Rosenheim – Hohe Wettquoten hätten die Spiele der Starbulls Rosenheim an diesem Wochenende wohl nicht gebracht; die Niederlage in Selb und den Heimsieg gegen Weiden konnte man wohl erwarten. Dies nicht nur, weil zum einen Selb mit 19 von 21 möglichen Punkten bestes Heimteam der Meisterrunde ist und zum anderen nur die punktlosen Höchstädter auswärts weniger Punkte holten als Weiden, sondern auch, weil die Bilanz dieser beiden Teams gegen Rosenheim in den letzten beiden Jahren ähnlich krass aussieht. Seit dem Abstieg in die Oberliga reisten die Starbulls viermal nach Selb und verloren viermal (einmal im Penalty-Shootout), Weiden lieferte sogar alle zwölf Punkte brav ab der Mangfall ab, zum Teil mit deftigen Ergebnissen (2:7, 5:8 und nun 1:6).
Drei Tore innerhalb von 2:16 Minuten
Zwei Konstanten konnte man am Sonntag gegen die Blue Devils erleben. Da war zum erst einmal Michael Fröhlichs Comeback-Treffer zum 5:1. Sein letztes Tor hatte er vor fast vier Monaten, am 28. Oktober 2018 geschossen, und der Gegner hieß ebenfalls Weiden. Sein Tor zum 3:0 damals hatte die Partie sehr früh, in der fünften Spielminute, entschieden; es war der dritte Treffer binnen 2:25 Minuten. Diesmal legten die Starbulls in dieser Hinsicht sogar noch eine Schippe drauf: Ende des ersten Drittels schossen sie mit drei Toren innerhalb von 2:16 Minuten die Blue Devils in die Niederlage und deren Torhüter Wiedemann vom Eis. Dass es im Mittelabschnitt nicht so weiterging, lag an dessen Vertreter Niko Stark (per Förderlizenz im Einsatz, sonst bei Schönheide in der Regionaliga Ost), der im Mittelabschnitt 23 Rosenheimer Schüsse in teils grandioser Manier entschärfte und erst im letzten Drittel durch Fröhlich wieder bezwungen wurde.
Zwei der Tore zu Beginn gingen auf das Konto von Chase Witala, der in der Reihe mit Michael Baindl und Alex Höller voll aufblüht und besonders zum Start fast immer voll da ist. 22 mal schossen die Starbulls bisher das 1:0, fünfmal war es Witala. Je viermal machten Viteszlav Bilek und Dusan Frosch (beide derzeit mit starken „Durchhängern“) den Auftakt, die restlichen 13 1:0-Treffer verteilen sich auf acht weitere Schützen.
Lange Recherche des Statistikers
In Selb wäre ein frühes Witala-Tor nicht schlecht gewesen, aber da lief es ja bekanntlich spektakulär anders. Zwar war das 0:1 nach 16 Sekunden nicht einmal Saison-Negativ-Rekord (Landshut war beim 5:4-Overtime-Sieg am 30. November bereits nach zehn Sekunden in Führung gegangen), aber 0:2 nach 38 Sekunden – da etwas Ähnliches zu finden, das erforderte schon einige Recherche des Statistikers. Erfolglos, wie sich zeigte: Noch nie seit der Rückkehr aus dem Bereich der Landesverbände im Sommer 2004 hatte ein Rosenheimer Team in der ersten Spielminute dermaßen „gepennt“. In sieben Jahren Zweiter Liga und inzwischen fast acht Jahren Oberliga (mit knapp 900 Vorrunden- und Playoff-Spielen) hieß es insgesamt erst siebenmal (!) schneller als nach drei Minuten 0:2. Der bisherige Oberliga-Rekord datiert vom 16. Februar 2018, als die Starbulls nach 111 Sekunden 0:2 hinten lagen, ironischerweise in Weiden, als die Starbulls auf dem Weg zur 5:7-Niederlage so früh in Rückstand gerieten. Leidtragender war damals übrigens nicht Lukas Steinhauer, sondern Förderlizenzler Michael Böhm aus Bad Tölz.
Eine Spielklasse höher ging es (in der Saison 2004/05) zweimal noch schneller. Im zweiten Heimspiel nach dem Aufstieg aus der Bayernliga geriet man (mit Robert Haase im Tor) bereits in den ersten 93 Sekunden doppelt ins Hintertreffen, und am 12. Dezember 2004 war Oliver Häusler nach 90 Sekunden schon zweimal geschlagen. Nach dem 0:3 in der fünften Minute schafften es die Starbulls damals allerdings noch, das Spiel gegen Heilbronn zu einem 4:3-Sieg zu drehen.
Was durch den spektakulären „Früh-Einbruch“ am Freitag fast übersehen wurde: Es war im 99. Spiel seit dem Abstieg aus der DEL2 die erste Zu-Null-Niederlage für die Starbulls! 14-mal hatten sie nur den Ehrentreffer erzielt (fünfmal letzte Saison, neunmal heuer), aber ganz leer waren sie noch nie ausgegangen. Der Gegner (Peiting, Höchstadt, Hannover Indians sowie zweimal Waldkraiburg) kassierte in diesem Zeitraum bereits fünfmal Nullnummern, jedesmal gegen Steinhauer.
Zwei Tore gegen Weiden fielen am Sonntag in Überzahl. Damit haben die Blue Devils den schwarzen Peter, als einziges Team gegen ein nicht unbedingt hochklassiges Rosenheimer Powerplay in jedem Spiel Powerplaytore kassiert zu haben (sechs in 15 Situationen).