„Torefestival der Starbulls“, oder „Mit den Fans kamen die Starbulls“, „7:1-Sieg wie eine Erlösung“, „Ein Schritt in die richtige Richtung“, „Frust von der Seele geschossen“ oder vielleicht doch „Rosenheim überrollt Memmingen“ – die OVB-Sportredaktion könnte den Lesern noch ein paar Schlagzeilen zu dem Eishockeyspiel gestern Abend im Emilo-Stadion präsentieren. Alle hätten gepasst, aber geworden ist es dann „Mit Höller sieben Starbulls-Böller“, weil mit Alexander Höller, dem Neuzugang aus Dresden, der Torknoten geplatzt ist, er selbst zwei Tore zum 7:1 (1:0, 4:0, 2:1)-Erfolg beigetragen hat und er auch noch an zwei Toren maßgeblich beteiligt war.
Überhaupt war die Sturmreihe mit Chase Witala, Michael Baindl und Alexander Höller nicht zu stoppen, erzielte vier der sieben Tore und schrieb insgesamt elf Skorerpunkte. Jetzt in eine Jubelarie zu verfallen wäre allerdings der falsche Weg, aber das Spiel gestern Abend war sicher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Man hatte das Gefühl, dass sich die gesamte Mannschaft für ihren in der Fankritik stehenden Trainer Manuel Kofler förmlich zerriss.
Und der Coach selbst hatte an einem Treffer sogar maßgeblichen Anteil: Rosenheim spielte sich 45 Sekunden vor Schluss des zweiten Drittels im Memminger Drittel fest und Kofler dirigierte von Außen das Spiel, blickte immer wieder auf die Uhr, mahnte seine Spieler lautstark an noch nicht zu schießen – bis sich für Niki Meier die Lücke auftat und er zum 5:0 traf.
Registrierte Manuel Kofler die ersten vier Treffer noch mit innerer Freude, platze es beim 5:0 aus ihm heraus. Die Erleichterung war greifbar, der zentnerschwere Ballast der letzten Wochen fiel ab und die Fans aus der Mangfallkurve, die das erste Drittel aus Protest nicht im Stadion waren, sangen schon wieder von der Oberliga-Meisterschaft. So schnell kann es gehen. Die Spruchbänder „Keine Tore, keine Stimmung, uns reichts“ konnten eingerollt und bis zur nächsten Starbulls-Torkrise verstaut werden.
Gestern Abend wurde wieder einmal deutlich, wie sehr der Sport eine Kopfsache ist und wie eng Glück und Pech, Sieg und Niederlage beieinanderliegen. So wie im ersten Drittel, als der Starbulls-Motor noch arg stotterte, als das 1:0 durch Alexander Höller vielleicht sogar ein Schlittschuhtor war und als die Gäste zwei mal nur das Gestänge von Lukas Steinhauers Tor trafen.
„Da haben wir noch einigermaßen mithalten können und zweimal den Pfosten getroffen, aber dann hat uns die Heimmannschaft überrollt“, erklärte Gäste- Trainer Sergej Waßmiller, der mit seinem Team vor zwei Tagen immerhin den Hauptrundenmeister Peiting mit 3:0 abfieselte.
Man kann nur hoffen, dass die Fans nach diesem erlösenden Sieg und vor dem ersten Spiel der Meisterrunde am kommenden Freitag, 19.30 Uhr, gegen Landshut wieder voll hinter dem gesamten Team stehen. Natürlich müssen die Starbulls auch abliefern. Dass sie das können, haben sie nicht nur einmal bewiesen. Und übrigens: Die OVB-Sportredaktion hätte für den Freitag schon eine Überschrift in der Hinterhand. Wie wäre es mit „Derbysieg gegen den Erzrivalen“?