Rosenheim – Der Fußball-Regionalligist TSV 1860 Rosenheim steht derzeit mit dem Rücken zur Wand. Nach der Niederlage (0:2) im Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten SV Heimstetten mehr denn je. Platz 17 und 23 Punkte aus 24 Spielen lautet die Bilanz zehn Spiele vor Saisonende. Ein Sieg könnte die derzeitige Lage etwas aufhellen – ob der heute, 14 Uhr, gelingt, ist fraglich. Fraglich deshalb, weil Schweinfurt ein Spitzenteam der Liga ist und weil bei 1860 Rosenheim, dem offensivschwächsten Team der Liga, die beiden Stürmer Markus Einsiedler und Danijel Majdancevic wegen der 5. Gelben Karte ausfallen.
Platz drei in der Viertliga-Tabelle und mit zwei Siegen (jeweils 1:0) aus der Winterpause gestartet, ist der 1. FC Schweinfurt eine auf den ersten Blick aussichtslose Aufgabe für Thomas Kasparetti und seine Spieler. Auch die Tatsache, dass die „Schnüdel“, wie man die Franken im Volksmund auch nennt, seit mehreren Jahren auf Profibedingungen umgestellt haben, spricht von einem ungleichen Duell. Was das Team von Ex-Profi Timo Wenzel jedoch konkret auszeichnet, ist eine hervorragende Tiefe im Kader. Damit ist gemeint, dass beinahe jeder Spieler ersetzbar ist und dem Trainer dadurch viele taktische Mittel und System- sowie Personalspielereien zur Verfügung stellt. Ob ein oder zwei Stürmer, Dreier- oder Viererkette – Wenzel könnte sein Team quasi an jeden Gegner adaptieren. Muss er aber nicht, da sein Team über so viel Qualität verfügt, dass man ganz einfach sein Spiel durchzieht.
Was jedoch nicht heißen soll, dass die Franken nicht verwundbar wären. Kurz vor der Winterpause verlor man in Pipinsried mit 0:5 und zu Hause gegen Schalding mit 1:3. Mit dem Ex-Burghausener Alexander Eiban verfügen die 05er über einen Keeper mit herausragenden Reflexen. Zusammen mit Philipp Messingschlager und Matthias Strohmaier bilden sie das defensive Konstrukt. 29 Gegentreffer aus 24 Partien signalisieren jedoch auch keine Unverwundbarkeit.
Personell musste man im Januar den Abgang von Christopher Kracun und Alexander Piller verkraften und verpflichtete noch kurz vor dem Ende des Transferfensters den Ex-Löwen Nico Andermatt, der seit dem Sommer ohne Verein war. Im Angriff ist Adam Jaibiri eine regelrechte Allzweckwaffe. Der 34-jährige Angreifer schoss letzte Saison satte 27 Treffer und hat aktuell zehn Tore auf dem Konto.
Gegen Heimstetten vertraute 1860-Coach Thomas Kasparetti auf eine Dreierkette, Christoph Wallner rückte für den Spielaufbau ins Team und Ludwig Räuber für die kreativen Momente hinter die Spitzen. Dass nach einem 0:2 gegen einen Liga-Konkurrenten in der taktischen Ausrichtung Umstellungen taktischer oder personeller Natur erfolgen, ist im Fußball ein probates Mittel. Kasparetti will sich diesbezüglich jedoch noch nicht in die Karten schauen lassen. Fakt ist aber, dass mit Bruno Goncalves (Knöchel) und Adel Merdan (Knie) beide Youngsters ebenso sicher ausfallen wie Michael Neumaier, der am Sprunggelenk verletzt ist. Alle anderen Wunden (Krätschmer mit muskulären Problemen, Heiß mit Platzwunde und Shabani mit einer Kopfverletzung) müssten jedoch von Team-Physio Markus Grundner so weit versorgt sein.
Es gibt viele Anekdoten zwischen Rosenheim und Schweinfurt – von Abstiegsrelegationen bis hin zu deutlichen Siegen für beide Teams. Eine Prognose ist schwer zu geben. Natürlich ist der 1. FC Schweinfurt 05 Favorit. Haushoher Favorit, um genau zu sein. Wetter und Platzbeschaffenheit versprechen ein Spiel, das wohl höchstwahrscheinlich auch über den Kampf entschieden wird. mpo