser Liga. Völlig unerwartet kam aber das „Sahnehäubchen“ in Form des überraschenden Memminger Sieges beim Tabellenführer Regensburg. Zwar können sich die Starbulls nun nicht mehr damit rühmen, den Eisbären ihre einzige Heimniederlage beigebracht zu haben (alle anderen Punkte waren seither in Regensburg geblieben), doch die plötzliche Punktgleichheit mit dem Ersten entschädigt dafür vollauf.

Und so sind für den Moment (vor den anstehenden Spitzenspielen gegen Landshut und Regensburg) die Rosenheimer wohl das Maß aller Dinge. Wäre da nicht vor vier Wochen der 1:4-Ausrutscher in Memmingen gewesen (schon wieder Memmingen!), stünde längst eine neue Oberliga-Rekordserie zu Buche. In den anderen zehn der letzten elf Begegnungen haben Koflers Mannen nämlich keinen einzigen Punkt abgegeben, so aber steht die aktuelle Siegesserie erst bei sechs Spielen. Es spricht für die Konstanz der Regensburger, dass sie sich trotzdem nach 14 Siegen (!) in Folge immer noch des Rosenheimer Ansturms erwehren.

Ein großes Plus für die Starbulls ist zweifellos, dass sich die Defensive in letzter Zeit wieder ähnlich stabil zeigt wie über weite Strecken der vergangenen Saison. Seit dem erwähnten 1:4 in Memmingen haben Lukas Steinhauer oder Luca Endres in keiner der sechs Partien seither mehr als zwei Gegentreffer hinnehmen müssen (Schnitt 1,50 pro Spiel). Folgerichtig stehen sie der Liga gleichauf mit Regensburg (je 46 Gegentore) als zweitbestes Team da (nur Landshut hat eins weniger zugelassen), während man offensiv zehn beziehungsweise zwölf Treffer hinter den Eisbären und Peiting hinterherhinkt.

Ginge es nach den „Special Teams“, sähe die Sache wesentlich trauriger aus. Im Powerplay (erst in zwei von 18 Spielen gelang mehr als ein Überzahltor) ist man Mittelmaß, die Unterzahlquote ist die drittschwächste; sogar in den erfolgreichen vier letzten Partien kassierte man wieder sechs Gegentore während rund 31 Minuten zahlenmäßiger Unterlegenheit! Das führt uns im Umkehrschluss aber zur großen, bisher einzigartigen Stärke: Bei personellem Gleichstand erweisen sich Bilek & Co. als praktisch unschlagbar! Lediglich bei den beiden 1:4-Niederlagen gegen Riessersee und in Memmingen gelangen dem Gegner mehr „Even Strength Goals“. Ansonsten lautet das Verhältnis hierbei in Rosenheim 25:6, bei den Auswärtsspielen sogar sage und schreibe 31:6 zugunsten der Starbulls! Nur sechs Gegentore bei Fünf gegen Fünf in neun Auswärtsspielen!

Ähnlich dominant agieren die Starbulls derzeit in frühen Spielphasen. In den letzten zwölf Matches entschieden sie das erste Drittel neunmal für sich, dreimal endete es remis, und in sieben dieser Spiele ließen sie dabei kein Gegentor zu.

Kommen wir zum Individuellen. Nach drei Spielen „Aufgalopp“ konnte sich Tobi Draxinger am Sonntag erstmals nach seiner langen Pause als Torschütze und Assistent feiern lassen. Aber das ist in Peiting ja nichts Neues. Wir erinnern uns: Beim 5:3-Sieg letzte Saison schoss er vier Treffer selbst und bereitete das fünfte Tor vor. Ein Schnellstarter ist Chase Witala. Erst vier Rosenheimer Tore fielen bisher in den ersten drei Spielminuten, drei davon gingen aufs Konto des Kanadiers. In der NHL gibt es die Kategorie des „Unsung Hero“, womit man Spieler bezeichnet, die nie die großen Schlagzeilen bekommen, für das Team aber dennoch unheimlich wertvoll sind. Dies passt wohl auf keinen besser als auf Christoph Echtler. Der No-Name-Spieler aus der zweiten österreichischen Liga rackert unermüdlich in Unterzahl, fehlt wegen seiner Schnelligkeit kaum einmal bei gegnerischen Kontern – und hat sich klammheimlich mit inzwischen neun Vorlagen als fünftbester Vorbereiter etabliert, und das ohne jegliche Eiszeit im Powerplay.

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