Rosenheim – Auch wenn viel behauptet wird, dass Tischtennis in China erfunden wurde, so ist dies nicht richtig. Die erste schriftliche Erwähnung fand 1874 in England statt. Über Ungarn sowie den asiatischen Raum wurde diese Sportart um 1899 in Berlin populär und erreichte schließlich 1947 auch Rosenheim.
Ein Mann der ersten Stunde war Heiner Koula, der heute für den TuS Bad Aibling an der Platte steht, aber maßgeblich daran beteiligt war, dass diese Sportart in Rosenheim so populär wurde. „Als der Krieg zu Ende war, sind viele Ausländer – hauptsächlich Tschechen – hiergeblieben und haben dieses Spiel mit dem kleinen weißen Ball in der damaligen Jägeralm in der Sudetenlandstraße betrieben“, erzählt der Rosenheimer Koula, der später vielfacher Welt-, Europa- und deutscher Meister im Seniorenbereich wurde. Er wohnte in der gleichen Siedlung, spielte des Öfteren mit und ließ schon damals sein Talent aufblitzen.
Tischtennis
im Pfarrsaal
Ab 1947 spielte er in der katholischen Jugend in Christkönig. Treffpunkt war damals der Pfarrsaal, den man zu Trainingszwecken nutzte. Aber nicht nur hier, sondern auch in anderen Stadtteilen Rosenheims – hauptsächlich in Gasthäusern – spielte man inzwischen Tischtennis, wobei noch viel improvisiert wurde. Sogar zu Duellen mit anderen Teams traf man sich. Allerdings liefen diese Begegnungen immer als Freundschaftsspiele ab.
1948 kam es schließlich zur Gründung der Tischtennisabteilung innerhalb des SB/DJK Rosenheim. Außer Heiner Koula gehörten den Gründungsmitgliedern Kurt Axthammer, Heinz Brandmiller, Rudolf Berchtenbreiter, der Erster Abteilungsleiter wurde, sowie die Gebrüder Finsterwalder an. Zum gleichen Zeitpunkt wurde auch ein zweiter Rosenheimer Tischtennisverein, nämlich der TTC, gegründet. Dieser wurde von Peter Platz, der damals ein Schuhgeschäft am Max-Josefs-Platz betrieb ins Leben gerufen. Beide Vereine waren, was die Leistungen betraf, gleichauf und sollten später auch hervorragende Akteure wie Fred Bauch, Dr. Hans Dietl oder auch Franz Schmöller in ihren Reihen haben.
Das Jahr 1949 brachte einige neue Strukturen, in denen eine Kreisliga – unter anderem mit der SG Hausham – sowie eine Oberbayernliga – unter anderem mit dem TV Altötting oder auch dem Post SV Traunstein – zustande kam. Zugleich ist 1949 auch ein Jahr, an das sich Heiner Koula noch gut erinnert. „Ich stand bei der oberbayerischen Meisterschaft im Finale und traf auf Alfons Seidl aus Altötting. Dieses Endspiel habe ich hauchdünn verloren. Aber beim Aufstiegsturnier in die Landesliga in Augsburg habe ich ihn dann geschlagen“, erzählt er mit einem Lächeln.
Aufstieg in
die höchste Liga
Der SBR schaffte es in den folgenden Jahren über die Landesliga bis hin in die Oberliga, die damals die höchste deutsche Liga war, aufzusteigen. Klingende Namen, wie beispielsweise Heiner Koulas Bruder Siegi, Ludwig Mittermaier oder auch Sepp Urban begleiteten diese Zeit. Die Kehrseite der Medaille waren aber auch einige Jahre später diverse Abstiege, die mit einem Aderlass von Spielern und Verletzungen begründet waren. Ludwig Mittermaier schloss sich beispielsweise dem TSV Neumarkt-St. Veit an und auch Heiner Koula war durch einen Fußbruch außer Gefecht. Schließlich fand man sich mit dem TTC Rosenheim wieder in der Bezirksliga. Der TTC löste sich allerdings 1956 auf, da sich Fred Bauch, Dr. Hans Dietl und Franz Reischl dem SB/DJK Rosenheim anschlossen. Im Jahre 1954, als Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister wurde, übernahm Heiner Koula das Amt des Abteilungsleiters, das er bis 1965 ausübte.
Koula hängt
Schläger an den Nagel
Für einige Zeit rumorte es dann in der Abteilung und ab 1967 leitete Hans Weymar die Abteilung. Dies hatte aber zur Folge, dass Heiner Koula den Schläger an den berühmten Nagel hängte und Siegi Koula zum TTC Aßling wechselte. Mit diesem Verein stieg er bis in die Landesliga auf. 1969 war dann aber auch für Hans Weymar Schluss. Für ihn übernahm Jan Kozak die Amtsgeschäfte.
Als dann Martin Stemberger beziehungsweise später Udo Gebhardt das Ruder übernahmen, war auch beim SB/DJK Rosenheim wieder ein Aufschwung festzustellen. Der SBR, der die Dienste der ehemaligen Spitzenspieler Petr Seibot oder auch Petr Husnik in Anspruch nahm, schnellte bis zur Regionalliga hoch. Die war bis zur Einführung der dritten Bundesliga in der Saison 2014/15 die dritthöchste deutsche Liga. Die Innstädter hielten sich dann zwar bis in die Saison 2006/07, stiegen dann aber als Letzter ab. Nach einem Jahr Abstinenz gelang der Aufstieg, dem aber ein Jahr später der erneute Abstieg folgte. 2015/16 schaffte man zuletzt den Sprung in die jetzige vierte Liga. Sportlich hätte bis zur Saison 2017/18 dann alles gepasst. Aber diverse Abgänge führten dazu, dass der SBR zur Saison 2018/19 sein Team freiwillig in die Oberliga zurückzog.
Tischtennis ist
mehr als nur der SBR
Der 16. Dezember 2018 wird dann mit Sicherheit in die Geschichtsbücher eingehen: Der SBR meldete sein Sextett sogar aus dieser Liga ab (wir berichteten). Tischtennis in Rosenheim bedeutet aber nicht nur SBR. Im Laufe der Jahre gründeten sich erfreulicherweise viele Abteilungen. 1977 wurde die Tischtennisabteilung der Freien Turnerschaft unter der Leitung von Tasso Meckel ins Leben gerufen. Der heutige Bezirksvorsitzende Walter Schleich gründete 2001 die BSG Gabor Rosenheim, die sich 2006 auflöste. Im gleichen Jahr kam es zur Gründung des TTV Rosenheim, ebenfalls unter Walter Schleich.
Der SV Pang, der zu den Rosenheimer Vereinen gehört, ist ebenfalls ein wichtiges Mitglied. Auch wenn die genannten Vereine nie höher spielten als in der Oberbayernliga, so belebten beziehungsweise beleben sie die Rosenheimer Tischtennisszene. eg