Rosenheim – Statt der Komplimente gab’s diesmal zumindest einen Punkt. Hatten sich die Regionalliga-Fußballer des TSV 1860 Rosenheim vor Wochenfrist beim Spiel in Schweinfurt viel Lob abgeholt, ohne etwas Zählbares mitzunehmen, so war die Leistung beim Heimspiel gegen die zweite Vertretung der SpVgg Greuther Fürth eher bescheiden. Immerhin blieb den Sechzigern mit dem 1:1 wenigstens ein Punkt, der die Rosenheimer in der Tabelle wieder auf den Relegationsrang kraxeln ließ.
„Das war kein spielerischer Leckerbissen“, musste auch 1860-Coach Thomas Kasparetti konstatieren, um aber im selben Atemzug auch gleich anzumerken: „Davon müssen wir uns in unserer Situation auch distanzieren.“ Lob hätte man in dieser Saison genug bekommen, „jetzt müssen wir die Prioritäten anders setzen“. Klar, es ist ein Abstiegskampf, eine ganz enge Kiste beim Blick auf die Tabelle. Da zählt jeder gewonnene Zweikampf, jede errungene Standardsituation. Natürlich geht es da vor allem über die Schiene Emotion und Leidenschaft. Allerdings: Da haben die Sechziger noch gewaltig Nachholbedarf. Über weite Strecken war davon nämlich wenig zu sehen. Weil auch die Fürther gekickt haben, als wären sie erst kurz vor Spielbeginn aus dem Bus ausgestiegen, hatte die Partie lange Zeit etwas von Sommerfußball pur.
„Es war viel verkrampft“, musste Kasparetti zugeben. Die Sechziger, die gegenüber dem Schweinfurt-Match neben Christoph Wallner und Pius Krätschmer (beide Gelbsperre) auch auf den verletzten Leopold Krüger verzichten mussten, taten sich schwer, aus dem Spiel heraus zu gefährlichen Aktionen im gegnerischen Strafraum zu kommen, und Fürth wartete einfach nur ab. Ein Kopfball von Markus Einsiedler am langen Pfosten vorbei und ein Schuss von Gäste-Akteur Patrick Ort aus spitzem Winkel an den Außenpfosten waren die einzigen nennenswerten Szenen im ersten Durchgang. Es war nicht so, dass sich beide Teams neutralisiert hätten, eher war es ein beidseitiges Nicht-in-der-Lage-sein.
Auch nach dem Wechsel gab es kaum Torszenen, wenn auch die Begegnung etwas lebhafter wurde. Kasparetti hatte von seinen Mannen mehr Körpersprache gefordert, musste aber erst einmal mit ansehen, wie der eingewechselte Tim Danhof nach einem weiten Ball frei vor dem Rosenheimer Tor auftauchte und den etwas übermotiviert herauslaufenden Torwart Marius Herzig überwand. „Da gibt immer eine Voraktion und die müssen wir noch genauer analysieren“, meinte der 1860-Coach zu diesem Gegentreffer, denn ein einziger gerader Ball reichte, um Fürths Torschützen in Szene zu bringen.
Sich selbst ins Rampenlicht befördert hat sich dann Korbinian Linner. Der eingewechselte Sechziger-Spieler brachte die Mentalität mit, die in so einer Situation notwendig ist. Erste Aktion: ein gewonnener Zweikampf, dazu gleich eine lautstarke Anfeuerung hinterher. Zweite Aktion: ein von ihm herausgeholter Eckball. Dritte Aktion: im Anschluss an den Eckball die Vorlage auf Danijel Majdancevic, der dann zum 1:1 einschoss. „Das war mit dem Knie, einfach Müller-Style“, lachte Linner nach der Partie. „Diesen Impuls haben wir uns durch seine Einwechslung erhofft. Er trainiert nach seiner Verletzung seit Wochen mit vollem Einsatz. Schon in Memmingen hat er Schwung reingebracht, hier auch nochmal – das sehen wir natürlich“, meinte Kasparetti. Das Spiel endete unentschieden, aber Linner war der Winner!
TSV 1860 Rosenheim: Herzig, Heiß, Räuber, Leinz, Köhler (ab 64. Linner), Maier, Shabani, Mayerl, Majdancevic (ab 91. Eminoglu), Einsiedler, Mushkolaj (ab 82. Sattelberger).
Schiedsrichter: Grimmeißen (SpVgg Löpsingen).
Zuschauer: 340.
Tore: 0:1 Danhof (60.), 1:1 Majdancevic (65.). – Besonderheit: Rote Karte für Greuther Fürths Adlung wegen einer Unsportlichkeit (90.).