Rosenheim– Die beste Nachricht kam in der ersten Drittelpause. Da konnten die Starbulls Rosenheim nämlich stolz verkünden, dass die Schüler zur „Mannschaft des Jahres“ in Rosenheim gewählt wurden und der frühere Starbulls-Nachwuchstorhüter Philipp Grubauer den Titel als Rosenheimer „Sportler des Jahres“ abräumte. Die aktuelle Truppe der Rosenheimer ist – Stand heute– nicht gefährdet, bei der nächsten Sportlerwahl überhaupt in den Dunstkreis der Nominierten zu geraten – es sei denn, es wird die „Enttäuschung des Jahres“ gewählt. Dann ist man mit der gestrigen Leistung weit vorneweg, denn mit dem 1:6 vor heimischer Kulisse gegen die Selber Wölfe gab es den nächsten Tiefpunkt in der noch jungen Meisterrunde der Eishockey-Oberliga Süd.
Zwei Knackpunkte im ersten Drittel
Was ist denn eigentlich in die Köpfe der Rosenheimer Spieler gefahren? Da gab es nach der 2:10-Pleite in Regensburg auf einer extra einberufenen Fanversammlung vollmundige Worte, denen allerdings keine Taten folgen. Die Leistung gegen Selb war bezeichnend für die letzten Wochen, als der selbst ernannte Aufstiegsanwärter zu einer biederen Durchschnittsmannschaft mutierte. Ein so gut wie nicht vorhandenes Zweikampfverhalten, fehlendes Zusammenspiel, wirre Aufbaupässe, Unvermögen vor dem gegnerischen Tor und ein Powerplay, das eher zum Nachteil gerät– das ist kurz zusammgefasst der Ist-Zustand des Rosenheimer Teams.
„Mit der ersten schlechten Aktion bricht alles zusammen“, meinte Trainer Manuel Kofler nach der Partie resigniert. Gegen Selb gab es zwei Knackpunkte im ersten Drittel: Zum einen ein 90 Sekunden andauerndes Fünf-gegen-Drei-Powerplay, in dem die Rosenheimer Stand-Eishockey mit drei, vier Kontakten spielten. „Da muss die Scheibe schnell laufen“, so Kofler. Tat sie aber nicht, weshalb der „Druck nicht so extrem war, wie wir das wollten“.
Zweiter Punkt war das Tor zum 0:1, als aus dem Nichts Selbs Goalgetter Ian McDonald frei vor Lukas Steinhauer stand, diesen auch bezwang, aber die Scheibe noch nicht komplett über der Linie war, als Schiedsrichter Erdle schon auf Tor entschieden hatte– Pech kommt halt bei so einem Anti-Lauf dann auch dazu.
Aber: Glück muss man sich auch verdienen – und das taten die Starbulls nicht. Von einem unbändigen Willen, das Spiel zu drehen, war nichts zu spüren. Einmal mehr stellte ein gegnerischer Kontingentspieler wie der dreifache Torschütze McDonald die Weichen auf Gäste-Sieg. Allerdings wurden ihm seine beiden weiteren Tore auch leicht gemacht: Beim 0:3 ging Tom Pauker vor ihm auf die Knie, beim 1:4 lieferte Robin Slanina gleich zweimal ein fragwürdiges Zweikampfverhalten ab. McDonald und seine beiden Sturmkollegen Erik Gollenbeck und Lanny Gare erzielten übrigens alle sechs Treffer der Gäste.
Das Rosenheimer Tor zum zwischenzeitlichen 1:3 ging auf das Konto von Kapitän Michael Baindl, der knapp sechs Minuten vor dem Ende traf und noch einmal kurzzeitig für Hoffnung sorgte. Als Selb dann aber mit drei weiteren Toren antwortete, platzte auch den Fans, die fast das gesamte Spiel durchsangen, der Kragen: Mit „Kofler raus“-Rufen und „Wir ham die Schnauze voll“-Gesängen wurden Mannschaft und Trainer nach der „geschlossen schlechten Mannschaftsleistung“ (O-Ton Kofler) in die Kabinen verabschiedet. tn