Inzell – Mit der obligaten Eröffnungsfeier im Inzeller Ortszentrum wird am heutigen Mittwochabend die Eisschnelllauf-Einzelstrecken-Weltmeisterschaft eröffnet. Die Wettkämpfe gehen von morgen Donnerstag bis zum Sonntag in der Max-Aicher-Arena über die Bühne. Nach 2011 die zweiten Titelkämpfe in der Arena.
Damit die weltbesten Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer beste Bedingungen vorfinden ist Toni Doppler der entscheidende Mann. Er ist mit seinem Team für den glatten Untergrund in der Inzeller Max-Aicher-Arena verantwortlich.
Toni Doppler ist der Teamleiter der Eismeister und dafür zuständig, dass die Sportler aus aller Welt ein perfektes Eis unter ihren Kufen haben. 16 Jahre macht Doppler den Job, insgesamt sind fünf Eismeister für den reibungslosen Betrieb auf der 400-Meterbahn und auf dem Eishockeyfeld zuständig. Ab kommenden Donnerstag stehen sie besonders im Mittelpunkt, dann beginnt die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft im Mekka des Eisschnelllaufens. „Das A und O ist unser gutes Team, wir unterstützen uns gegenseitig und es läuft alles harmonisch“, so der 54-Jährige. Für ein gutes Eis ist aber noch einiges mehr notwendig. „Eine richtige Formel gibt es nicht, es braucht einfach ein gutes Gespür dafür. Wir wollen den Sportlern im Training und im Wettkampf immer das optimale Eis bieten. Das ist unser Anspruch.“
Für die Eisbereitung mineralisiertes Wasser
Inzell ist für sein gutes Eis seit über 50 Jahren in der ganzen Welt bekannt. „Unsere Messlatte ist sehr hoch, das hat auch was mit unserer Mentalität zu tun. Dazu sind wir sehr flexibel. Wenn die Bahn manchmal sehr beansprucht wird, fahren wir auch mit zwei Eismaschinen um optimale Bedingungen zu schaffen.“ Für die Eisbereitung wird mineralisiertes Wasser verwendet, das ist weltweit Standard. Das sogenannte Osmosewasser wird von sämtlichen anderen Stoffen befreit. Das System unter der Eisbahn ist vergleichbar mit einer Fußbodenheizung. Nur dass in den Rohren kein warmes Wasser ist, dort verdampft Ammoniak das durchläuft, die Wärme entzieht und die Bahn dadurch vereist. Bis zu dreieinhalb Zentimeter beträgt die Eisdicke. „Bei Wettkämpfen haben wir eine Mischung aus Kälte auf der Bahn und Wärme in der Halle. Da ist jeder von uns quasi sein eigener Koch bei der Eisbereitung. Langjährige Erfahrung und Feingefühl sind gefragt“, sagt Doppler.
In der Regel herrschen in der Halle maximal zehn Grad, während der WM ist es noch etwas wärmer. So bringen etwa die rund 5000 Besucher einiges an Wärme in die Halle und geben diese auch ab. Das alles hat einen Einfluss auf die Beschaffenheit des Eises und wird eine der Herausforderungen für das Team der Eismeister während der Titelkämpfe. Schmunzeln muss Doppler über den oft in den Medien verwendeten Begriff „Inzeller Sahneeis“. „Darüber freuen wir uns natürlich, aber erst in den Nachberichten. Vorher wollen wir uns damit nicht unter Druck setzen lassen.“
Superstars bedanken sich bei Doppler-Team
Am meisten freuen sich die Inzeller Eismeister aber über das Lob der Sportler. Ob Hollands Superstar Sven Kramer oder Claudia Pechstein, sie bedanken sich immer bei den Männern um Toni Doppler. „Die kommen alle zu uns und gehen davon aus, dass wir ihnen immer bestes Eis bieten.“ Dass es die Inzeller in Sachen Eis machen drauf haben, weiß seit vielen Jahren die ganze Welt. 1992 sind die Eismeister bei den Olympischen Spielen in Albertville vor Ort gewesen. Eine Europameisterschaft in Budapest haben sie vor dem „Absaufen“ bei plötzlich eintretenden hohen Temperaturen gerettet. Auf Empfehlung von Eisspeedway-Pilot Günther Bauer hat Doppler sogar einmal nach Almaty/Kasachstan fliegen müssen um die dortigen Rennen ohne Probleme stattfinden zu lassen. In guter Erinnerung hat der Inzeller Eismeister auch noch die Freiluftbahn im damaligen Ludwig-Schwabl- Stadion. „Da hatten wir im Herbst Laub auf der Bahn. Regen, Schnee und Sonneneinstrahlung waren immer ein Thema. Täglich mussten wir den Wetterbericht verfolgen. Die Kälteanlagen sind meistens volle Pulle gelaufen. Das gibt es in der Halle nicht mehr.“
Nach der Weltmeisterschaft gibt es für Toni Doppler und seine Mitstreiter aber kaum Zeit zum entspannen. Dann heißt es sich Vorbereiten auf die Eisspeedway-WM im März. Da werden rund 45000 Liter Wasser benötigt um eine Eisdicke von bis zu 17 Zentimeter herzustellen. „Das ist dann ganz ein anderes Eis, es darf nicht zu hart sein. Ich will es mal so beschreiben, das ist so, als wenn man über ein schönes Tanzparkett mit genagelten Schuhen herum trampelt. Aber Eisspeedway gehört wie Eisschnelllaufen zu Inzell und ist eine Traditionsveranstaltung“, so Doppler. Nach dem Eisspeedway heißt es schließlich rasch abtauen in der Max-Aicher- Arena, denn im April gehen dort die Taekwondo-Weltmeisterschaften über die Bühne. Diese Sportler hätten mit einem kalten und rutschigen Untergrund wohl wenig Freude.