Rosenheim – Same procedure as last year – so könnte man mit den Worten des „Dinner for one“ die Konstellation für die Starbulls im Play-off-Viertelfinale beschreiben. Wie im Vorjahr sind auch heuer wieder die Hannover Scorpions der Gegner, allerdings mit einem feinen Unterschied. Letzte Saison waren die Starbulls als Südzweiter gegen den Vierten des Nordens favorisiert, diesmal lastet diese Bürde auf dem Nord-Vizemeister, der bisher eine sehr starke Saison gespielt hat und sogar phasenweise vor den Tilburg Trappers, gegen die im Vorjahr im Halbfinale Schluss war, an der Spitze lag.
Rückblick: Letzte Saison verloren die Starbulls die beiden Auftaktspiele (zu Hause 1:4, in Hannover trotz einer fulminanten Aufholjagd mit vier Treffern in elf Minuten 5:6). Nach einem letzten Aufbäumen mit einem 4:3-Sieg im zweiten Heimspiel (Fabian Zicks Gamewinner fiel 16 Sekunden vor Schluss) wurden die Starbulls unter äußerst kontroversen Umständen mit 1:2 in die Sommerpause geschickt. Zick hatte zwei Minuten vor Schluss das einzige Tor des Spieles egalisiert, aber sieben Sekunden vor Schluss gab der Schiedsrichter ein „technisches Tor“ wegen Torverschiebens – das war’s für 2018.
Stark verändert haben sich die beiden Kader im Vergleich zum Vorjahr nicht. Bei den Starbulls stehen mit Höller, Frosch, Linden, Pauker und Slanina fünf Spieler auf dem Eis, die letztes Jahr nicht dabei waren, bei den Scorpions deren sechs (Torhüter Mathis, Verteidiger Schnell sowie die Stürmer Wilkins, Dejdar, Garten und Arnold). Was sich dagegen verändert hat, sind die Statistiken aus der Nordrunde. Die Scorpions ließen heuer 2,96 Tore pro Spiel zu (fast 0,4 weniger als letzte Saison) und schossen 4,94 Tore pro Spiel (0,8 mehr). Zum Vergleich die Werte der Starbulls: 3,94 geschossen, 2,92 kassiert. Fazit: Defensive fast gleich, Offensive ein großes Plus für Hannover – einer der Gründe, die die Scorpions zum Favoriten machen.
Und diese Firepower verteilt sich auf alle drei Blöcke. Zehn Spieler haben eine zweistellige Anzahl von Toren erzielt, darunter Verteidiger Sebastian Lehmann alleine 17! Glück für die Starbulls, dass der offensivstärkste Blueliner Dennis Schütt (63 Scorerpunkte) verletzt ausfällt. Beide spielten übrigens früher mal für die Starbulls, ebenso wie der aus Rosenheims Jugend stammende Christoph Koziol, Sean Fischer und Andrej Strakhov. Prunkstücke im Sturm sind aber Patrick Schmid (37 Treffer und zum zweiten Mal nacheinander Spieler des Jahres im Norden) sowie die langjährigen DEL- und DEL2-Routiniers Björn Bombis und Marian Dejdar. Und dass auch Sean Fischer und Christoph Koziol immer für ein entscheidendes Tor gut sind, mussten die Starbulls letztes Jahr erleben. Die Kontingentstellen sind überragend besetzt: Chad Niddery (50 Scorerpunkte) war letztes Jahr schon dabei, der Neue, Matt Wilkins (72 Punkte), ist wesentlich stärker als Brian Gibbons im Vorjahr.
In der Achtelfinalserie gegen Weiden, die mit einem 2:3-Fehlstart begann, dann aber mit drei Siegen in Folge gewonnen wurde, konnten bereits zwölf verschiedene Scorpions Tore erzielen, darunter mit Strakhov, Thomson und Pantic drei Verteidiger, die während der gesamten Nordrunde zusammen nur dreimal trafen. Torjäger Schmid (vier) sowie Dejdar und Niddery (zwei) waren die einzigen Mehrfachtorschützen.
Eine denkwürdige Bilanz ergibt sich auch bei den Special Teams. Bei Hannoveraner Strafzeiten stellt sich das fünftbeste Penalty-Killing des Nordens (81,4 Prozent) dem sechstbesten Powerplay des Südens (19,0 Prozent) entgegen, das allerdings in der Serie gegen Essen mit zwei Toren aus 17 Situationen selbst diesen eher geringen Wert nicht mehr erreicht hat. Und Vorsicht: Zwölf Tore haben die Scorpions im Norden bei eigener Unterzahl bereits erzielt! Sehr problematisch könnte es werden, wenn ein Rosenheimer auf die Strafbank muss: Das sechstbeste Penalty-Killing des Südens (77,2 Prozent, gegen Essen allerdings auf 87,5 Prozent verbessert) muss versuchen, das mit Abstand beste Powerplay des Nordens (30,4 Prozent Erfolgsquote!) im Zaum zu halten, welches in der Serie gegen Weiden allerdings „nur“ zwei Tore aus zehn Situationen erzielen konnte. Dieses mörderische Powerplay stempelt die Scorpions endgültig zum Favoriten.
Vom Papier her liegen fast alle Vorteile also auf Seiten der Niedersachsen. Und um beim „Dinner for one“ zu bleiben: Damit es nicht am Schluss heißt „Same procedure as every year“, sollten sich Manuel Koflers Mannen den letzten Satz des schwer geprüften Butlers James zum Motto machen: „I’ll do my very best“…