Rosenheim – Angefangen hat alles mit einem Scherz am Telefon. Als sich Sepp Heller nach meinem Funktionärsabschied beim SB Rosenheim erkundigte, was ich denn mit meiner nun reichhaltigeren Freizeit zu tun gedenke, antwortete ich im Spaß: „Ich werde mir jetzt in jeder Klasse ein Spiel anschauen.“ Gesagt getan, wobei dies am Ende gar nicht so einfach war. Berufliche Gründe und Spielverlegungen spielten da eine Rolle – eine risikoreiche Planung mit Nachholspielen und einem verlängerten Wochenende im Rheinland sorgten aber dafür, dass der Plan aufging, mit einem Toto-Pokal-Spiel (Buchbach gegen 1860 München vor herrlicher Flutlichtkulisse) und einem A-Junioren-Landesliga-Match (1860 Rosenheim gegen Manching) sogar übererfüllt wurde.
Zu sehen gab es einiges: Tore für die Vereinshistorie, Spiele mit Wiedererkennungswert und Treffen mit alten Bekannten. Gesehen habe ich aber auch junge Funktionäre, die mit Euphorie ans Werk gehen; Trainer, Spieler, Schiedsrichter und Verantwortliche, die mit Freude ans Werk gehen; und Zuschauer, die einen spüren lassen, welche Faszination der Fußball in Deutschland ausübt. Meine Höhepunkte:
1. Bundesliga: Bayer Leverkusen – Hertha BSC Berlin (3:1). Letzter Spieltag vor Weihnachten, letztes Spiel von Bayer-Coach Heiko Herrlich. Leverkusen siegt verdient, der Brannenburger Sven Bender wird eingewechselt. Am Ende herrscht tolle Weihnachtsstimmung.
2. Bundesliga: 1. FC Köln – VfL Bochum (2:3). Die beste Stimmung gab’s vor dem Spiel. Bei der FC-Hymne zum Einlauf herrscht Gänsehaut-Alarm. Ausverkaufte Hütte mit 50000 Fans, Flutlicht am Freitagabend! Im Spiel schlugen die Bochumer mit dem Ex-Burghauser Manuel Riemann im Tor eiskalt zu und holten Punkte.
3. Liga: TSV 1860 München – SV Wehen-Wiesbaden (1:2). Weiß-blauer Himmel, beste Atmosphäre vor dem Spiel und auch während des ausbaufähigen Kicks. Das Löwen-Herz schlägt riesig, die Mannschaftsleistung kann da nicht ganz mithalten. Dennoch: Ein toller Tag auf Giesings Höhen!
Regionalliga Bayern: Rein beruflich habe ich viele Spiele des TSV 1860 Rosenheim gesehen. Spitzenleistungen wie beim 2:2 gegen Schweinfurt 05 oder dem 3:2-Heimsieg über Bayern München II, die erste Niederlage des Tabellenführers. Aber auch bittere Enttäuschungen wie das 1:4 gegen Memmingen. Weitere besondere Spiele: Der Last-Minute-Sieg zum Start gegen Garching (3:2), die Niederlage in letzter Minute in Heimstetten (0:1) oder das Derby zum Abschluss gegen den TSV Buchbach (0:2).
Bayernliga Süd: SV Kirchanschöring – TuS Holzkirchen (2:0). „Anschöring“ hat in der Bayernliga mit die beste Zuschauerkulisse. Beim nasskalten Heimsieg über das abgeschlagene Schlusslicht waren immerhin noch knapp 400 Fans da, die einen verdienten Sieg sahen, auch wenn dieser erst in der Schlussphase sichergestellt wurde.
Landesliga Südost: TSV Wasserburg – TuS Pfarrkirchen (1:0). Freitagabend und Flutlicht – es ist schon eine besondere Atmosphäre in der Wasserburger Altstadt. Der Favorit hat viele Chancen und siegt spät, aber verdient. Allerdings spielt Pfarrkirchen nicht so wie ein Abstiegskandidat.
Bezirksliga Ost: TSV Bad Endorf – ESV Freilassing (2:1). Aufsteiger gegen Absteiger am zweiten Spieltag der Saison. Es ist der erste Sieg der Endorfer nach der Rückkehr in die Bezirksliga. Die Gastgeber überzeugen dabei auch spielerisch.
Kreisliga: Die Spielklasse mit den meisten Partien nach der Regionalliga. Ich war in Großholzhausen, Ostermünchen, Raubling und Westerndorf – und habe spannende und kuriose Spiele gesehen. So den Last-Minute-Elfer von Michi Krauss zum Westerndorfer 3:2-Erfolg in Großholzhausen, den Bruckmühler Erfolg im Spitzenspiel in Westerndorf und natürlich das „Tor des Jahres“ von Westerndorfs Torben Gartzen zum 1:0-Sieg in Ostermünchen – eine unvergessliche Szene!
Kreisklasse: SV Pang – ASV Flintsbach (1:3) und SV Schechen – SV Vogtareuth (1:0). Klar, dass das Duell der alten Freunde Sepp Heller und Werner Wirkner in Pang Pflichtprogramm war. Es war die einzige Niederlage der Panger im bisherigen Saisonverlauf. In Schechen stand zum Abschluss das Spitzenspiel der Kreisklasse 2 auf dem Plan, wo sich das Team von Spielertrainer Markus Höhensteiger durch den Sieg ein kleines Polster auf die Konkurrenz verschaffte. Viele Zuschauer und das Treffen mit vielen bekannten Gesichtern lassen mich gerne darauf zurückblicken.
A-Klasse: FT Rosenheim – FC Reit im Winkl (6:1). Bei heißen Temperaturen wird bei der „Fritschi“ gekickt. Das Spiel ist eine klare Sache, Vadim Tregubov, ein ehemaliger SBR-Jugendspieler, erzielt alleine fünf Treffer.
B-Klasse: Fortuna Rosenheim – WSV Aschau II (3:3). Ein Nachholspiel, gerade rechtzeitig, um die B-Klasse abzuhaken. Sechs Tore und die Novembersonne erwärmen. Bei Fortuna-Treffern wird Musik eingespielt: „I feel good“ von James Brown oder der „Song 2“ von Blur ertönen. Und regeltechnisch gibt‘s auch wieder eine Auffrischung: Weil beim Elfmeter für Aschau ein WSV-Spieler zu früh in den Strafraum einläuft, entscheidet der Schiri auf Freistoß für Fortuna – der Regel nach richtig entschieden, Kompliment!
C-Klasse: LR 1981 Kolbermoor – FC Wolga Bad Aibling (5:3). Ein Spiel für die Vereinshistorie: Die Lucky Rangers, einstige Hobbyfußball-Mannschaft, wagte den Schritt in den Spielbetrieb des bayerischen Fußball-Verbandes. Und bestreitet das erste offizielle Wettbewerbsspiel daheim. Nach drei Minuten gelingt Marco Hesl das erste Tor, zur Halbzeitpause führen die Gastgeber mit 4:1 und holen sich letztlich mit 5:3 den ersten Sieg.
Und jetzt? Was kommt nun? Länderpunkte sammeln, vielleicht alle Klassen in Österreich durchmachen? Oder die Sportart wechseln? Im Eishockey sind es nur sechs Spielklassen und mit der DEL und der Oberliga kann ich zwei schon abhaken. Mal abwarten: Eins ist klar, auf den Sportplätzen der Region wird man mich auch außerberuflich sehen. Weil‘s einfach Spaß gemacht hat!