Vor drei Wochen schien alles klar in den oberen Tabellenregionen der Oberliga Süd. Regensburg und Rosenheim marschierten – nur durch das Torverhältnis getrennt – einsam an der Spitze, die Verfolger hatten bereits acht (Riessersee) beziehungsweise elf Punkte Rückstand (Landshut und Peiting). Jetzt, sieben Spiele später, hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Peiting, heute, Freitag, 19.30 Uhr, Gastgeber für die Starbulls und am Sonntag, 17 Uhr, zu Gast in Rosenheim, hat wie schon viele Wochen zu Saisonbeginn den Platz ganz oben wieder inne. Regensburg und Rosenheim liegen knapp dahinter, Landshut und Riessersee sind mit fünf Punkten Rückstand auf den Primus auch wieder mit im Rennen!
Der Grund: Während Peiting mit hundert Prozent Ausbeute aus diesen sieben Spielen einen Wahnsinnslauf hat, holten die ehemaligen Top-Teams in jüngster Zeit weniger als die Hälfte aller möglichen Punkte (Regensburg zehn, die Starbulls neun von 21). Nur gut, dass es Sonthofen gibt, denn sechs dieser neun Zähler gab es gegen die Bulls, während die restlichen fünf Partien, teils in Overtime oder Penaltyschießen, an den Gegner gingen. Glück für die Starbulls, dass am Weihnachtstag auch Verfolger Landshut einen echten Blackout hatte und als erstes Team überhaupt zu Hause drei Punkte gegen Schlusslicht Waldkraiburg abgab!
Woran es bei den Starbulls derzeit klipp und klar mangelt, das ist die Offensiv-Power. Nimmt man die erwähnten beiden Spiele gegen Sonthofen aus, die kein echter Gradmesser waren (in Sonthofen stand der dritte Torwart im Kasten, in Rosenheim war bis zum 4:0 nach knapp zwölf Minuten kaum Gegenwehr zu erkennen), gelangen gerade einmal neun Treffer in fünf Begegnungen! 70:29 Minuten vergingen in den Spielen gegen Lindau zwischen zwei Rosenheimer Treffern, und zwischen den einzigen Toren in Memmingen und gegen Riessersee lagen gar 83:40 Minuten. Beides sind absolute „Lowlights“ für diese Saison!
Und diese Flaute setzt sich auch im Penaltyschießen fort. Waren die Starbulls in den ersten 22 Partien von diesem Nervenkampf verschont geblieben, kam es in den letzten beiden Wochen gleich zweimal dazu. Während Luca Endres gegen Lindau und Lukas Steinhauer gegen Riessersee einen beziehungsweise zwei Penaltys hielten, konnte lediglich Dusan Frosch zwei seiner drei Versuche erfolgreich abschließen, Baindl, Neumann und Bilek scheiterten dagegen.
Dabei war eine Schwäche, die sich zuvor durch die gesamte Serie gezogen hatte, zuletzt abgestellt worden. In den letzten vier Spielen überstanden die Starbulls 17 Unterzahlsituationen am Stück von insgesamt gut 32 Minuten Dauer ohne Gegentreffer. Davor hatten sie lediglich einmal Anfang November zwei Partien nacheinander ohne gegnerisches Powerplaytor zustande gebracht. In eigener Überzahl konnten sie zwar in sieben der letzten neun Matches punkten, aber richtige Powerplay-Feuerwerke wie im Vorjahr (dreimal drei, einmal vier und zweimal fünf Überzahltore in einem Spiel) sind heuer mit Ausnahme des Vier-Tore-Outputs gegen Memmingen zum Saisonauftakt Mangelware.
Recht stabil ist der Trend, was bestimmte Spielabläufe angeht. Sieben der letzten elf Mitteldrittel gingen 1:1 aus, nur ein einziges Mal in den letzten 16 Spielen kassierte man dabei mehr als einen Gegentreffer. Im Anfangsdrittel konnte man in 14 der letzten 16 Partien Gegentore im ersten Drittel vermeiden, zeigte sich dabei aber selbst (Ausnahme: gegen Sonthofen und Weiden) äußerst knausrig. Und wenn in den ersten fünf Minuten überhaupt mal ein Rosenheimer traf, so war es Viteszlav Bilek (fünfmal) oder Chase Witala (dreimal). Acht der elf Treffer in dieser frühen Phase gehen also auf das Konto der beiden Legionäre.
Noch drei Details aus der Rubrik „Vermischtes“, beginnend mit einem Kuriosum. In den beiden Partien gegen Sonthofen (8:5 und 7:2 zugunsten der Starbulls) fiel je ein Tor der Allgäuer exakt in der gleichen Spielsekunde! Bei jeweils 28:22 trafen Petr Sinagl zu Hause und sein Teamkollege Jonas Schlenker in Rosenheim. Das 100. Rosenheimer Saisontor schoss Matthias Bergmann, erst sein zweiter Treffer, gegen Sonthofen, und nur 13 Sekunden später fiel das 3:0 durch Bilek – Saisonrekord für einen „Doppelpack“. Und noch ein weiterer Rekord aus diesem Match, nicht nur für die laufende Spielzeit: Noch nie in den vorangegangenen sieben Oberliga-Jahren gab es so wenige Strafzeiten wie beim 7:2, als Referee Sascha Westrich nur je einmal gegen die beiden Kontrahenten pfeifen musste.