Rosenheim – „Black Friday“ – dieser Ausdruck hat heutzutage eigentlich keinen schlechten Klang, zumal bei Schnäppchenjägern. Und als solche erwiesen sich am Freitag die Lindau Islanders, die sich bei den Starbulls Rosenheim ein echtes Schnäppchen in Form von zwei Punkten sichern konnten und nach dem Spielverlauf selbst davon wohl nicht weniger überrascht waren als ihre Gastgeber. Zwei Tage später dann gewährten sie ihren „Gönnern“ keinerlei Rabatt und fuhren mit dem gleichen Ergebnis, aber in regulärer Spielzeit, alle Pluspunkte ein.
Schwarzer Freitag – das hat aber historisch auch noch eine völlig andere Bedeutung, und die ist weniger erfreulich. Am 25. Oktober 1929 leitete ein eklatanter Kurssturz an der New Yorker Börse die schwerste Weltwirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts ein und sorgte auf Jahre hinaus für Probleme.
So weit ist es bei den Starbulls Gott sei Dank nicht. Immerhin haben sie bereits am folgenden Wochenende die Gelegenheit gegenzusteuern, und auch der freie Fall in der Tabelle hat nicht stattgefunden. Dennoch: War man am Wochenende davor in unmittelbarer Reichweite von Platz eins, klafft da aktuell wieder eine Fünf-Punkte-Lücke auf Regensburg, und die Verfolger, die neun Punkte zurücklagen, sind jetzt wieder auf drei (Peiting) beziehungsweise fünf Punkte (Landshut) herangerückt.
Spiele gegen die Islanders waren noch nie eine sehr torreiche Angelegenheit. Von den sechs bisher ausgetragenen Partien endeten drei 3:2 für Lindau (je einmal in regulärer Spielzeit, in Overtime und im Penaltyschießen). Am torreichsten waren noch die beiden 5:3-Siege der Starbulls auf eigenem Eis, was zeigt: So richtig glänzen konnten Koflers Mannen gegen diesen Gegner noch nie. Aber trotzdem: Wenn von 80 Schüssen in zwei Spielen nur vier den Weg ins Tor finden, so zeugt das nicht gerade von der Qualität derselben! Kein Wunder, dass die Starbulls dabei die saisonale Rekorddauer von 70:29 Minuten ohne zählbaren Erfolg blieben! Und dies lag nicht einmal am gelegentlich gescholtenen Powerplay, denn der erste Treffer von Robin Slanina nach dieser Flaute (und auch einer von Dusan Frosch davor) fiel sogar in Überzahl, wie überhaupt die Starbulls in dieser Konstellation seit sechs Begegnungen nie mehr leer ausgegangen sind (acht Tore aus 20 Situationen von knapp 32 Minuten Dauer). Und bereits zum dritten Mal in dieser Saison schaffte der Gegner nach Herausnahme seines Torhüters tatsächlich einen Treffer; den Starbulls selbst hat diese Maßnahme bisher lediglich zwei Empty-net-Gegentore beschert.
Vom Verlauf her gesehen, waren die beiden Niederlagen trotz identischer Endergebnisse grundverschieden. Die am Freitag folgte dem althergebrachten Muster: Im ersten Drittel triumphierten die Starbulls, wie schon in 13 der letzten 17 Spiele, während im Schlussabschnitt die Wende zum Negativen eintrat, wie in sechs der letzten acht Partien. Genau umgekehrt war es am Sonntag auswärts. Da geriet man in den ersten neun Minuten 0:2 in Rückstand (das war bisher nur einmal passiert, nämlich beim ersten Gastspiel der Islanders, die damals nur gut sieben Minuten dafür brauchten, aber trotzdem 3:5 verloren), hätte aber im Schlussdrittel beinahe noch den Umschwung geschafft. Ein bedenkliches Muster schälte sich dagegen in den letzten drei Heimspielen heraus: Niederlagen trotz Zwei-Tore-Vorsprüngen! Aber während die zahlreichen Fans gegen Landshut und Regensburg als Entschädigung wenigstens Klasse-Partien fast auf Zweitliga-Niveau verfolgen konnten, tendierte das Niveau gegen Lindau vor einer Minuskulisse eher Richtung Bayernliga.
Punkte weg, Scorerserien weg: Alle laufenden Serien, die im letzten Rückblick erwähnt wurden, sind an diesem Wochenende gerissen. Am Freitag war Schluss mit den Assist-Serien von Dusan Frosch (sieben) und Dominik Daxlberger (sechs Spiele), am Sonntag dann endete für Frosch auch seine Serie von elf Begegnungen mit Scorerpunkten, und auch Vitezslav Bilek blieb erstmals seit sechs Spielen ohne Assist und seit elf Spielen ohne Scorerpunkt. Immerhin konnten sich die beiden damit in den Top Fünf der Rosenheimer Oberliga-Historie verewigen. Und auch eine Teamserie endete mit der Auswärtsniederlage: Fünfmal in Folge hatten die Starbulls zuletzt auswärts die volle Punktzahl einfahren können. Diese Serie ist neuer Rekord, denn zuvor hatten sie viermal lediglich vier Auswärtssiege am Stück geschafft, erstmals im Januar/Februar 2005, zuletzt im selben Zeitraum 2008.