Dylan Stanleys Rekord für die Ewigkeit

von Redaktion

Jahrzehntelang hatte im Eishockey bei Punktgleichheit der „direkte Vergleich“, also die Spiele punktgleicher Klubs gegeneinander, eine Tiebreak-Funktion. Wäre das heute noch so, würde es zwischen Rosenheim und Peiting schwierig werden, erwiesen sich die beiden im direkten Aufeinandertreffen doch heuer als exakt gleichwertig.

Rosenheim – Je drei Siege für beide, ein Torverhältnis von 22:22, alle sechs Partien durch einen einzigen Treffer Differenz entschieden, wobei nur zweimal das Heimteam gewann, und sogar die Überzahlzeit von rund vierzig Minuten unterscheidet sich nur um 20 Sekunden. Lediglich da erweist sich Peiting etwas erfolgreicher: Die Starbulls schossen nur vier Powerplay-Treffer, konnten die acht gegnerischen aber durch zwei eigene Shorthander wenigstens ein bisschen kompensieren.

Dumm nur, dass die Peitinger 18 Punkte mehr gesammelt haben und die Tabellenführung innehaben, während die Starbulls auf Rang vier festzementiert sind. Acht Punkte Rückstand in sechs Spielen wären höchstens bei einem gravierenden Landshuter Durchhänger noch aufzuholen, und die fünftplatzierten Memminger haben bei gar 16 Zählern Rückstand nur noch eine theoretische Chance, an den Starbulls vorbeizuziehen.

Da war natürlich hilfreich, dass Baindl, Pauker & Co. am Sonntag nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem litauischen Ein-Mann-Unternehmen Kumeliauskas den längeren Atem behielten und erstmals in dieser Saison am Hühnerberg siegreich blieben. Und dabei bescherten sie den Memmingern das gleiche Schicksal, das sie selbst am Freitag erlitten hatten, nämlich nach Torerfolgen in der „ersten Halbzeit“ im restlichen Verlauf des Spiels rund 32 Minuten lang nicht mehr zu treffen. Dabei hatten die Indians keins der bisher fünf Heimspiele in der Meisterrunde in regulärer Spielzeit verloren und waren hinter Landshut und Selb die beste Heimmannschaft. Die Starbulls sind übrigens in der Meisterrunde auswärts stärker als zu Hause. Nur Peiting mit der fast makellosen Auswärtsbilanz von 17:1 Punkten toppt die Rosenheimer 13:5.

Ein Grund dafür, dass die Starbulls nur von Platz vier aus in die Play-offs starten werden, liegt an der zeitweise arg schwächelnden Offensive, was aber derzeit kein Problem ist, denn 6:3, 4:5, 4:1, 8:4, 7:0 und 4:3 hieß es zuletzt aus Rosenheimer Sicht. 33 Treffer in sechs Spielen – das hatte es heuer auch in den offensiv starken Phasen zu Saisonbeginn nicht gegeben. Man muss fast genau ein Jahr zurückblättern bis in den Februar 2018, als vom 28. Januar bis zum 16. Februar sogar 34 Rosenheimer Tore zu bejubeln waren. Interessant dabei: In den sechs Spielen damals hieß der Gegner zweimal Landshut, zweimal Peiting und einmal Regensburg, also genau die Gegner, die heuer in der Tabelle vorne liegen. Und: Es gab nicht nur eine Niederlage in den sechs Begegnungen wie heuer, sondern trotz der 34 Tore gleich drei, unter anderem ein 5:7 in Weiden.

Drei Gegentore in den schwächsten Minuten

Wie auch am Wochenende zuvor, konnten die Starbulls auch diesmal wieder einige Male die gegnerische Verwirrung nach Toren zu blitzartigem Nachlegen nutzen. Die vier Tore gegen Peiting fielen allesamt aus Doppelschlägen (129 Sekunden zwischen 1:1 und 2:1 sowie 85 Sekunden zwischen 3:2 und 4:2), was aber bekanntlich nicht reichte, weil darauf die erwähnten 32 Minuten Flaute folgten. Am Sonntag perfektionierte Tom Pauker die „Blitzkrieg“-Methode, indem er Matthias Bergmanns drittem Ausgleich gleich zwei weitere Tore zum 4:3 und 5:3 folgen ließ. Zwar lag dazwischen die zweite Drittelpause, aber Netto-Spielzeit brauchten Bergmann und Pauker für die spielentscheidenden drei Treffer nur 87 Sekunden, was ihnen Rang zwei in der ewigen Rosenheimer Oberliga-Historie in dieser Rubrik einbringt. Fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren, am 16. Februar 2007, waren Stephan Stiebinger, Paul Weismann und Patrick Neundorfer beim 9:4 gegen Füssen noch 16 Sekunden schneller. Und auch den Rekord für zwei Tore eines Spielers hat Pauker mit seinen 55 Sekunden nicht geschafft; den hält Dylan Stanley wohl in alle Ewigkeit, seit er am 14. November 2008 beim 7:5 in Kaufbeuren nur fünf Sekunden (!) zwischen zwei Toren verstreichen ließ!

Zuvor hatte bereits der seit Wochen konstanteste Torschütze, Michael Baindl, beide Male die Kumeliauskas-Führungen egalisiert. Das 2:2 fiel zwar vom Zeitpunkt her (0,7 Sekunden vor der Drittelsirene!) spektakulär, aber in dieser Phase nicht ungewöhnlich. Sowohl die 20. als auch die 25. Minute, in der Baindl zum zweiten Mal traf, zählen zu den drei erfolgreichsten Starbulls-Minuten in dieser Saison: 6:1 lautet die Bilanz in der 20. Minute, gar 7:1 in der 25.! Lediglich in der 29. Minute war man ebenso erfolgreich (9:3 Tore). Und, Zufall oder nicht: Die drei Treffer, mit denen Peiting am Freitag das Spiel vom 2:4 auf 5:4 drehte, fielen allesamt in drei der vier bis dato schwächsten Spielminuten im Saisonverlauf. In der 31. Minute lautet die Bilanz inzwischen 0:5, in der 36. 0:3 sowie in der 52. 1:6. Nur die 47. Minute (bisher 1:5) blieb am Freitag gegentorfrei. Wirklich nur Zahlenspielerei?

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