Brutale Galligkeit und ganz viel Mut

von Redaktion

INTERVIEW Der neue 1860-Trainer Thomas Kasparetti zieht Bilanz und blickt voraus

Rosenheim – Thomas Kasparetti ist seit knapp einem Monat neuer Cheftrainer beim Fußball-Regionalligisten TSV 1860 Rosenheim. Seit Sommer war der 35-Jährige als Co-Trainer bei den Sechzigern engagiert und löste im Januar Ogi Zaric auf der leitenden Position ab. Der Ameranger, der im Vorjahr den TSV Bad Endorf in die Bezirksliga geführt hatte, feiert seine Punktspiel-Premiere als 1860-Coach am kommenden Montag in Memmingen, das Spiel wird live im TV übertragen.

Ihre Mannschaft hat nach dem Trainingslager noch drei beeindruckende Testspielsiege errungen. Wie lautet Ihr Fazit der Vorbereitungsphase?

Es gibt momentan wenig zu kritisieren, die komplette Vorbereitungsphase ist ganz gut verlaufen. Einzige Wermutstropfen sind die Verletzungen von Adel Merdan und Bruno Goncalves, die wir verkraften müssen. Aber rein von dem, was wir uns vorgenommen haben, von den Inhalten, wie wir zusammenwachsen wollen, haben wir das gut hinbekommen. Man sieht das auch vom Auftreten her, das sehr selbstbewusst ist. Genau in dieser Stimmung wollen wir in der Rückrunde auftreten.

Auf was haben Sie besonderen Wert gelegt?

Wir wollen eine brutale Galligkeit an den Tag legen und mit ganz viel Mut auftreten. Zum Auftakt in Memmingen ist es bestimmt nicht leicht. Wir werden dort auf einen tiefen Boden treffen, das heißt, wir müssen die Zweikämpfe annehmen und vom Kopf her dafür bereit sein. Ich habe aber auch das Gefühl, dass die Jungs auf den Saisonstart brennen und jetzt lange genug den Trainingsplatz gesehen haben. Wir freuen uns darauf!

Ihre Premiere als Regionalliga-Trainer findet deutschlandweit live im Fernsehen statt. Das ist doch auch etwas Besonderes, oder?

Natürlich ist das eine spannende Sache, ich würde lügen, wenn ich das verdrängen würde. Letztendlich ist es für manche spannender wie für mich selbst. Ich weiß, woher ich komme, und bin demütig genug, um zu wissen: So schnell, wie es nach oben geht, geht es auch wieder runter. Von daher nehmen wir das Spiel wie jedes andere. Es ist einfach eine andere Kulisse, aber unsere Mannschaft hat in den letzten Jahren immer bewiesen, dass sie zur Höchstform aufläuft, sobald Atmosphäre herrscht und Zuschauer kommen.

Sie konnten sich ein halbes Jahr intensiv an die Regionalliga gewöhnen. Steigt trotzdem langsam das Lampenfieber bei Ihnen?

Nein, gar nicht. Es hat mir gutgetan, dass ich beobachten konnte, welches Tempo hier abgeht. Grundsätzlich ist Fußball aber immer das Gleiche, je höher man kommt, umso schneller und komplexer wird es halt. Letztendlich müssen wir nur schauen, dass die Ergebnisse passen.

Im Test bei 1860 München kam es zur Rennaisance der Flügelzange Köhler/Mayerl, die in der Herbstrunde kaum gefragt war. Zurück zu den Wurzeln?

Beide haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie auf diesem Niveau Top-Spiele abliefern können. Sie haben die Erfahrung und genügend Regionalliga-Spiele auf dem Buckel. Sie hatten unterschiedliche Situationen in der Hinrunde, Max Mayerl war lange mit der Hand verletzt, dann hat das System nicht hundertprozentig auf sie als Spielertypen gepasst. Da läuft auch viel über das Selbstvertrauen. Man merkt, dass sie wieder aufblühen, und das tut uns allen gut.

Stichwort aufblühen: Danijel Majdancevic hat in der Vorbereitung seinen Torriecher wieder gefunden.

Das ist bei jedem Stürmer so: Wenn du merkst, dass der Ball wieder im Netz zappelt, dann macht es auch wieder mehr Spaß. Man sieht es dem Dani an, dass er richtig Freude am Fußballspielen hat. Ich bin mir sicher, dass er noch eine ganz wichtige Rolle spielen wird.

Im Winter gab es mit Luftetar Mushkolaj einen Neuzugang. Wie sind Sie mit ihm bislang zufrieden?

„Lufti“ war für mich selbst ein bisschen ein Überraschungspaket, weil ich ihn zuvor nur einmal gesehen hatte. Er hat etwas, was andere nicht haben, und tut uns wirklich gut. Ob er das allerdings konstant abrufen kann, muss man abwarten. Charakterlich ist er in Ordnung, sonst wäre er nicht so schnell in die Mannschaft reingewachsen.

Am Abschlusswochenende stand Mario Stockenreiter gegen Wörgl im Tor, Marius Herzig bei den Löwen. Ist das schon für den Saisonstart aussagekräftig?

Beide wissen, dass sie auf gleichem Niveau spielen. Wir haben in der Vorbereitung reichlich getestet, aber da möchte ich mich noch gar nicht festlegen. Jetzt entscheiden halt Nuancen und manchmal auch das Bauchgefühl.

Mit Garching hat ein Kontrahent im Abstiegskampf im Nachholspiel am Wochenende drei Punkte geholt. Wie schauen Sie derzeit auf die Tabelle?

Wir gehen davon aus, dass es bis zum Schluss brutal eng sein wird. Wir haben aber Spieler mit genügend Erfahrung, die auch wissen, wie sie damit umgehen müssen. Letztendlich muss es uns komplett wurscht sein. Wir konzentrieren uns auf uns selbst, haben das die gesamte Vorbereitung gemacht. Wenn wir an uns glauben und unsere Leistung auf den Platz bringen, dann ist es egal, wer kommt. Wir haben in der Vorrunde bewiesen, dass wir jeden schlagen können, und warum soll es uns nicht möglich sein, bei jedem Spiel auf Sieg zu gehen?Interview: Neumeier

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