Um ein Haar wäre es ein makelloser Monat November für die Starbulls geworden. Aus den ersten sechs Begegnungen holten sie – wenig spektakulär, aber immer souverän – die maximalen 18 Punkte und ließen dabei nur neun Gegentreffer, eineinhalb pro Spiel, zu. Lohn dafür: Rang zwei, punktgleich mit Tabellenführer Regensburg.
Als Spielverderber erwies sich dann ausgerechnet der große Rivale Landshut. Zwar blieben Koflers Mannen auch in dieser Begegnung nicht gänzlich punktlos (zum achten Mal in Folge übrigens), aber der Sprung an die Tabellenspitze blieb ihnen trotz gleichzeitigen Regensburger Punktverlustes verwehrt.
Spiele gegen Landshut (diesmal natürlich wieder ausverkauft) haben schon ihre eigenen Gesetze. Trotz einiger Ausreißer in Richtung Klatsche (etwa 7:1 oder 11:1 für Landshut, aber auch 7:2 oder 7:4 für die Starbulls) sind sie meistens hart umkämpft bis zur letzten Minute. Von den 42 Partien der zweiten oder dritten Spielklasse gingen immerhin elf in die Verlängerung; fünf davon wurden sogar erst im Penaltyschießen entschieden. Das unvergessenste (neben dem 3:2 durch Jim Hillers Overtime-Tor am 3. Januar 1997 zu grauen DEL-Vorzeiten) war zweifellos das Play-off-Match in Landshut am 13. April 2012, das Corey Quirk nach 60 komplett torlosen Spielminuten im ersten Rosenheimer Angriff nach 32 Overtime-Sekunden entschied.
Auch die beiden Partien am Wochenende waren geprägt von Toren unmittelbar am Beginn oder am Ende von Spieldritteln. Das begann schon am Freitag, als die Starbulls nach zehn Sekunden ein Gegentor kassierten, in ihrer Oberliga-Historie so früh wie noch nie nach dem Eröffnungsbully. Bisher lag diese Marke bei 21 Sekunden, aufgestellt vom Sonthofener Chris Stanley letzte Saison beim 4:1-Sieg in Rosenheim (allerdings gegen DNL-Goalie Lennard Brunnert). Noch schneller, aber erst nach Wiederanpfiff, war am 30. Dezember 2005 der Crimmitschauer Vadim Slivchenko, der Olli Häusler nach neun Sekunden des zweiten Drittels überwinden konnte; die Starbulls verloren damals 1:3. Diesmal aber gab es wenigstens einen Punkt, und es hätten sogar drei sein können, doch erstmals in dieser Saison schafften sie es nicht, einen Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Das frühe Landshuter Tor war übrigens das erste Gegentor, das Steinhauer oder Endres in den letzten acht Spielen im Anfangsdrittel zuließen! Zwei Tage später sah es wieder aus wie gewohnt, als dieser Abschnitt 3:0 zugunsten des Kofler-Teams endete. Und zwei Tore in Weiden (1:1) fielen in der 21. Minute, doppelt so viele wie in den 19 Partien davor in dieser Spielminute.
Kurios verläuft bisher, im Gesamten gesehen, die erste Hälfte des Schlussdrittels. Auf eine absolute Rosenheimer Top-Phase (9:1 Tore von Minute 41 bis 45) folgt oft ein starker Einbruch in den folgenden drei Minuten (3:8 in Minute 46 bis 48), ehe die Starbulls mit 12:4 Treffern von der 50. bis zur 55. Minute wieder voll durchstarten!
Ein Hauptgrund für den Landshuter Sieg war, dass sich die Niederbayern den Starbulls bei fünf gegen fünf überlegen zeigten (4:2), was, wie letzte Woche bereits erwähnt, heuer nur selten einem Gegner gelingt. Dafür zeigten sich die Rosenheimer Special Teams diesmal stark verbessert. Sowohl gegen Landshut als auch in Weiden gelangen zwei Powerplay-Tore, und auch wenn der Siegtreffer der Gäste in Überzahl fiel, zeigten sich Vollmayer & Co. in Unterzahl stark verbessert, vor allem bei zwei längeren Drei-gegen-fünf-Phasen gegen Landshut oder während der Fünf-Minuten-Strafe für Niko Meier in Weiden. Auffallend: Während Schiedsrichter Patrick Gogulla in zwei Matches letzte Saison (gegen Weiden und Selb) relativ unauffällig leitete, scheint dies bei Partien zwischen Rosenheim und Landshut nicht so der Fall zu sein. Bereits beim 7:4 der Starbulls vor einigen Wochen in Landshut bescherte er den Niederbayern mit über 15 Minuten aus elf Rosenheimer Strafen die weitaus längste Überzahl seit Jahren, die diese zu drei Powerplaytoren nutzten, und auch diesmal waren einige Entscheidungen – gelinde gesagt – merkwürdig.
Ein gutes Pflaster scheint das Rosenheimer Eis für Landshuter Nachwuchs-Cracks zu sein. Letztes Jahr schloss Luis Schinko in seinem allerersten Oberliga-Match einen Konter eiskalt zu seinem ersten Tor ab, diesmal gelang dies Verteidiger Mario Zimmermann, der mit dem Abstauber zum 2:3 aus Landshuter Sicht Sekunden vor dem zweiten Drittelende wesentlich dazu beitrug, ein verlorengeglaubtes Spiel herumzureißen.