Einen großen Anteil daran hat auch das Nordic-Skiteam XC3 des Chiemgau/Inngau, dessen Kopf der ehemalige Weltklasse-Langläufer Tobias Angerer ist. Mit 15 Jahren sind die beiden Talente in das durch Privatinitiative entstandene Team gestoßen. „Die beiden Jungs sind ein Beispiel und Vorbild für viele andere und beweisen, dass es möglich ist, seine Träume und Ziele zu verwirklichen“, so Angerer. Toni Strehhuber und Janik Werner waren die ersten Trainer für Knopf und Sossau, aktuell leiten Frank Nitsch und Manuel Schnurrer das Training. Martin Werner fungiert als Organisator. „Die Medaille ist eine Bestätigung dafür, was wir vor fünf Jahren begonnen haben“, so Angerer, der mit dem Skiteam Talenten zwischen 15 und 18 Jahren den Weg zu einer Sportkarriere ebnen will. Der zweimalige Gesamtweltcupsieger weiß aber auch, dass den Grundstein zunächst die Eltern und Heimtrainer der jungen Langläufer legen. „Wir haben ihnen das Werkzeug vermittelt und alles in die richtigen Bahnen gelenkt. Den Antrieb dazu haben sie selber gehabt.“ Wichtig ist Angerer, seine Erfahrungen als Sportler samt seinen Fehlern, die er gemacht hat, weiterzugeben.
Auf den Geschmack gekommen
„Ich hätte nie daran gedacht, dass ich so weit kommen werde. Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich das nie geschafft“, gibt Florian Knopf zu. Nach dem Schülerbereich hatte er große Zweifel und überlegte, ins Lager der Biathleten zu wechseln. Genau in dieser Zeit entstand das Nordic-Skiteam XC3, in dieses holte ihn Toni Strehhuber. Der junge Sportler hat das Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien besucht und dort sein Abitur gemacht. Mittlerweile ist er beim Zoll und findet dort beste Voraussetzungen für seinen Sport. Zum Langlaufen ist er als Schüler über eine Sichtung des SLV Bernau gekommen. „Ich habe da mitgemacht und das hat bei mir eine Art Grundbegeisterung ausgelöst“, erinnert er sich. Da in Bernau im Winter allerdings selten so viel Schnee wie in diesem Jahr liegt, ging es zum Training ins nahe Sachrang oder nach Hintergschwendt und nach Reit im Winkl. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille ist ihm auch bewusst, dass er bereits eine gewisse Vorbildfunktion für die jungen Sportler in seinem Verein hat. Gefragt nach seinen Zielen gibt er sich eher vorsichtig. „Ich will mir keinen Rucksack auferlegen.“ Im Continental-Cup ist er derzeit zweiter und will hier bis zum Saisonende auf dem Podium bleiben. Bei der deutschen Meisterschaft in Reit im Winkl will er möglicherweise „die Großen“ etwas ärgern. „Natürlich gibt es auch den Traum von Olympia“, gibt er zu. Zunächst will er aber den Sprung in den Weltcup schaffen. Vorbild ist dabei für ihn der junge Jonasch Brugger, der unlängst seinen ersten Weltcupsieg schaffte.
Langlaufen in die Wiege gelegt hat Anian Sossau bekommen. Die Loipe in Eisenärzt führt direkt hinter seinem Elternhaus vorbei. Sein Vater hat die Strecke immer gespurt, sodass der Sohn gleich nach der Schule trainieren konnte. „Mein Papa war mein erster Trainer und ich wollte immer gleich bei den „Großen“ mitmachen. Da habe ich viel gelernt“, erzählt er. Zur Schule ist er in die Mittelschule Siegsdorf gegangen, dort hat es dank der Hilfe der Lehrkräfte immer gut mit dem Sport gepasst. Aktuell ist er auf den Sprung in die Sportfördergruppe der Bundeswehr. Die Teilnahme an der Juniorenweltmeisterschaft ist für Sossau auch ein gutes Zeichen für die Arbeit im Nachwuchsbereich seines SC Eisenärzt. „Bei mir ist der Knoten erst so richtig im Jugendteam aufgegangen. Ich habe mich immer mehr steigern können“, freut er sich. Seine Ziele sind ähnlich wie jene bei Florian Knopf. Gute Platzierungen im Conti-Cup und endlich die noch fehlende Medaille bei deutschen Meisterschaften holen. Längerfristig will er sich im Weltcup etablieren und wenn es geht, mit seinem Kumpel Knopf bei einem Großereignis teilnehmen.
Ein Rennen lesen lernen
Anian Sossau bevorzugt den Sprint und das Skating, betont aber, dass heutzutage komplette Athleten gefordert sind. Auf den kurzen Strecken ist auf alle Fälle ein gutes Gespür für Taktik notwendig. „Da ist jeder Meter hart umkämpft, zum Beispiel musst du vorher das Streckenprofil genau abspeichern. Oft kommen die Attacken an den unmöglichsten Stellen“, erklärt er. Florian Knopf bezeichnet sich als Allrounder und fühlt sich auch im klassischen Stil wohl. „Lang ist gut, kurz ist gut, mir taugt jeder Meter“, bringt er es auf den Punkt. Ein Rennen muss gelesen werden, sind sich beide Sportler einig. „Du hast zwar deine eigene Taktik, weißt aber nicht, was die anderen vorhaben. Je näher das Ende eines Rennens kommt, umso spannender wird es. Man fühlt, dass es bald knallt“, schildert Knopf die Anspannung und bezeichnet es als Lernprozess in seiner Karriere. Stockbrüche, Stürze gehören dazu. „Am gescheitesten ist es, immer mit den Vorderen mit schwimmen und auf der Hut sein. Wichtig ist, unter Stress einfach das Richtige zu machen.“ shu