„Ich werde noch härter arbeiten, weil mein Anspruch größer geworden ist“

von Redaktion

Denise Herrmann gibt sich mit den drei errungenen WM-Medaillen noch längst nicht zufrieden: Planung bis Olympia 2022

Ruhpolding – Mit drei Medaillen bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Östersund ist Denise Herrmann die erfolgreichste DSV-Starterin bei den Titelkämpfen gewesen. Die schwedische Biathlon-Hochburg ist für die 30-Jährige ein besonders gutes Pflaster. Vor zwei Jahren holte sie dort ihren ersten Weltcupsieg, damals im Sprint. „Mit einer Medaille habe ich schon spekuliert, denn die Form hat gut gepasst“, sagt sie rückblickend. Wenn ihr vorher jemand dreimal Edelmetall prophezeit hätte, hätte sie das allerdings für utopisch gehalten. Eine beeindruckende Leistung bot die am Stützpunkt Ruhpolding trainierende Sportlerin in der Verfolgung und holte dadurch ihren ersten WM-Titel. Bereits zuvor hatte sie in der Mixed-Staffel Silber errungen und sozusagen als Zugabe noch Bronze im Massenstart geholt.

Ihre Erfolge hat sie vor allem ihren Qualitäten im Laufen zu verdanken. Als ehemalige Speziallangläuferin war sie vor drei Jahren zum Biathlon gewechselt. „Zum Glück kann ich manche Fahrkarte durch mein läuferisches Vermögen ausgleichen“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Weltspitze ist so eng zusammengerückt, da muss alles passen. In allen Nationen rührt sich was, die schlafen alle nicht.“

Nach der Rückkehr vom Weltcup-Finale aus Oslo wartete auf Herrmann eine Überraschung, eingefädelt von ihrem Lebensgefährten, dem Langläufer Thomas Wick. „Auf der Fahrt vom Flughafen nach Ruhpolding sind mir plötzlich die Augen verbunden worden. Dann sind wir gefühlt zehnmal durch den Kreisverkehr gefahren und ich wusste nicht mehr, in welche Richtung es ging.“ Kurz vor der „Leita Stu´m“ am Westernberg wurde sie von der Augenbinde befreit und von Freunden, Bekannten, Weggefährten und Familienangehörigen empfangen. „Das war so herzlich, da sind mir die Tränen gekommen. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.“

Viel Zeit zum Feiern hat sich für den WSC Erzgebirge Oberwiesenthal startende Sportlerin nicht genommen: Am vergangenen Wochenende nahm sie an den deutschen Langlaufmeisterschaften in Reit im Winkl teil. „Ich wollte unbedingt mit meiner Schwester Nadine im Teamsprint starten.“ Rückblickend bereut sie den Schritt vom Langlauf zum Biathlon nicht, obwohl der Umstieg nicht einfach war. „Natürlich bist du als Langläuferin im Vorteil, aber es kommt halt das Schießen dazu. Durch viel Training und harte Arbeit kann man ein gewisses Niveau erreichen“, erklärt sie. In der Folge will sie ihren Anschlag weiter stabilisieren. „Die Kunst ist es, im Wettkampf alles umzusetzen“, meint die Sportlerin, die seit geraumer Zeit vom ehemaligen Weltklasse-Langläufer Tobias Angerer gemanagt wird.

Die Medaillen bei der WM sieht sie als Belohnung für alles, was sie bisher für ihren Traum investiert hat. Trotz der gestiegenen Aufmerksamkeit um ihre Person verspricht sie eines: „Ich werde mich auf keinen Fall verändern, sondern immer die Denise, so wie man mich kennt, bleiben. Eines aber ist sicher: Ich werde im Training noch härter arbeiten, weil mein Anspruch natürlich noch größer geworden ist“, so ihre Kampfansage an die Konkurrenz.

Ihre Planungen laufen auf alle Fälle bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking und möglicherweise auch noch auf die WM ein Jahr später in Oberhof. „Ich werde genau auf meinen Körper schauen. Freilich möchte ich später auch eine Familie gründen und Kinder haben“, sagt sie zu ihrer Zukunft. Die notwendige Unterstützung wird sie bei ihrem zukünftigen Weg auch weiter von ihrer Familie und ihrem Umfeld bekommen. In Ruhpolding fühlt sie sich ausgesprochen wohl. „Ich lebe jetzt schon viele Jahre hier und es gefällt mir sehr gut.“shu

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